Studenten-Werbung Deutschland will nicht kleckern

Mit einer millionenschweren Werbekampagne will Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) ausländische Studenten nach Deutschland locken. Bisher lauern rechtliche Fußangeln - so müssen selbst stark umworbene Absolventen nach dem Examen sofort zurück in ihre Heimat.

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Logo der Initiative: Hi Potentials!

Logo der Initiative: Hi Potentials!

Der Startschuss war bereits im vergangenen Jahr gefallen. Ende November hatten sich Bund, Länder und Kommunen mit Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft auf eine gemeinsame Strategie geeinigt, um ausländischen Studenten und Professoren die deutschen Hochschulen schmackhaft zu machen. Eine "Konzertierte Aktion für den Bildungs- und Forschungsstandort Deutschland" sollte helfen, "im weltweiten Wettbewerb um Köpfe und Märkte" Boden gut zu machen.

Bei ihrer ersten Sitzung im Berliner Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, stellte die Initiative nun am Freitag ihr wichtigstes Instrument vor: eine millionenschwere Werbekampagne, die sich an ausländische Studenten und Forscher in ihren Heimatländern richtet. Der Slogan "Hi Potentials! International Careers made in Germany" soll sie vom Studium und der Weiterbildung im Land der Dichter und Denker überzeugen.

Eine "Testimonialkampagne" läuft im Ausland an

Die Plakate werden in diesem Jahr unter anderem in Mexiko, der Türkei, Indien, Indonesien, Russland und China zu sehen sein. Darauf berichten ausländische Forscher in englischer Sprache von den Vorzügen eines Studiums in Deutschland. "Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, wenn ich nicht meine deutschen Qualifikationen hätte", wird zum Beispiel der indische Professor V.S. Raju zitiert. "Testimonialkampagne" heißt diese Form der Werbung mit authentischen Gesichtern und Geschichten.

Mit immerhin 35 Millionen Mark - übrigens aus den UMTS-Zinsersparnissen des Bundes - unterstützt das Bildungsministerium die auf drei Jahre angelegte Werbeaktion. Hinzu kommen auch Radiospots bei der Deutschen Welle und eine Internetseite. Der Aufwand sei "nicht hoch", sagt der Vizepräsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Max Huber, "aber ich glaube, dass wir einen Eindruck hinterlassen können."

'Studieren und Forschen in Deutschland' als Markenartikel

Plakatmotive: Chemikerinnen...

Plakatmotive: Chemikerinnen...

Das ist auch dringend nötig. Schließlich geht es nach den Vorstellungen von Edelgard Bulmahn darum, "'Studieren und Forschen in Deutschland' zu einem international führenden Markenartikel zu machen." Mittlerweile studieren zwar immerhin 175.000 ausländische Studenten in Deutschland, mehr als vier mal so viel wie vor 25 Jahren. Darunter sind indes rund 75.000 "Bildungsinländer" mit ausländischem Pass, aber deutschem Bildungsweg und Abitur. Und selbst wenn man sie mitzählt, erreichen Ausländer lediglich einen Anteil von sieben Prozent an allen Studierenden - mindestens zehn Prozent sollen es nach Bulmahns Plänen werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, reicht die konzertierte Aktion zur weltweiten Studenten-Anwerbung nicht aus. Auch die weitere Internationalisierung der Hochschulen soll vorangetrieben werden, etwa durch zusätzliche Bachelor- und Master-Studiengänge sowie die verstärkte Berufung ausländischer Wissenschaftler. Bei der Betreuung der in Deutschland lebenden ausländischen Studenten hat Forschungsministerin Bulmahn ebenfalls noch Nachholbedarf ausgemacht. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie man es den Studenten ermöglichen kann, nach dem Hochschulabschluss in Deutschland zu bleiben.

...und Ingenieure werben für das Studium in Deutschland

...und Ingenieure werben für das Studium in Deutschland

Bis dato ist die Situation geradezu grotesk: Hochqualifizierte und vom deutschen Steuerzahler hoch subventionierte Absolventen aus dem Ausland müssen Deutschland sofort nach Beendigung ihres Uni-Aufenthalts verlassen; eventuelle Jobangebote hierzulande spielen keine Rolle. Zugleich klagt die Industrie in weiten Bereichen über einen Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften. Die bisherige Regelung sollte vor allem Studenten aus Entwicklungsländern motivieren, ihr in Deutschland erworbenes Wissen in ihrer Heimat einzusetzen. Stattdessen zog es viele der in Deutschland Abgewiesenen etwa in die USA. Die aktuelle Rechtslage sei "völlig überholt und unsinnig", zürnt Edelgard Bulmahn.

"Ausländern mit deutschem Hochschulabschluss muss eine Perspektive zum Bleiben gegeben werden", lautet ihre Forderung. Doch im Arbeits- und Innenministerium ist von diesem Elan nichts zu spüren. Dort wartet man zunächst auf eine vollständige Neuregelung des Zuwanderungsrechts. Unterdessen formulierte die Zuwanderungskommission der Bundesregierung unter der Leitung von Rita Süßmuth im Entwurf für ihren Abschlussbericht ähnliche Empfehlungen wie die Ministerin. Wann sie umgesetzt werden, steht aber noch in den Sternen.



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