Studenten und ihr Image Langschläfer, Kneipengänger, Faulenzer

Gegen Mittag Frühstück im Café und ständig ausgedehnte Partys, fünf Monate Semesterferien pro Jahr und trotzdem ewig an der Uni: Das Klischee vom lockeren Studentenleben auf Steuerzahlers Kosten wollen Sachsens Studentenvertreter mit einer Plakatkampagne zurechtrücken.

Von Carsten Heckmann


Klaus-Peter B. sitzt mit Freunden in der Kneipe. Der Maschinenbaustudent lässt sich das Bier schmecken, seine Kommilitonen ebenfalls. Heute, vielleicht auch morgen wieder. Studenten sind eben trinkfeste Kneipengänger. Das weiß man ja.

Es sind Klischees wie dieses, mit denen eine neue Werbekampagne der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS) spielt - um damit aufzuräumen. Trinker Klaus-Peter, so heißt es auf einem der vier Plakatmotive, "entwickelt in 6 Jahren den 0,5-Liter-Motor". Erst viel Bier, dann wenig Benzin. Alles klar?

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"In der Bevölkerung gibt es viele Vorurteile über Studenten", weiß Mike Niederstraßer, einer der Initiatoren der Kampagne. So falsch seien die auch gar nicht: "Klar, wir schlafen lang, wir schlagen die Zeit tot, wir sitzen in Cafés und Kneipen", gibt der Referent für Hochschulpolitik im Studentenrat der TU Freiberg zu. "Aber wir haben trotzdem mehr als nur eine Daseinsberechtigung."

"Es sieht nicht so aus, aber wir arbeiten"

Der radelnde Student der Verkehrswissenschaften wird später mal Staulöser; die backende Politikstudentin macht sich an das Rezept für die Rentenreform; die mit ihrem Kühlschrank beschäftigte Jungbiologin schenkt der Welt in einigen Jahren ein neues Antibiotikum. Mit solchen fiktiven Beispiele wollen die sächsischen Studenten sagen: Schaut her, Ihr werdet uns noch brauchen. Es mag nicht so aussehen, aber wir arbeiten - und zwar nicht nur für die eigene Zukunft. "Das wollen wir verdeutlichen, ohne uns zu wichtig zu nehmen", so die KSS-Leute.

1375 Plakate sind gedruckt und werden jetzt in Sachsens Hochschulstädten angeschlagen. Die Aktion kostet immerhin 10.000 Euro. Ein wenig erhoffen sich die Studenten wohl auch Rückhalt für die Proteste gegen die Sparwelle an sächsischen Hochschulen, die in den nächsten Jahren Hunderte von Stellen abbauen sollen - sehr zum Verdruss derer, die schon jetzt in überfüllten Seminaren sitzen.

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Zwar hat Sachsen seit kurzem eine neue Landesregierung und mit Matthias Rößler auch einen neuen Wissenschaftsminister. Aber an eine andere Politik glaubt unter den Studenten kaum einer - auch wenn die KSS dem Minister öffentlich zunächst vorsichtig "Weitsicht und Tatendrang" wünscht. Bei der Vorstellung ihrer Plakatkampagne gingen die Studenten auf diese für sie nicht allzu rosigen Zukunftsaussichten durch ihre Kleidung ein. Sie trugen T-Shirts mit der doppeldeutigen Aufschrift "denNoch Student".

Plakatkampagnen scheinen bei Studentenvertretern derzeit im Trend zu liegen. Das halbherzige Vorgehen der rot-grünen Bundesregierung gegen Studiengebühren nahmen sie mit einer bundesweiten Aktion aufs Korn und starteten in Thüringen eine "Kahlschlag"-Kampagne gegen die Stellen- und Finanzmisere der Hochschulen. Auch in Münster entdeckte der Asta das Marketing und wollte der Studentenvertretung im November mit peppigen Plakaten ein besseres Image verpassen.



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