Streichkonzert Ost Mensa de luxe

An den ostdeutschen Hochschulen rumort es: Die Länder kürzen überall Stellen und wollen teils Studiengebühren einführen. Unterdessen formiert sich der Protest. In Thüringen etwa werden Studentenvertreter Mensaessen zu Edelpreisen verkaufen.

Von Christian Fuchs


Protest gegen Gebühren: Studenten sollen zahlen
DPA

Protest gegen Gebühren: Studenten sollen zahlen

Am 4. November werden die 37.000 Thüringer Studenten deutlich spüren, wie sich ihre Situation in Kürze verschlechtern könnte: Für einen Tag soll das Studentenfutter in den Mensen richtig teuer sein. Mit dieser Aktion will die Konferenz Thüringer Studentenschaften (KTS) zeigen, was passiert, wenn das Land künftig 1,8 Millionen Euro weniger an die Studentenwerke überweist. Dann müssten die Studentenwerke die Essenspreise um 50 Cent anheben; bisher zahlen die Studenten zwischen Ilmenau und Schmalkalden lediglich 1,40 bis 2,50 Euro pro Menü.

Auch die Haushaltssperre wurmt die Studentenvertreter: Bis Jahresende dürfen die Unis freie Stellen von Professoren, Assistenten und Hilfskräften nicht neu besetzen - Seminarausfälle und schlechtere Betreuung sind die Folgen. In Jena zum Beispiel kann das Videostudio der Medienwissenschaftler nicht mehr betreut werden, an der TU Ilmenau müssen alle Wirtschaftsstudenten auf die Seminare in Industrieökonomik verzichten, Informatikübungen fallen aus.

Butter bei die Fische: Der Freistaat will bei den Studenten kassieren Beistand von oben: Langzeitstudenten müssen auf Erleuchtung hoffen Nix wie raus: Wer zu lange bleibt, soll zahlen
Thüringer Denkfabrik: Wer nicht zahlt, steht bald vor verschlossenen Türen Große Kampagne: Thüringen wirbt für seine Hochschulen Trotz guter Zahlen: Die Regierung des Freistaats findet ein Haar in der Suppe


An den Denkfabriken drohen Entlassungen - die Thüringer Imagekampagne für die Hochschulen. Klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen.

Thüringen, das unlängst bei einem Ländervergleich deutscher Hochschulen hervorragend abschnitt, ist bisher so stolz auf seine "Denkfabriken" und rührt für das Studium emsig die Werbetrommel. Wie Hohn erscheint es den Studentenvertretern, dass Studenten für schlechtere Bedingungen künftig Langzeitstudiengebühren zahlen sollen: Ab 2003 kostet das Studium 500 Euro pro Semester, wenn man mehr als vier Semester über der Regelstudienzeit braucht.

Vorlesung in Greifswald: Massive Kürzungen geplant
Foto: GMS

Vorlesung in Greifswald: Massive Kürzungen geplant

Dagmar Schipanski wolle das eigene Versagen den Studenten anlasten, wirft die KTS der Thüringer Wissenschaftsministerin vor. Betroffen seien vor allem "Kommilitonen, die für ihr Studium hart arbeiten müssen und es somit nicht in der Regelstudienzeit abschließen können", so Studentensprecher Sven Kupfer.

In anderen ostdeutschen Ländern sieht es kaum besser aus. Auch in Sachsen machen Studenten schon seit Monaten gegen den Sparkurs mobil, und in Mecklenburg-Vorpommern startete jetzt eine landesweite Protestwelle gegen geplante Kürzungen. Allein an der Greifswalder Uni stehen 158 Stellen auf dem Spiel. Am Mittwoch haben daher rund 100 Studenten ihre Hochschule symbolisch zu Grabe getragen. Mit einem Sarg und Plakaten wie "Ihr spart die Uni zu Tode" zogen sie vor das Hauptgebäude und hielten dort "Totenwache".




© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.