Studenten-Umfrage Wie klappt's denn mit dem Bafög-Amt?

Mal hilft man Studenten kompetent und freundlich, mal werden sie frostig abgefertigt. Die neue Online-Umfrage "Studentenbarometer" soll den Alltag im Bafög-Amt zeigen: Wie zufrieden sind Studenten mit der Beratung? Ab sofort mitmachen auf SPIEGEL ONLINE!

Von Katrin Schmiedekampf


Ein kleiner Rundflug durch die Gruppen der StudiVZ-Community ist für eine Momentaufnahme der studentischen Stimmung häufig erhellend. Beim Thema Bafög sind die Gruppennamen eindeutig: "Bafög ist Krieg", "Bafög ist ein Arschloch" oder "Ich hasse das Bafög-Amt und wäre ich Gott würde ich es töten" (in der StudiVZ-typischen, von lästigen Kommaregeln befreiten Schreibweise).

Gleich viel positiver klingt der Name "Wenn ich groß bin, möchte ich im Bafög-Amt arbeiten", 150 Leute sind schon beigetreten. Für diesen Jobwunsch haben sie allerdings so ihre Gründe, zum Beispiel: "Weil man entweder frei hat, krank ist oder das nicht in die eigene Zuständigkeit fällt" - wieder nichts mit Verständnis für die Mitarbeiter der Bafög-Ämter. Von denen haben sich acht zur Gruppe "Wir arbeiten im Bafög-Amt" vereinigt. Und halb ängstlich, halb selbstironisch dazugeschrieben: "Bitte nicht schlagen".

Nein, auf das Bafög-Amt ist längst nicht jeder Student gut zu sprechen. Aber die Mitarbeiter müssen auch manches ausbaden, für das sie selbst nichts können: Den Antragsmarathon haben nicht die Bafög-Ämter sich ausgedacht. Auch für die Enttäuschungen, wenn es am Ende wenig Bafög oder gar null Euro gibt, sind Länder und Bund verantwortlich, nicht die Studentenwerke, die sich immer wieder für Bafög-Erhöhungen stark machen.

Die Qualität der Beratung indes haben die Bafög-Ämter selbst in der Hand. Wie geht es dort wirklich zu? Werden die Studenten kompetent und freundlich informiert - oder als lästige Bittsteller abserviert? An welchen Unis ist der Service ausgezeichnet, wo könnte er noch besser werden? Wie kommen die Studenten mit den Formularen klar, wie schnell werden die Anträge bearbeitet?

In fünf bis zehn Minuten teilnehmen

All das will das Team Steffenhagen herausfinden, ein Marktforschungsinstitut, das drei ehemalige Doktoranden der RWTH Aachen gegründet haben. "Unser Ziel ist es zu erfahren, was die Studenten genau stört", sagt Achim Steinbusch. Wer sich schon einmal in Sachen Bafög erkundigt oder einen Antrag auf die Ausbildungsförderung gestellt hat, kann an der deutschlandweiten Online-Befragung teilnehmen. Das Ausfüllen des Fragebogens dauert nur etwa fünf bis zehn Minuten.

Die Bafög-Leistungen insgesamt, die Verständlichkeit des Antragsformulars, Bearbeitungsdauer, Freundlichkeit der Mitarbeiter oder die telefonische Erreichbarkeit - stets sollen die Teilnehmer angeben, wie zufrieden sie sind. Dafür können sie Schulnoten von eins bis sechs verteilen.

Fällt das Ergebnis bei einer Frage besonders gut oder schlecht aus, wird nach den Gründen gefragt. Am Ende können Studenten außerdem ihre Erlebnisse und Erfahrungen rund ums Bafög schildern und Verbesserungsvorschläge machen. "Wenn einem noch etwas einfällt, hat man die Möglichkeit, zurückzublättern und die bereits ausgefüllten Bögen nochmal zu bearbeiten", sagt Achim Steinbusch. Alle Daten würden vertraulich behandelt und nicht an unberechtigte Dritte weitergereicht, versichert er. Name und Adresse sollte nennen, "wer am Gewinnspiel teilnehmen und einen I-Pod oder eine Bierzapfanlage gewinnen will".

"Niemanden an den Pranger stellen"

Bereits im letzten Jahr startete das Team Steffenhagen die erste Bafög-Umfrage. 1775 Studenten füllten den Fragebogen aus. Das Ergebnis: Von vielen der 28 getesteten Bafög-Ämtern waren die Studenten nicht gerade begeistert. So wurde die Bearbeitungszeit der Anträge im Schnitt mit 4,1 bewertet; dem schlechtesten Bafög-Amt gaben die Teilnehmer die Gesamtnote 5,7. Viel besser schnitt das Studentenwerk Chemnitz-Zwickau ab - mit der Note 2,38 wurde es zur "Besten Bafög-Abteilung" vor Göttingen und Greifswald.

"2006 gab es nicht die Möglichkeit, Gründe für die Bewertung anzugeben. Das haben wir in diesem Jahr geändert", sagt Steinbusch. Außerdem werde jetzt auch danach gefragt, ob ein Antragsteller am Ende Bafög erhalten habe oder nicht: "So können wir herausfinden, ob jemand auch deshalb unzufrieden ist, weil er kein Geld bekommen hat."

Welches Studentenwerk in diesem Jahr den ersten Preis bekommt, stellt sich in einigen Wochen heraus. Die Befragungsaktion läuft ab sofort und bis zum 30.November. Die Ergebnisse werden bald darauf bei SPIEGEL ONLINE und bei Studentenbarometer veröffentlicht. Auf Wunsch können die Studentenwerke das anonymisierte Feedback der Studenten bekommen und so ihre Leistungen verbessern. "Wir geben die Meinung der Kunden wieder und veröffentlichen diese", sagt Achim Steinbusch - "aber an den Pranger stellen wollen wir niemanden".



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