Junge Studenten Mit 17 im Hörsaal

Jedes Jahr studieren mehr Minderjährige. Doch sind die Überflieger an der Uni angekommen, bleiben sie an vielen Stellen Nesthäkchen. Ohne Mama kriegen sie nicht mal einen Bibliotheksausweis. Drei 17-Jährige berichten.
Begrüßung der Erstsemester-Studenten in Heidelberg

Begrüßung der Erstsemester-Studenten in Heidelberg

Foto: Uwe Anspach/ picture alliance / Uwe Anspach/dpa

Die Zahl der minderjährigen Studenten ist durch das G8-Abitur kontinuierlich gestiegen, auf zuletzt 3737 Erstsemester unter 18 Jahren: Durch die verkürzte Schulzeit können Schüler, die mit fünf Jahren eingeschult wurden oder eine Klasse übersprungen haben, als Minderjährige Abi machen - und noch im selben Jahr an die Uni gehen.

Die Universitäten machen kein großes Aufhebens um die U-18-Studenten, heißt es etwa aus Leipzig, Bonn und der FU Berlin. Die Immatrikulation müssen zwar die Eltern unterschreiben, anschließend sind die jungen Studenten aber ihren volljährigen Kommilitonen in allen Uni-Belangen gleichgestellt: Prüfungen schreiben, Bücher ausleihen, den AStA wählen, Laborversuche durchführen, das alles dürfen die Minderjährigen, obwohl sie noch nicht voll geschäftsfähig sind.

An Berliner Hochschulen haben junge Studenten sogar einen kleinen Vorteil: Fünf Prozent der Studienplätze sind durch eine sogenannte Vorabquote für Bewerber unter 18 Jahren reserviert.

Außerhalb des Campus aber haben minderjährige Studenten im Vergleich zu den volljährigen Kommilitonen das Nachsehen. Arbeiten nach 20 Uhr ist nicht, und den Klub müssen sie spätestens um Mitternacht verlassen. Ohne die Erlaubnis von Mutter oder Vater dürfen sie weder einen Ausweis in der Stadtbücherei beantragen noch SPIEGEL ONLINE ein Interview geben.

Hier berichten drei minderjährige Studenten über den Spagat zwischen Überflieger und Nesthäkchen, Elternabsprachen und Selbstständigkeit.

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Myriel, 17, studiert im ersten Semester Jura an der Uni Leipzig. Ihr zweites Staatsexamen könnte sie bereits als 24-Jährige in der Tasche haben.

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Güney, 17, studiert im 3. Semester Biochemie an der FU Berlin. Seinen Master könnte er bereits mit 21 abschließen.

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Caro, 17, studiert im 1. Semester Medizin in Bonn. Sie könnte bereits mit 23 Jahren als Ärztin arbeiten.