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13. November 2011, 11:10 Uhr

Studenten im Altenheim

Mein Mitbewohner, der Opa

Sie zeigen der Generation 80-plus, wie Facebook funktioniert, helfen im Haushalt, organisieren Arzttermine: Studenten ziehen ins Altenheim und jobben dort ein paar Stunden im Monat - dafür müssen sie eine geringere Miete zahlen. Funktioniert das Modell Generationen-WG?

Sandra Katzwinkel, 23, verteilt Liederhefte. Es ist Gesangsnachmittag im Seniorenheim "Am Steinhübel" in Saarbrücken. Einer Frau im Rollstuhl hilft sie, die richtige Seite aufzublättern. Die junge Frau ist weder Altenpflegerin noch im Freiwilligen Sozialen Jahr. Sie ist Studentin und wohnt auf dem Gelände in einem eigenen Apartment. "Dafür helfe ich acht Stunden im Monat im Seniorenheim", sagt die gebürtige Berlinerin.

Der Wohnraum, besonders für Studenten, ist in Saarbrücken knapp und teuer - wie in vielen Uni-Städten, wenige Wochen nach Semesterstart. Manche sind ausgewichen in Notquartiere, in Zelte, Sporthallen, Kellerverschläge.

18.200 Studenten studieren allein an der Universität des Saarlandes in diesem Wintersemester. Das Projekt "Wohnen für Hilfe", das es in ähnlicher Form in 16 weiteren deutschen Städten von München über Aachen bis Jena gibt, soll Abhilfe schaffen - und gleichzeitig die Generationen näher zusammenbringen.

Studenten helfen im Haushalt von älteren Menschen, Familien oder Behinderten und wohnen dafür zu vergünstigten Konditionen. Die Nachfrage seitens der Studenten ist laut Studentenwerk im Saarland groß - größer jedenfalls als das Angebot. Nur 18 Apartments gibt es im Wohnheim am Steinhübel, jedes 20 Quadratmeter groß, mit eigenem Bad, Balkon und Gemeinschaftsküche. Gerade mal 200 Euro inklusive Nebenkosten zahlen die Studenten dafür.

Sparfüchse unerwünscht

"Wir wählen aber aus, wer da hineinpasst. Wir wollen niemanden, der nur bei der Miete sparen will, sondern jemanden, der wirklich ein soziales Anliegen hat", sagt Dieter Horn, der beim Studentenwerk für "Wohnen mit Hilfe" zuständig ist. Denn wer ins Haus "Am Steinhübel" zieht, der übernimmt auch Verantwortung. Bingo-Nachmittag, Gesangskreis, Kinoabend und diverse Feste - überall packen die Studenten an.

Jeder so, wie er Zeit hat. Mittlerweile haben einzelne Studenten auch Patenschaften für Heimbewohner übernommen, wie etwa Milenka Cofre. "Die Heimbewohnerin und ich sind richtige Freundinnen geworden. Einmal pro Woche besuche ich sie, und wir trinken Kaffee und essen Kuchen. Ich bringe sie auch zu ihren Arztterminen", sagt die Spanisch- und Deutsch-Studentin.

Andere Studenten gehen mit dem Senioren spazieren oder musizieren mit ihnen. Informatikstudent Luis Delgado hat eine ganz besondere Schülerin. "Sie ist 86 Jahre alt, und ich habe ihr den Umgang mit dem Internet beigebracht. Jetzt schreibt sie E-Mails, ist bei Facebook und telefoniert mit Skype über das Internet", erzählt er.

"Hier zu wohnen, ist eine sehr schöne Erfahrung. Doch manchmal ist es auch schwierig, zum Beispiel bei Menschen mit Demenz", sagt Milenka Cofre. Für das Zusammenleben von Jung und Alt brauche es Mut, Geduld und Toleranz. "Man darf auch keine Berührungsängste in Bezug auf die älteren Menschen haben", sagt sie.

"Wir müssen beide Generationen aneinander heranführen", sagt die Leiterin von Haus "Am Steinhübel", Andrea Sieger. So werden die Studenten in Workshops auf den Umgang mit den Senioren vorbereitet. Wie ein Rollstuhl zu bedienen ist, wird dabei ebenso gezeigt wie Umgangsformen oder Sicherheitsvorkehrungen. Die Zeit im Seniorenheim können sich die Studenten nachträglich auch als Praktikum anerkennen lassen. Andrea Sieger ist sehr zufrieden mit "ihren" Studenten. "Ich hoffe, dass es so gut weitergeht."

Am Ende des Gesangsnachmittags sammelt Sandra Katzwinkel die Liederhefte wieder ein und hilft dabei, die Bewohner auf ihre Zimmer zu bringen. Die Arbeit im Gesangskreis muss sie abgeben, der neue Stundenplan lässt es zeitlich nicht zu. "Doch dafür gibt es genügend andere schöne Dinge, die ich hier tun kann."

Von Ulrike Otto, dpa / otr

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