Studenten-"Hochplateau" Hochschulchefs warnen vor Uni-Kollaps

In Zukunft werden viel mehr Studenten an die Unis strömen als bisher erwartet, zeigt eine neue Prognose. Nun warnen die Hochschulrektoren: Es drohe ein Kollaps, wenn Bund und Länder nicht bald handeln.

Voller Hörsaal in Hildesheim: Auch in Zukunft bleibt es eng
DPA

Voller Hörsaal in Hildesheim: Auch in Zukunft bleibt es eng


Am Donnerstag haben die Kultusminister ihre Erstsemester-Prognose für die kommenden Jahre deutlich nach oben korrigiert, jetzt rufen die Hochschulrektoren um Hilfe: "Um dramatische Konsequenzen für die studierwilligen jungen Menschen und einen Kollaps der Hochschulen zu verhindern", müssten Bund und Länder endlich zusammenarbeiten, fordert der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Horst Hippler. "Es handelt sich bei den hohen Studienanfängerzahlen mitnichten um einen einmaligen Gipfel, sondern um ein Hochplateau."

Alle paar Jahre berechnet die Kultusministerkonferenz (KMK), wie viele junge Menschen ein Studium aufnehmen werden. Naturgemäß lässt sich das nicht exakt vorhersagen. Doch ihre Zahlen sind die Grundlage dafür, wie viel Geld die Hochschulen erhalten. Am Donnerstag hatte die KMK eine neue Prognose für die Jahre 2014 bis 2025 erstellt.

Im Jahr 2013 gab es laut KMK rund 507.000 Erstsemester in Deutschland, bis zum Jahr 2019 rechnen die Minister weiter mit rund 500.000 neuen Studenten jährlich. Erst danach sei ein allmählicher Rückgang auf 465.000 Studienanfänger im Jahr 2025 zu erwarten. Damit hat sich die KMK im Jahr 2009 deutlich verschätzt: Damals rechnete sie mit rund 374.000 Studenten im Jahr 2020.

Mehrkosten in Milliardenhöhe

Die Hochschulrektoren rechnen deswegen mit erheblichen Mehrkosten: Bis zum Jahr 2015 steige der Finanzbedarf um 600 Millionen Euro, bis zum Jahr 2018 sogar um eine weitere Milliarde.

Hippler fordert Bund und Länder deswegen auf, das Kooperationsverbot abzuschaffen - wie schon im Koalitionsvertrag angekündigt. Es untersagt dem Bund, in Bereiche zu investieren, für die allein die Länder zuständig sind. Dies gilt vor allem für die Schulen, aber auch für dauerhafte Vorhaben an Hochschulen. Darüber hinaus verlangt Hippler, den Hochschulpakt II aufzustocken, sowie den Hochschulpakt III deutlich höher zu veranschlagen.

Vor einem Jahr hatten die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern schon einmal beschlossen, die Finanzhilfen für die Hochschulen wegen der anhaltend hohen Studienanfängerzahlen bis 2015 um rund 4,4 Milliarden Euro zu erhöhen. Glaubt man den Berechnungen der Hochschulrektoren, reicht das bei weitem nicht aus.

Typologie der Uni-Neulinge

fln

insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kenterziege 09.05.2014
1. Erst kommt vielleicht der ....
Zitat von sysopDPAIn Zukunft werden viel mehr Studenten an die Unis strömen als bisher erwartet, zeigt eine neue Prognose. Nun warnen die Hochschulrektoren: Es drohe ein Kollaps, wenn Bund und Länder nicht bald handeln. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/studenten-prognose-hrk-rektoren-um-hippler-verlangen-mehr-geld-a-968517.html
....Uni-Kollaps und dann mit einer kleinen Verzögerung der Kollaps auf dem Abnehmer(Arbeits-)Markt für die Millionen Quasi-Akademiker, die niemand braucht. Man baue nur mal ein Haus: Architekten, wie Sand am Meer. Gute Handwerker - Fehlanzeige! Aber alle wollen wohnen!
a3325973 09.05.2014
2. optional
Meiner Meinung nach ist es einfach Quatsch, dass die Mehrheit der Menschen einen Hochschulabschluss braucht. Klar gibt es Spätblüher, denen man den Zugang zum Studium ermöglichen muss, aber ein erheblicher Teil an Leuten, die ich an der Hochschule sehe gehört dort zum einen nicht hin und ist zum anderem am Ende nur unzulänglich auch die eigentliche Berufswelt vorbereitet. Aber Marteria sagt ja schon: keiner mehr Verlierer...
tdmdft 09.05.2014
3. Vorhersehbar
aber die Politik hat zwar einerseits die Forderung ausgegeben, möglichst viele Schüler an die Unis zu bringen, aber andererseits ziehen sich die verantwortlichen Länder aus der Finanzierung zurück. Die Studierendenzahlen sind in den letzten 5 Jahren um ca 40% gestiegen, die Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter aus dem Landesetat aber konstant geblieben. Damit verschlechtert sich der Personalschlüssel und das Betreuungsverhältnis. Kompensationsmittel der Länder nach dem Wegfall der Studiengebühren sind in der Regel gedeckelt und halten mit den Massenansturm nicht Schritt. Marode Gebäude wurden teilweise seit 40 Jahren nicht mehr saniert, überall eine Mangelverwaltung. Das System ist deshalb noch nicht kollabiert, weil die Professoren massiv Drittmittel vom Bund über Förderprogramme für die Forschung eingeworben haben, und die wissenschaflichen Mitarbeiter, obwohl sie nicht aus Landesmittel bezahlt werden, trotzdem in der Lehre einsetzt. Aber die Forschungsgelder müssen auch gerechtfertigt werden, also am Ende auch gute Forschung abgeliefert, und das kostet Zeit, die zu Recht nicht für Lehre verwendet werden kann. Ohne diesen Missbrauch von Bundesmittel, die nach Grundgesetz gar nicht für die Lehre eingesetzt werden dürfen, weil das alleine in der Hoheit der Länder liegt, wären in vielen Studiengängen an vielen Unis schon längst kein geregelter Betrieb mehr möglich. Gruppenarbeit, Seminar und Praktika machen in Gruppen zu 100-200Leuten keinen Sinn. Und für Kleingruppen braucht man Personal. In Grundvorlesungen von 400 Leuten kann kein Prof mehr allein eine gute Einzelbetreuung anbieben. Aber wir Deutschen wollen das ja so: das Studium soll nichts kosten. Weder der Studi will irgendetwas bezahlen, noch die Landesregierungen z.B eine feste Summe pro Studi an die Unis überweisen. Sonntagsreden und Wirklichkeit sind oft zwei Welten. Und die Unis haben den schwarzen Peter, mit gedeckelten Etats und massiven Anstieg der Zahlen. In Deutschland kommt auf 75-100 Studierende ein Prof, in Harvard auf 12 Studis ein Prof. Den Unterschied in der Betreuung versteht jeder sehr schnell. Der deutsche Michel will aber Harvard Unis zum Discounter Preisen! "Geiz ist geil" Vielleicht sollte die Politik sich mal überlegen, was für einen Aufstand es gäbe, wenn wir in Schulen Klassen mit Klassenstärken mit 100 Leuten einführen!
smartphone 09.05.2014
4. Studenten seit Jahren akadem. Sondermüll
Eine Tatsache, die speziell die Politik Dank derLobbyistenbedröhnung nicht wahrhaben will ( Natürlich auch div Unis ,die "wachsen" wollen ). ......Mit sog Fachkräften -also MINTlern kann man schon heute die Straßen pflastern , mit BWLern den Rest der Landschaft. Eine Tatsache, die leicht für jeden Studierwilligen im WWW nachlesbar . Alleine die Lohnentwicklung fällt stark seit 10 jahren TROTZ Mangel -widerspricht doch völlig Angebot und Nachfrage -zudem die Allmachtsfrechheiten der sog HumanRessources nach wie vor legendär sind..... Nur der Dumme studiert -so er nicht gleich anschließend auswandert....
helmut.alt 09.05.2014
5. optional
Die Unis sollten die Gelegenheit nützen und aus dem Überangebot von Studenten die besten "aussieben".
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.