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12. Juni 2004, 13:19 Uhr

Studenten geben Design-Nachhilfe

Schöner kaufen bei Aldi

Von Carsten Matthäus

Billig muss nicht hässlich sein, dachten sich ein paar Bielefelder Designstudenten und entwickelten für Aldi-Produkte farbenfrohe Verpackungen. Doch die Handels-Manager ließen die Gruppe abblitzen. SPIEGEL ONLINE zeigt die Entwürfe, die es nie in ein Aldi-Regal schaffen werden.

Mehr Stil für Aldi: Jungdesigner Klaus Bremers präsentiert seine Entwürfe
DPA

Mehr Stil für Aldi: Jungdesigner Klaus Bremers präsentiert seine Entwürfe

Bielefeld - "Die haben nicht nur keine Kultur, die haben auch keinen Humor", ärgert sich Helmut Schmitt-Siegel über die Aldi-Manager. Der Design-Professor an der Fachhochschule Bielefeld hatte die Handelskette, die jährlich 25 Milliarden Euro Umsatz macht, um ein paar Kisten Champagner gebeten. Zur Eröffnung einer Ausstellung, bei der es einzig und allein um Aldi geht.

Schmitt-Siegel und seine Studenten haben sich ein Jahr lang mit dem Problem beschäftigt, dass bei Aldi "durchaus gute Produkte so lieblos bis widerwärtig verpackt" bei Aldi auf den Paletten stehen. Sechs Studenten präsentieren nun unter dem Titel "Außen Flop - Innen Top" ihre Vorschläge, wie man die Billigprodukte zu einer eigenen, erkennbaren Marke machen könnte. Einen innovativen Nachhilfeunterricht wollten sie Aldi bieten.

Lesen Sie in der Fotostrecke, was sich die Jungdesigner bei ihren Entwürfen gedacht haben

Die Verantwortlichen von Aldi schickten allerdings weder Champagner noch irgend eine andere Form von Unterstützung: "Hinsichtlich der von Ihnen angesprochenen Themenstellungen bedienen wir uns - neben unternehmungsinternen Ressourcen - einer Agentur; letzteres auf Basis längerfristiger kontraktlicher Bindung", heißt es im Amtsdeutsch des knappen Antwortschreibens.

Nach Meinung Schmitt-Siegels hätte der größte deutsche Discounter aber die Pflicht, für ein besseres Aussehen der eigenen Produkte zu sorgen: "Jemand, der so massiv in der Gesellschaft auftritt, hat eine Verantwortung. Ich wasche mich ja auch täglich", sagt der Design-Experte. Er verweist auf Handelsketten wie Albert Heijn in den Niederlanden oder Marks&Spencer in Großbritannien, die längst die Chancen eines ansprechenden Designs nutzen. Der Design-Professor will den Kampf gegen hässliche Verpackungen trotz der Enttäuschung mit Aldi nicht aufgeben: "Wenn die nicht wollen - es gibt ja auch noch Plus, Lidl und Penny."

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