Studenten im Seniorenheim "Man fühlt sich wie im Hotel"

Er ist erst 27 Jahre alt, lebt aber schon in einem Seniorenheim: Der künftige Arzt Abusar Ahmadi wohnt im "Eilenriedenstift" in Hannover, zusammen mit 15 anderen Studenten - und vielen alten Menschen. Das ist günstig, aber entsteht so auch ein Dialog der Generationen?

Meine Mitbewohnerin, die Oma: Abusar Ahmadi und eine Frau im Seniorenheim

Meine Mitbewohnerin, die Oma: Abusar Ahmadi und eine Frau im Seniorenheim


UniSPIEGEL: Okay, es ist nicht einfach, ein günstiges Zimmer zu finden. Aber muss es gleich ein Seniorenstift sein?

Abusar: Im Studentenwohnheim hätte ich nicht einmal ein eigenes Bad gehabt. Hier habe ich eines, sogar eines mit einem Haltegriff, damit man bequem vom Klo hochkommt. Außerdem gibt es hier für 250 Euro Miete Sauna, Schwimmbad, Kegelbahn und eine Dachterrasse. Das kann ich alles kostenlos mitbenutzen. Man fühlt sich hier wie in einem Hotel!

UniSPIEGEL: Du bist aber verpflichtet, dich im Heim einzubringen.

Abusar: Fünf Stunden in der Woche wende ich für soziale Arbeit auf. Ich betreue einen 88 Jahre alten Doktor. Jeden Abend laufe ich mit ihm 50 Meter, das kostet ihn unheimlich Kraft. Ich bin an seiner Seite und kann ihn motivieren. Demnächst veranstalte ich außerdem für alle Bewohner einen afghanischen Abend mit Essen aus meiner Heimat.

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Ausgabe 4/2013

Ich bin kein Mensch

Ein Android unterrichtet Studenten in Dänemark

Diesmal mit Geschichten über den Alltag von Jungmediziner, einen ultraharten Kampfsportler, und über drei Studenten, die einfacher leben, um die Welt zu retten. Wollt ihr das Heft nach Hause bekommen? Dann abonniert den SPIEGEL im Studenten-Abo zum günstigen Sonderpreis. Den UniSPIEGEL gibt's auch kostenlos an den meisten Hochschulen.

UniSPIEGEL: Hast du dich mit einigen deiner Nachbarn angefreundet?

Abusar: Mit vier Frauen fahre ich regelmäßig im Shuttlebus, der uns in die Innenstadt bringt. Wir kommen oft ins Gespräch über dies und das, auch über Beziehungen. Ihr Tipp: Wenn du eine gute Frau gefunden hast, so halte sie fest! Außerdem haben mir die Seniorinnen Gedichte beigebracht, und damit ich die nicht vergesse, haben sie sie sogar aufgeschrieben und in meinen Briefkasten gesteckt. Süß, oder?

UniSPIEGEL: Gibt es zuweilen auch Konflikte im Seniorenstift?

Abusar: Manchmal halte ich mich um 20.15 Uhr im Fernsehraum auf und möchte einen Film gucken. Es kommt dann schon vor, dass eine Dame in der Tür steht und auf ihre Lieblingsserie pocht, in dem Fall stehe ich auf und gehe. Gerade Menschen, die schon etwas dement sind, können gelegentlich etwas ruppig sein. Erst heute hat mich eine Frau am Wasserspender unhöflich angefahren, ich hätte das ganze Wasser verbraucht. Man darf das aber nicht so eng sehen.

UniSPIEGEL: Darfst du eigentlich auch nachts einen Mitarbeiter rufen, wenn du was brauchst?

Abusar: Kein Ahnung. Ich habe dieses rote Notfallseil am Bett kürzlich abgenommen. Ich bin am Anfang mal aus Versehen drangekommen. Dann stand um zwei Uhr plötzlich der Pflegedienst bei mir im Flur. Den brauche ich ja noch nicht.

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Christian S. 02.08.2013
1. Rücksichtslos
Bei der zunehmenden Anzahl von alten Menschen und dem eh schon knappen Angebot an Seniorenheim-Plätzen, halte ich das für eine völlige Frechheit. Wenn man studiert, dann gehört es dazu, dass man sich auf "einfachere" Wohnsituationen einlassen muss. Aber deshalb alten Menschen ihre Heimplätze nehmen, eine Unverschämtheit.
uk2011 02.08.2013
2.
Zitat von Christian S.Bei der zunehmenden Anzahl von alten Menschen und dem eh schon knappen Angebot an Seniorenheim-Plätzen, halte ich das für eine völlige Frechheit. Wenn man studiert, dann gehört es dazu, dass man sich auf "einfachere" Wohnsituationen einlassen muss. Aber deshalb alten Menschen ihre Heimplätze nehmen, eine Unverschämtheit.
Sie glauben also nicht, daß die alten Leute mal glücklich sind, jemanden junges um sich zu haben, welcher nicht zum Pflegepersonal gehört? Ich halte die Idee für sehr gut. Für die Jungen, damit sie lernen Rücksicht zu nehmen und Toleranz gegenüber älteren Menschen zu nehmen, und die Alten, damit die nicht Vergessen in irgendwelchen "Ghettos" abgeschoben werden.
lokisflatmate 02.08.2013
3. da frag mal die
Ich bin sicher, die älteren Mitbewohner der Studenten freuen sich über etwas mehr Leben im Haus. Die Studenten besetzen ja die Plätze nicht, sie wurden ihnen angeboten.
vogtnuernberg 02.08.2013
4. Mit 27 erst Kontakt zur realen Welt...
Mit 27 erst Kontakt zur realen Welt... Zivildienst war vermutlich doch gar nicht so schlecht. Und wer wie ich verschiedene Heime erlebt hat, würde nie auf die Idee kommen das mit Hotels zu vergleichen. Ich weiß ja nicht, in welchen Hotels Herr Abusar verkehrt.
demokrat_de 02.08.2013
5. gut gemeint, schlecht gemacht...
Sicher eine gute Idee... So finden Generationen zueinander. Das müsste in den gesellschaftlichen Werten endlich mal wieder richtig Anklang finden. Aber die Umsetzung: er besetzt tatsächlich ein Zimmer, welches für altersgerechtes Leben gedacht ist. Das ist nicht okay. Die Heime könnten bei ehrlichem Interesse ausbauen und (ohne Abschaffung der anderen), Zimmer für junge Leute schaffen... Dann passt es.
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