Studenten nach dem Wahlkampf Zurück in den Hörsaal

Die Wahlkampfschlacht ist geschlagen, jetzt kommt das Koalitions-Karussell auf Touren. Die meisten Studenten unter den Bundestagskandidaten gehen wieder an die Uni - mit einigen Ausnahmen.


Die Reaktion ist staatsmännisch, ganz wie bei den Berliner Polit-Profis: "Ich bin ganz zufrieden, mit so einem guten Ergebnis hatte ich gar nicht gerechnet", erklärt der 24-jährige Lasse Pütz. 37,4 Prozent der Erststimmen konnte der SPD-Direktkandidat im Rheinisch-Bergischen Kreis für sich verbuchen.

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Studentische Kandidaten: Rückkehr an die Uni

Gegen Wolfgang Bosbach von der CDU hatte er trotz des starken Ergebnisses keine Chance. 49,3 Prozent der Wähler entschieden sich für Bosbach. Doch Radsportler Pütz beweist auch in der Politik Durchhaltevermögen und Ausdauer: "In vier Jahren bin ich wieder am Start", erklärte Pütz am Montagmorgen.

Wie Pütz wird sich die Mehrheit der studierenden Bundestagswahlkandidaten nun wieder den liegengebliebenen Haus- und Seminararbeiten widmen können. Denn bis auf wenige Ausnahmen mussten die Studenten beim gestrigen Wahlkrimi vor ihren Konkurrenten kapitulieren. Nicht überall kamen die Forderungen der Nachwuchs-Politiker bei den Wählern gut an: So scheiterte Florian Paul von der Linkspartei im bayrischen Deggendorf mit 3,4 Prozent der Erststimmen. Paul hatte sich im Wahlkampf unter anderem für die Legalisierung weicher Drogen eingesetzt.

Hamm wird nicht geflutet

Ähnlich erging es dem PARTEI-Kandidaten Arne Müseler im Wahlkreis Hamm/Unna II, der seine Heimatstadt Hamm unter Wasser setzen wollte. 364 Wähler ließen sich von der Satire-Kampagne überzeugen, immerhin 0,2 Prozent der Erststimmen. Sein direkter Konkurrent Dieter Wiefelspütz (SPD) zieht mit 55 Prozent nun jedoch ungefährdet und trockenen Fußes in den Bundestag ein.

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Doch einige studentische Kandidaten haben allen Grund zum Jubeln: Für die Grünen-Kandidatin Anna Lührmann ist ein Sitz im Bundestag bereits reserviert. Und auch Cornelia Hirsch, die eher auf Umwegen auf die Linkspartei-Liste gestolpert war, wird im nächsten Bundestag sitzen, ebenso wie Bummel-Student Niels Annen (SPD), der 45 Prozent der Erststimmmen in seinem Hamburger Wahlkreis holte.

Studentischer Gewinner des Abends war jedoch Jens Spahn. Der 25-jährige Politikstudent setzte sich in seinem Wahlkreis mit 51,2 Prozent als Direktkandidat durch und bleibt damit der jüngste Abgeordnete der CDU im Bundestag.

Jens Radü

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