Studenten in New Orleans Pauken im Containerdorf

Die Flutkatastrophe hatte die Southern University in New Orleans komplett verwüstet. Inzwischen wird dort wieder gelehrt - Improvisation ist alles. Ein Containerdorf ersetzt den historischen Campus. Die Studenten entdecken positive Seiten, etwa Top-Jobs: "Man kann voll absahnen!"

Von Julian J. Rossig


Als Hurrikan "Katrina" am 29. August 2005 durch Louisiana und Mississippi pflügte und in New Orleans die Dämme brachen, traf es eine Universität besonders schlimm: Einen guten Meter stand der historische Campus der Southern University of New Orleans (SUNO) unter Wasser - viele Tage lang. Ob in den Gebäuden jemals wieder Vorlesungen stattfinden würden, war anfangs völlig unklar. Die Zukunft der ganzen Uni schien plötzlich gefährdet.

Doch Uni-Leiter Victor Ukpolo ließ sich nicht unterkriegen: "SUNO hat eine immerhin 47 Jahre alte Tradition zu verteidigen", stellt er klar. Die Southern University entstand speziell von und für Minderheiten. Obwohl natürlich Studenten aller Hautfarben angenommen werden, ist die überwiegende Mehrheit der Studenten schwarz. "Wir haben schon immer etwas härter kämpfen müssen, um zu unserem Recht zu kommen", sagt Ukpolo ohne Bitterkeit.

Der Uni-Chef kämpfte. In kurzer Zeit stampfte die Verwaltung gemeinsam mit der US-Katastrophenschutzbehörde FEMA einen Behelfscampus aus dem Boden, der seinesgleichen sucht: Über 50 mobile Häuser wurden mit militärischer Präzision auf einem Parkplatz im Norden der Stadt zusammengeschoben. Über die Hälfte nutzt man als Hörsäle, der Rest beherbergt Büros, zwei Computer-Pools, eine ausgewachsene Mensa und sogar eine kleine Krankenstation.

"Wie auf einer Militärbasis"

"Na ja, diese Holzhäuser wirken schon ziemlich steril und unfreundlich", findet der 19-jährige Victor. Er fühlt sich "wie in Bagdad, auf einer Militärbasis". Selbst die Campus-eigene Polizeieinheit hat eine eigene Station und patrouilliert regelmäßig durch das Containerdorf. Im Inneren sind die Fertigbauten allerdings ziemlich luxuriös. Von einer Mensa ähnlicher Qualität beispielsweise können viele Studenten nur träumen.

Über 400 Wohnanhänger stellte die Federal Emergency Management Agency (FEMA) kostenlos zur Verfügung, um bedürftigen Studenten ein Dach über dem Kopf zu geben. Mehrere Übungsfelder der benachbarten University of New Orleans, auf denen normalerweise Soccer und Football gespielt wird, dienen nun als gigantische Zeltlager. Die Unterkunft in den Containern ist gratis.

Zudem bekommen viele Studenten staatliche Unterstützung oder Stipendien. "SUNO ist schon immer eine sehr erschwingliche Uni gewesen", betont Victors Freundin Betty: Sie bezahlt ungefähr ein Drittel dessen, was an der Louisiana State University an Studiengebühren fällig geworden wäre. "Und obendrauf auch noch kostenlose Unterkunft - das ist ein ziemlich guter Deal!", findet Betty.

Hohe Stundenlöhne

Zumal es mit Nebenjobs für Studenten in New Orleans derzeit gut aussieht: Es herrscht dramatischer Arbeitermangel. "Es stimmt schon, dass FEMA viele Unternehmen aus anderen Staaten anheuert, die dann ihre Bauarbeiter aus Indiana oder Kalifornien ankarren", hat Victor beobachtet. "Aber bei den typischen Studi-Jobs in Fast-Food-Restaurants herrscht Nachfrageüberschuss, und man kann voll absahnen!"

Die meisten Arbeitgeber haben ihren Stundenlohn von vormals 5,50 auf zehn und sogar zwölf Dollar angehoben, plus Trinkgeld natürlich. Betty fand ein noch besseres Angebot: Ihre Bar zahlt Toplöhne - und pro Woche sogar noch 150 Dollar "Loyalitätsbonus" obendrauf.

Ihre besten Kunden sind übrigens längst nicht mehr die Aufräumcrews und Nationalgardisten der ersten Tage: Langsam kehren die Touristen in "the Big Easy" zurück. Allen voran - ausgerechnet Studenten. "Anstatt zur Sauftour nach Cancún zu fliegen, kommen viele Kids während ihrer Sommerferien jetzt nach New Orleans", so Victor. Allerdings sollte man immer seinen Ausweis parat haben: Für Minderjährige gilt seit kurzem eine Ausgangssperre. Wer nach 11 Uhr nachts erwischt wird, landet für die Nacht im Knast.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.