Fotostrecke

Hundekotbeutel im Vorgarten: So eine Kacke

Foto: Arne Krämer

Student kämpft gegen Hundekotbeutel So ein Sch...!

Vorbildliche Hundebesitzer sammeln den Kot ihrer Tiere in Plastiktüten - doch die landen dann häufig im Gebüsch oder auf Spielplätzen. Ein Student kämpft gegen diese Öko-Sauerei: In Hamburg sammelt er Beweisfotos - und Tausende machen mit.
Von Jasper Ruppert

Das ist doch Kacke! Arne Krämer läuft einen Alsterkanal im vornehmen Hamburg-Winterhude entlang und zeigt auf dunkelbraune Tüten, die vor ihm im Gebüsch liegen. "Ich verstehe das nicht", sagt der 28-Jährige.

Bei dem illegal entsorgten Plastikmüll handelt es sich um Kotbeutel, in die Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner gepackt haben. Natürlich hätten sie die Behältnisse anschließend auch in den nächsten Mülleimer werfen können. Aber der ist quälend weit entfernt, etwa 20 Meter. Außerdem kommt im gut organisierten Deutschland ja irgendwann garantiert ein städtischer Mitarbeiter vorbei und räumt den Mist weg.

Krämer, der an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften gerade seinen Abschluss in International Business and Marketing macht, hat die Faxen dicke von diesem moralisch und ökologisch fragwürdigen Treiben: Er will ein Problembewusstsein für den Sondermüll schaffen, der nach seinem Eindruck zunehmend in öffentlichen Rabatten herumliegt.

Zu diesem Zweck erstellte er im Rahmen seiner Masterarbeit die Poop Bag Map für Hamburg  - eine Internetplattform, auf die Bürger Aufnahmen wild entsorgter Beutel hochladen können. Die Resonanz ist riesig: Etwa 3500 Fotos haben die Hamburger schon beigesteuert, innerhalb von fünf Wochen.

200 Millionen Hundekotbeutel pro Jahr

Um die Folgen der reichlich dokumentierten Öko-Sauerei ein wenig zu mildern, entwickelte Krämer gemeinsam mit einer Schweizer Firma einen Hundekotbeutel aus Biokunststoff. Der würde sich im Falle einer illegalen Entsorgung zumindest schneller auflösen - die säureresistenten, geruchshemmenden Kotbeutel brauchen mindestens hundert Jahre, bis sie zersetzt sind.

Nach Krämers Schätzungen verwenden die Deutschen jährlich 200 Millionen der von der öffentlichen Hand bereitgestellten Hundekotbeutel, um die Kackwürste ihrer Lieblinge einzuschließen. Wie viele davon korrekt im Mülleimer landen, lässt sich schwer erfassen. Klar ist laut Krämer aber, dass sich die eingetüteten Exkremente besonders oft rund um Gewässer und in Hecken finden lassen. Leider seien auch Spielplätze betroffen, wo die Matschbeutel das Interesse jüngerer Kinder wecken könnten.

Beim Joggen fasste Krämer den Entschluss, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Auf einer seiner Runden zählte er einmal mehr als hundert Tüten. Weil er Hobbyangler ist, hatte er sich auch zuvor schon über die bekackten Beutel geärgert: Als er etwas einholen wollte, was er für einen Fisch hielt, hatte er eines der Kotsäckchen am Haken.

Krämer hat seine Biobeutel nun schon mehr als 700 Kommunen angeboten, aber es scheiterte fast immer am Geld. Eine Tüte, die man an einem öffentlich aufgestellten Spender ziehen kann, kostet im Ankauf 0,5 Cent, die Bioversion dagegen 1,8 Cent. Bei 25 Millionen Beuteln, die allein die Stadtreinigung Hamburg jährlich herausgibt, sind das keine kleinen Beträge. Mit Wilhelmshaven und Geesthacht konnte Krämer jedoch zwei Städte überzeugen - trotz aller Vorbehalte. Denn Kritiker befürchten, dass Hundebesitzer die verpackten Stoffwechselendprodukte dann noch häufiger in die Natur werfen.

"Wie soll man erwachsene Menschen erziehen?"

Manch ein Tierliebhaber macht bei der Kackwurstentsorgung nicht einmal vor Privatgrundstücken halt. Ein leicht verwilderter Garten in einer Seitenstraße, auf den Krämer während seines Kontrollgangs stößt, gleicht einem Massengrab für Hundekotbeutel: An einem einzigen Baum hängen 30 braune Tüten. Anwohner Nils Großer hat längst resigniert: "Wie soll man erwachsene Menschen erziehen?", fragt er seufzend. Seine Nachbarn und er leiden darunter, mit welcher Dreistigkeit einige Hundebesitzer die Beutel sogar an ihren Zäunen drapieren. "Einmal hat es jemand vor meinen Augen getan und es anschließend geleugnet. Da bin ich deutlich geworden, seitdem meidet der meine Straßenseite", berichtet Großer.

Hol Dir den gedruckten UNI SPIEGEL!
Foto: Jindrich Novotny/ UNI SPIEGEL

Ausgabe 3/2015

WG-Horror
Warum das Zusammenleben oft so schwer ist

Diesmal mit Geschichten über das unstete Leben einer Entwicklungshelferin, über das Bundesland mit besonders zufriedenen Studenten und über einen Studenten, der gegen Hundekacke kämpft. Wollt ihr das Heft nach Hause bekommen?Abo-Angebote für StundentenDen UNI SPIEGEL gibt es kostenlos an den meisten Hochschulen.UNI SPIEGEL 3/2015: Heft-Download

Krämer sieht die Gründe der unsachgemäßen Massenentsorgung nicht nur in Faulheit und Ignoranz. Vielfach übten Herrchen und Frauchen wohl eine sonderbare Form des Protests, "frei nach dem Motto: Wenn hier in der Nähe kein Mülleimer steht, ist es nicht mein Problem". Ein Verhalten, unter dem nicht nur Vorgartenbesitzer litten, sondern auch die meisten Hundebesitzer. Sie müssten ja ebenfalls über die Tretminen steigen, wenn sie den Kot ihres Hundes aufsammeln.

"Ich bin optimistisch, dass sich das Problem lösen lässt", sagt Krämer. Nicht nur mit den Biobeuteln und seiner Poop Bag Map, welche die Stadt überzeugen könnte, mehr Mülleimer an den richtigen Stellen aufzustellen. Auch ein simpler Trick könnte helfen, glaubt er: einfach die Kackbeutel nicht mehr in dunklen Farben bereitstellen, sondern in Signalrot. Dann fiele die Sauerei stärker auf, und Hundehalter würden zweimal nachdenken, bevor sie Lieblings Haufen im Unterholz zurücklassen.

Mehr lesen über