Studenten über ihr Desinteresse an Politik "Wir jammern, kämpfen aber nicht"

Deutschlands Studenten sind zu unpolitisch, heißt es. Was sagt die Generation Merkel dazu? Martin Speer, 28, fürchtet: "Wir entmachten uns selbst." Viktoria Bolmer, 22, widerspricht: Schon der Kauf eines Bio-Joghurts kann politisch sein. Zwei Meinungen.

Früher war, genau, alles besser. Früher schauten Reisende in der Bahn aus dem Fenster statt auf's Smartphone, früher konnten Kinder auf Bäume klettern, früher protestierten Studenten gegen den Vietnamkrieg. Und heute?

Heute zeigt nur noch knapp ein Drittel der Studenten starkes Interesse an aktuellen Ereignissen. Vor 20 Jahren war es noch fast die Hälfte. Das geht aus dem jüngsten Studierendensurvey hervor, den das Bundesbildungsministerium kürzlich vorgestellt hat. "Dieser Befund ist bedauerlich", sagte Ministerin Johanna Wanka (CDU), "gerade zum 25. Jahrestag des Mauerfalls möchte man eindringlich an die junge Generation appellieren, die politische Freiheit in unserem Land zu nutzen und gerade auch für die Belange von Studenten aktiv zu werden."

Martin Speer, 28, und Viktoria Bolmer, 22, gehören zu dieser Studentengeneration. Martin Speer sorgt sich auch, er sagt: "Wir sourcen die Verantwortung für unser Leben aus." Viktoria Bolmer widerspricht: Studenten würden sich sehr wohl engagieren, sagt sie. Manchmal eben nur mit einem Bio-Joghurt.

Viktoria Bolmer, 22, studierte Politikwissenschaft an der Uni Hamburg, derzeit macht sie ihren Master in Osnabrück, ihr Schwerpunkt: demokratisches Regieren und Zivilgesellschaft. Sie ist Stipendiatin des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp).
Martin Speer, 28, ist Aktivist und Autor. Er studiert Wirtschaft an der HWR-Berlin, ist Botschafter der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen und beteiligt sich aktiv am öffentlichen Diskurs - unter anderem, indem er bei Maybrit Illner diskutiert und für "Die Zeit" schreibt.