Streit mit Privathochschule Student bekommt Geld nicht zurück

Einen staatlich anerkannten Bachelor-Abschluss wollte ein Student einer privaten Freiburger Hochschule. Den habe ihm die International University auf einer Berufsmesse versprochen, war dazu aber gar nicht berechtigt. Der Absolvent fühlte sich getäuscht, seine Klage scheiterte.

Umsonst gebüffelt? Student scheitert vor Gericht gegen Privathochschule (Symbolbild)
DPA

Umsonst gebüffelt? Student scheitert vor Gericht gegen Privathochschule (Symbolbild)


Er wollte die Studiengebühren und das Geld wiederhaben, das er für Umzug und Miete gezahlt hatte, insgesamt rund 7000 Euro. Deswegen verklagte ein ehemaliger Student die International University of Cooperative Education (IUCE), eine Freiburger Privathochschule.

Die Hochschule habe ihm vorgetäuscht, dass er dort einen staatlich anerkannten Bachelor-Abschluss erwerben könne. Damals sei die IUCE jedoch gar nicht berechtig gewesen, akademische Abschlüsse zu verleihen, berichtete die "Financial Times Deutschland" ("FTD"). Der Wissenschaftsrat habe ihr die institutionelle Akkreditierung verweigert.

Das Landgericht Freiburg wies die Klage des Studenten am Freitag allerdings ab. Im konkreten Fall sei eine vorsätzliche Täuschung nicht nachweisbar, teilte das Gericht mit. Wer das Informationsmaterial der Hochschule nur schnell überfliege, könne zwar einen falschen Eindruck bekommen. Aber bei genauerer Betrachtung werde deutlich, "dass lediglich der Studiengang selbst durch das Akkreditierungs-, Zertifizierungs- und Qualitätssicherungsinstitut ACQUIN akkreditiert ist, nicht aber die Hochschule staatlich anerkannt".

Der Student hatte auch behauptet, dass der damalige Rektor der IUCE auf einer Berufswahlmesse Ende 2010 auf Nachfrage gesagt habe, dass die Einrichtung staatlich anerkannt sei, berichtete die "FTD". "Ich fühle mich von denen über den Tisch gezogen", zitiert die Zeitung den Studenten. Der ehemalige Geschäftsführer der IUCE, Robert Wetterauer, erklärte: "Wir haben nicht getäuscht." Man habe Bewerber darüber informiert, dass sich die Hochschule in Gründung befinde.

Auch das Gericht konnte nach eigenen Angaben nicht ausschließen, dass der Student die Aussagen auf der Veranstaltung lediglich falsch interpretiert hatte. Insgesamt waren vier Studenten gegen die Hochschule vor Gericht gezogen. Ob auch die anderen Klagen abgewiesen werden, ist noch nicht klar. Die IUCE wurde inzwischen von der Internationalen Berufsakademie (IBA) in Hessen übernommen und hat ihren Namen geändert. Am IBA-Studienort Freiburg seien rund 200 Studenten eingeschrieben, heißt es auf der Webseite. Und: Die IBA sei "unbefristet staatlich anerkannt".

Aktenzeichen 1 O 135/12, Landgericht Freiburg

son

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
stefan1904 31.08.2012
1. Nachfrage
Wie viele Semester hat der Student in Freiburg studiert? Hat er dort einen Abschluss gemacht? Mit 7000 Euro kommt man nicht mehr als zwei Semester über die Runden. Die jetzt vorhandene staatliche Anerkennung der Hochschule ist für den Abschluss des Klägers irrelevant, oder?
Vorzeichen 31.08.2012
2. Wie süß, ein BWLer klagt.
Zitat von sysopTMNEinen staatlich anerkannten Bachelor-Abschluss wollte ein Student einer privaten Freiburger Hochschule. Den habe ihm die "International University" auf einer Berufsmesse versprochen, war dazu aber gar nicht berechtigt. Der Absolvent fühlte sich getäuscht, seine Klage scheiterte. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,853283,00.html
Ein gutes hat die Story: Ein Depp weniger, der mit einem angeblichen Diplom (Batchelor, Master, ...) einer sogenannten Hochschule für BWL die Welt mit Binsenweisheiten retten will. Einer weniger, dem man ein Forum liefert, in dem er ungefragt seine Nihilismen verbreiten kann. Nächster Schritt: Umbenennung der privaten Hochschulen in Grundschulen. Mehr als das Malen bunter Bilder wird dort nicht gelehrt. Soll sich der Klagende mal als Physiker versuchen. Dann merkt er schnell (ich gebe ihm eine Woche), dass sein Wiwirotz die Welt nicht interssiert, er aber zu blöd ist, theoretisch zu arbeiten.
schimi77 31.08.2012
3. @Vorzeichen
Selten so einen Quatsch gehört. PS: Habe selber ein BWL Diplom MBA
Unikenner 31.08.2012
4. Fehlurteil
Sehr schade - denn viele halbseidene private Hochschulen werden mit diffusen Akkreditierungen, die aber aufgrund der fehlenden staatlichen (sprich WR) Anerkennung nichts, aber auch garnichts, wert sind. Schade. Andererseits akkreditiert der WR auch die dubiosesten Hochschulen (wie auch diverse "Fernhochschulen"), so dass dem Endkonsumenten nicht klar sein kann, was jetzt "richtig" und "falsch" ist. Ich persönlich würde mich hier sehr für klarere Qualitätskritierien aussprechen. Wäre ich Richter gewesen, hätte ich einem Schadenersatzsanspruch zugestimmt.
rainer_daeschler 31.08.2012
5.
Hochschulen ohne staatliche Anerkennung leben letztendlich davon, dass ihren Studenten ihr wahrer Status vorenthalten wird. Deren Studenten wollen einen zur Urkunde passenden Job und nicht später den Personalchef zum Lachen bringen. Gerade die Unseriösen unter den Hochschulanbietern können sich freuen, wenn sie unter den Gerichten so viel Unterstützung finden.
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