Stipendien in Serie Förderung für Pfiffige

Klug ist, wer sich engagiert: Nunmehr elf Begabtenförderungswerke vergeben Stipendien an Studenten. Sozialer Einsatz zählt ebenso wie der Abi-Schnitt - und weit mehr als das Parteibuch.

Von Britta Heidemann


Jede politische Partei hat eine, inzwischen auch die PDS - seit Anfang 2000 hat die Bundesstiftung Rosa Luxemburg 117 Studien- und 51 Graduiertenstipendien vergeben. "Unsere Zielvorstellung liegt bei 300 Stipendiaten", so Sprecher Tilo Gräser.

So viele künftige Sozialisten? Aber nein. Die Begabtenförderungswerke sollen keine Kaderschmieden sein. Darin ist man sich einig, bei der grünen Heinrich-Böll-Stiftung wie bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung wie bei der liberalen Friedrich-Naumann-Stiftung. Allein die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung macht eine kleine Einschränkung: Ein PDS-Mitglied nähme man "vielleicht nicht unbedingt" ins Förderprogramm auf, sagt Mitarbeiter Burkhard Haneke.

Allein die Kirchen wollen das richtige "Parteibuch" sehen. Das Cusanuswerk setzt die katholische Konfession voraus, das Studienwerk Haus Villigst die evangelische. Früher mussten die "Stipis" von Haus Villigst auch noch ein Werksemester absolvieren - bevor er an die Uni durfte, musste der Student ins Stahlwerk.

Finanzielles Plus: Büchergeld und keine Schulden

1995 stieg mit dem Studienförderwerk Klaus Murmann auch die deutsche Wirtschaft ins Stipendiengeschäft ein. Sie verfolgt das Ziel, vielversprechende junge Menschen "auf Schlüsselpositionen in der unternehmerischen Wirtschaft" vorzubereiten. Bis 2002 sollen 600 Studierende und 50 Doktoranden am Programm teiulnehmen. Die Gewerkschaften betreiben mit der Hans-Böckler-Stiftung ebenfalls ihr eigenes Förderprogramm - besonders für "Arbeitnehmerkinder und Absolventen des zweiten Bildungsweges".

Und was bringt's? Zunächst einmal kaum mehr als den mageren Bafög-Satz. Die monatlichen Zuwendungen werden nach den gleichen Richtlinien berechnet. Einziger Unterschied: Die Förderungswerke setzen höhere Freibeträge als beim Bafög üblich. Als Faustregel gilt: Wer kein Bafög bekäme, kann bei den Stipendienprogrammen allenfalls das Büchergeld von durchschnittlich 150 Mark absahnen.

Wer aber einen Bafög-Anspruch hat, sollte eine Bewerbung erst recht in Betracht ziehen. Denn schließlich muss das Stipendiengeld nicht zurückgezahlt werden - also kein Schuldenberg beim späteren Start ins Berufsleben. Der Fördersatz für Doktoranden ist unabhängig vom elterlichen Einkommen: Zwei Jahre lang gibt's zwischen 1600 und 1800 Mark plus 200 Mark Büchergeld.

Stiftungen als Kontaktbörse

Neben dem materiellen Aspekt aber zählt für viele noch ein inhaltlicher: Die bundesweit 13.000 Stipendiaten werden von Vertrauensdozenten an ihrer Uni persönlich beraten, treffen sich zu Wochenendseminaren und Ferienakademien, erproben sich in Arbeitskreisen. Und bei allen Aktivitäten knüpfen sie Kontakte, die bei der Karriere helfen könnten. "Den Begabtenförderungswerken kommt die Aufgabe der kritisch-inhaltlichen Vermittlung scheinbar fachfremden Wissens zu", heißt es in einer Erklärung der Arbeitsgemeinschaft der Werke. Diese "Mediation" vertiefe die "individuelle Verbindung von Qualifikation, Begabung und Motivation".

Es lohnt also doch, vor dem Studienstart einen Blick auf die Bewerbungsfristen zu werfen. Die meisten Stiftungen setzen Stichtage im Frühjahr und im Herbst. Bei der Hans-Böckler-Stiftung sowie der Studienstiftung des Deutschen Volkes allerdings kann man sich nicht selbst bewerben; Lehrer oder Hochschuldozenten schlagen besonders Begabte vor. Das geschieht gar nicht so selten: So fördert die Studienstiftung des Deutschen Volkes derzeit knapp 5500 Stipendiaten und nimmt jährlich etwa tausend neue auf - garantiert "politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig".

Für fünf Prozent der Stipendiaten hat das Bundesbildungsministerium kürzlich eine Sonderregelung geschaffen: Auf Antrag der Studienstiftung, des Cusanus-Werkes sowie des Evangelischen Studienwerks Haus Villigst dürfen die drei Werke ab sofort auch EU-Europäer aufnehmen, die keinerlei Bezug zu Deutschland haben. Bisher sind ausländische Studierende nur nach Paragraph 8 des Bafög förderungsberechtigt - wenn zum Beispiel ein Elternteil Deutscher ist oder einige Jahre in Deutschland erwerbstätig war. Nun können Ausländer auch ohne diese Einschränkungen Fördergelder erhalten.

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