Studium in der Schweiz nach Franken-Aufwertung Eine Pizza für 20 Euro

Über Nacht wurde der Franken teurer - und damit das Leben für viele der 40.000 ausländischen Studenten in der Schweiz. Baissire Diawara, 21, ist kürzlich aus Frankfurt nach Zürich gezogen. Jetzt kann er sich selbst ein Mensa-Essen nicht mehr leisten.

Baissire Diawara

Als Baissire Diawara im vergangenen Jahr fürs Studium von Frankfurt nach Zürich zog, war ihm bereits klar: Die Schweiz ist teuer. "Vor meinem Studium habe ich deswegen ein Jahr Vollzeit gearbeitet und Geld gespart", sagt er. An die Preise musste sich der Wirtschaftschemie-Student trotzdem erst gewöhnen, sein WG-Zimmer in einem Vorort von Zürich mietete der 21-Jährige für umgerechnet 630 Euro pro Monat. Das ist ohnehin schon viel, doch dass es über Nacht noch mehr werden könnte, bringt den Studenten aus Deutschland in finanzielle Nöte.

Seitdem die Schweiz Mitte Januar überraschend die Kopplung des Franken an den Euro aufgab, muss Baissire Diawara 740 Euro monatlich für sein Zimmer hinlegen. Bisher bekam er für einen Euro etwa 1,20 Franken, seit der Aufwertung ist es nur noch ein Franken. Alle Ausgaben haben sich damit für ihn über Nacht um rund 20 Prozent verteuert. "Zum Glück habe ich die Studiengebühren früh bezahlt", sagt Baissire, "sonst wären da auch noch mal 200 Euro mehr fällig gewesen."

14.000 deutsche Studenten in der Schweiz

40.000 Ausländer, darunter ungefähr 14.000 Deutsche, studieren derzeit in der Schweiz. Die massive Aufwertung des Franken trifft sie besonders hart. So hart, dass sich eine Gruppe deutscher Studenten zusammensetzte, ihre Ängste aufschrieb und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) schickte. Ausländische Studenten der Uni St. Gallen tauschen sich in den sozialen Netzwerken aus, sie sind laut der Hochschule "verunsichert". Und Ellen Krause, Leiterin des Internationalen Büros der Universität Bern, sagt: "Die Studenten aus dem Euroraum müssen die hohen Lebenshaltungskosten neu kalkulieren. Möglicherweise kommen einige zu dem Ergebnis, dass sie das Studium in der Schweiz nicht fortsetzen können."

Doch nicht alle bewerten die Situation als derart dramatisch: Die Aufwertung des Frankens verursache für Studenten kaum zusätzliche Kosten, sagt Markus Diem, Leiter der Studienberatung in Basel. Denn die meisten seiner Studenten würden in der Schweiz jobben und ohnehin in Franken bezahlt werden. Andere haben Eltern, die sie unterstützen können. Oder bleiben, wenn sie an grenznahen Unis wie Basel studieren, in Deutschland wohnen.

Auf Fabian trifft all dies jedoch nicht zu. Der 24-jährige Düsseldorfer studiert im vierten Semester an der Uni Zürich International Banking. Er arbeitet zwar nebenbei, allerdings in einem deutschen Unternehmen, mit deutschem Vertrag und deutschem Gehalt. Rechnerisch verdient er nun also weniger. "Ich mag den Job und die Kollegen, aber ich muss mir jetzt schnell eine neue Arbeit suchen", sagt Fabian. Fünf Bewerbungen hat er bereits abgeschickt.

Auch sein Kommilitone Baissire ist auf der Suche. "Ich benötige auf lange Sicht sowieso einen Nebenjob", sagt er. "Nicht nur wegen der Frankenaufwertung." Doch zu Studienbeginn ist das schwierig. Zehn Prüfungen in einer Woche sind keine Seltenheit, und wer zweimal durchfällt, ist für ein Studium in der Schweiz gesperrt. Das will Baissire nicht riskieren.

"Den Gürtel enger schnallen"

Ellen Krause vom Internationalen Studienbüro in Bern warnt zudem: "Man sollte sich nicht darauf verlassen, rasch einen Job zu finden, der eine gegebene Finanzierungslücke schließt." Hinzu kommt: Derart viele Stunden können und dürfen Studenten gar nicht nebenher arbeiten. Studenten mit einem deutschen Stipendium können nun hoffen, dass der DAAD seine Stipendienrate anpasst.

Neu kalkulieren. Das ist ein Rat, den jeder gibt. "Studenten aus dem Ausland, die zu einem großen Teil von der Unterstützung aus ihrem Heimatland leben, werden den Gürtel enger schnallen müssen", sagt Thomas Gumbsch vom Verband der Studierenden an der ETH Zürich.

Den Gürtel enger schnallen - Fabian und Baissire tun das bereits. Fabian trifft sich jetzt seltener mit Freunden und spart so die fünf Euro für einen Kaffee und die mittlerweile 20 Euro für eine Pizza.

Baissire verzichtet auf die Mensa, in der das günstigste Menü umgerechnet 5,40 Euro kostet. "Ich versuche, mich auf meine Kochkünste zu verlassen, und kaufe günstiger ein", sagt er. Wie lange das gut geht, weiß er noch nicht. Beim letzten Einkauf zahlte er für Joghurt, Tomaten, Käse und Eier 15 Euro.

insgesamt 134 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
darthmax 27.01.2015
1. Die Schweizer
die in Deutschland studieren, werden sich aber über den höheren Frankenkurs freuen. So ist es im Leben, wo ein Gewinner gibt es auch Verlierer. Wenn das unsere Probleme wären, wie einfach wäre das Leben.
blob123y 27.01.2015
2. Na so was
dann soll er mal nach Muenchen, Paris, London, New York gehen da ist's nicht billiger. Also hoert auf mit der Stimmungsmache ist doch laecherlich.
symolan 27.01.2015
3.
"Er arbeitet zwar nebenbei, allerdings in einem deutschen Unternehmen, mit deutschem Vertrag und deutschem Gehalt." Und hoffentlich auch in Deutschland, sonst wäre das nicht ganz rechtens...
jogola 27.01.2015
4. Ich weiß zwar nicht
wo in Bern die Uni ist. Bern ist aber sowas von grenznah, eigentlich wohnen alle Schweizer unter dem Schlagbaum.
symolan 27.01.2015
5.
Zitat von blob123ydann soll er mal nach Muenchen, Paris, London, New York gehen da ist's nicht billiger. Also hoert auf mit der Stimmungsmache ist doch laecherlich.
In Bezug auf Mieten mag London teurer sein als Zürich, aber der ganze Rest ist würde ich mal vermuten, billiger. Essen in NYC kost nix im Vergleich zur Schweiz.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.