Stipendien in Serie Ein Exot unter den Ökonomen

Auslandskorrespondent wollte er werden, schon als Schüler. Dann wurde Alexander Häntzschel Stipendiat der Stiftung der Deutschen Wirtschaft. Und möchte nun nicht mehr "darüber schreiben, was andere tun".

Von Britta Heidemann


Auf Dauer will Alexander Häntzschel lieber Zeitung lesen als für Zeitungen schreiben
Alexander Häntzschel

Auf Dauer will Alexander Häntzschel lieber Zeitung lesen als für Zeitungen schreiben

Die offizielle Fächerbezeichnung klingt kompliziert: Kulturwissenschaft und Ästhetik mit den Nebenfächern Südostasienstudien, Afrikanistik und internationale Beziehungen für Asien und Afrika - so heißt das Magisterstudium, das Alexander Häntzschel in Berlin absolviert. "Ich sag immer, ich studiere Europäische Kultur und asiatische Geschichte". Beides im Hinblick auf das angestrebte Berufsziel Journalist: "Ich wusste schon früh, was ich wollte", sagt der 25-Jährige, "mit zwölf Jahren habe ich meine erste Schülerzeitung herausgegeben."

Etwas später konnte er den Traumjob genauer einkreisen: Auslandskorrespondent wollte er werden. Nach dem Abitur schnupperte Alexander Häntzschel daher zunächst Redaktionsluft und absolvierte neun Praktika, eineinhalb Jahre lang. Bei Agenturen, Zeitungen, Zeitschriften, Radiosendern - "alles außer Fernsehen" habe er gemacht. Die hohe Zahl der Praktika ergab sich zufällig: "Fürs Schülerpraktikum hatte ich damals 54 Bewerbungen geschrieben und 54 Absagen erhalten." Diesmal wollte er sichergehen.

Nach dem Praktika-Marathon gönnte er sich eine lange Reise, zog mit dem Rucksack durch die USA und Asien. Und entschied sich, asiatische Geschichte zu einem Schwerpunkt seines Studiums zu machen, um später in Asien journalistisch arbeiten zu können.

Von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft hörte Häntzschel zufällig. "Die Stiftung hat mir gut gefallen, weil sie nicht parteigebunden ist, weil hier kein Einfluss genommen wird." Schon im Auswahlverfahren, beim Gespräch mit dem Vertrauensdozenten und beim eintägigen Assessment-Center, habe er "viel gelernt" über sich selbst. Und schnell gemerkt, dass er gegenüber all den Wirtschaftsstudenten und Juristen auch gewisse Vorteile hat: "Wir sollten über ein Buch schreiben, das uns besonders gut gefallen hat - für mich kein Problem, für andere schon."

"Man kommt mit unglaublich
interessanten Menschen zusammen"

Beim "Grundwerte"-Seminar und bei der einwöchigen Ferienakademie ging es ebenfalls nicht allein um Wirtschaftsthemen, sondern auch um die Zusammenarbeit im Team oder die Leitung von Gruppen. "Vor den Übungen haben wir Vorträge von Professoren oder Politikern gehört - das waren wirkliche Persönlichkeiten", schwärmt Alexander Häntzschel: "Man kommt mit unglaublich interessanten Menschen zusammen. Die kennen sich in ihrem Fach gut aus und können auch darüber reden".

Als "Exoten" sieht er sich heute noch. Doch zugleich scheinen ihm die Kommilitonen zunehmend exotischer: "Früher kam ich mir bei der Stiftung fremd vor, zwischen den BWLern und Juristen. Heute komme ich mir eher in meinem Studiengang fremd vor."

Auf Reisen in Hongkong
Alexander Häntzschel

Auf Reisen in Hongkong

Inzwischen hat er, auch aufgrund des Stiftungsprogrammes, einige Nachteile des Journalismus erkannt: "Man kann nur relativ schwierig etwas selber machen, sondern schreibt darüber, was andere machen." Den Wirkungskreis im Journalismus findet er zu "begrenzt für seine Ziele: "Ich will in meinem Leben Verantwortung übernehmen." Eher als ein Volontariat könnte er sich daher ein Traineeprogramm im Verlagswesen vorstellen. Oder den Aufbaustudiengang Media Management an der News School in New York. Zunächst aber steht die Magisterarbeit an: Über "Medien in Asien" schreibt er in Singapur.



Alle Informationen zur Stiftung der Deutschen Wirtschaft: Bewerbung, Anforderungen, Auswahltermine

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