Studenten nach der ersten Uni-Woche "Neues Leben, neue Freunde, neue Stadt"

Es sind so viele wie nie zuvor: Rund 2,5 Millionen Studenten drängeln und wurschteln sich durch deutsche Hochschulen. Unter ihnen sind etwa eine halbe Million Erstsemester. Wie war der Start? Was lief gut, was richtig mies? Uni-Frischlinge berichten.

Von , Christina Kufer, und Feliks Todtmann


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Fenja, 20, studiert in Hamburg Englisch und Französisch auf Grundschullehramt: "Überrascht, wie frei ich jetzt bin"

"In manchen Seminaren gab es zu wenige Plätze. Deshalb habe ich nicht alle Kurse bekommen, die ich brauche und muss sie dann im nächsten Semester belegen. Ansonsten war der Studienstart super organisiert. Meine Kommilitonen sind alle sehr offen und multikulturell. Ich bin überrascht, wie frei man jetzt ist - in jeder Hinsicht. Man muss sich sein Leben selbst organisieren, indem man sich den Stundenplan zusammenstellt oder den Tag strukturiert. Und ich finde es aufregend, mir neben der Uni ein neues Leben mit neuen Freunden in einer neuen Stadt aufzubauen. Nur vor den Klausuren habe ich ein bisschen Angst und dass ich in den kommenden Semestern zu viel zu tun haben werde, weil ich ja jetzt Veranstaltungen werde nachholen müssen."

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Christopher, 24, und Ricarda, 26, studieren Germanistik in Berlin: "Wir haben uns auf dem Männerklo kennengelernt"

"Wir sind beide Erstsemester, die vorher etwas anderes gemacht haben. Ricarda hat ihr Pädagogikstudium abgebrochen, ich habe vorher eine Ausbildung zum Zimmermann gemacht. Jetzt studieren wir Germanistik. Eigentlich kennen wir uns aber noch gar nicht lang: Wir haben uns gerade erst getroffen, auf der Männertoilette der Bibliothek, Ricarda hatte sich dorthin verlaufen. Das ist wohl die Art, wie man sich in Berlin kennenlernt. Wir kommen beide nicht aus der Stadt und hoffen, schnell Anschluss zu finden. Die ersten Tage an der Uni waren etwas chaotisch. Mir fehlt zum Beispiel noch der Studentenausweis, deshalb haben mich die Sicherheitsleute gerade aus der Bibliothek geschmissen. Und Ricarda verläuft sich dauernd, manchmal eben auch auf's Männerklo."

Marie-Charlotte Maas
Simon, 18, studiert Chemie in Göttingen: "Ich will im Studium fleißiger sein als in der Schule"

"Ich bin seit ein paar Tagen in Göttingen und bisher nicht einmal dazu gekommen, meine Sachen auszupacken. Als ich ankam, ging schon die Einführungswoche los. Da gab es viel zu sehen und zu erledigen. Für die nächsten Tage habe ich mir vorgenommen, ein paar Poster zu kaufen, um mein Zimmer im Wohnheim ein bisschen gemütlicher zu machen. Ich bin froh, dass ich dort einen Platz bekommen habe. Am Wochenende wird in der großen Küche gemeinsam gekocht, und ich bin mir sicher, viele nette Leute kennenzulernen. Was ich mir von meinem Studium erhoffe? Vor allem interessante Praktika - und dass ich nach meinem Bachelor-Abschluss einen Master-Studienplatz bekomme. Um das zu erreichen, habe ich mir vorgenommen, ein bisschen fleißiger zu sein als in der Schule."

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Rosa, 20, studiert Geo-Wissenschaften in Hamburg: "Am ersten Tag gleich ein Trinkspiel"

"Die erste Woche hat mir schon meine größten Ängste vor der Uni genommen. Ich habe schnell nette Leute kennengelernt, und am ersten Tag wurde sogar gleich getrunken: Die Fachschaft hat eine Erstsemesterbegrüßung organisiert mit einem Geo-Wissenschaften-Quiz. Wer eine Frage richtig beantwortet hat, durfte Bier oder einen Mexikaner trinken. Wer falsch lag, eigentlich auch. Weil ich beides nicht so gern mag, habe ich zwar mitgespielt, aber nicht mitgetrunken. Die Stimmung wurde schnell sehr locker. Für die nächsten Wochen hoffe ich, dass ich gut mitkomme und nicht überfordert bin. Mir ist es wichtig, neben dem Studium auch noch Zeit für andere Sachen zu haben."

Christina Kufer
Serena, 21, und Larissa, 20, studieren zusammen an der LMU München Nordamerikastudien mit Nebenfach Jura: "Hoffentlich müssen wir nicht zu viele Bücher kaufen"

"Wir haben uns vor ein paar Tagen bei Starbucks kennengelernt und herausgefunden, dass wir beide genau denselben Stundenplan haben. Im Moment kämpfen wir noch mit dem Kursbelegungssystem, das ist echt kompliziert. Aus Versehen haben wir nämlich auch Kurse für das zweite Semester belegt. Nordamerikastudien gefallen uns bis jetzt sehr gut, wir analysieren, interpretieren und lernen die amerikanische Geschichte. Aber es ist blöd, dass wir jeden Tag um 8 Uhr Uni haben, fast wie in der Schule. Hoffentlich müssen wir in den nächsten Wochen nicht allzu viele Bücher kaufen, denn das geht ganz schön ins Geld. Ein Buch allein kostet schon 70 Euro."

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vinyl 21.10.2013
1.
Was soll schon wieder diese Unterrepräsentierung von technischen/naturwissenschaftlichen Fächern? Ein einsamer Chemiker und ein halber Informatiker, sonst nur BWL/Jura/Lehramt/Sprachen-BlaBlub. Wo sind die Maschinenbauer, E-Techniker, Bauingenieure und von mir aus auch Architekten? Diese Merkwürdige Selektion ist praktisch bei allen Artikeln über Studenten zu finden.
stefansaa 21.10.2013
2.
Zitat von vinylWas soll schon wieder diese Unterrepräsentierung von technischen/naturwissenschaftlichen Fächern? Ein einsamer Chemiker und ein halber Informatiker, sonst nur BWL/Jura/Lehramt/Sprachen-BlaBlub. Wo sind die Maschinenbauer, E-Techniker, Bauingenieure und von mir aus auch Architekten? Diese Merkwürdige Selektion ist praktisch bei allen Artikeln über Studenten zu finden.
Haben Sie in der letzten Woche/n nicht die Artikel über Einstiegsgehälter und co. con Ingenieuren gesehen? Wahrscheinlich sind die MINTler auch einfach viel zu "Cool" für solche Artikel oder noch besser: Da ja MINT-Fächer die einzigen sind, die wirklich anspruchsvoll sind, haben die Studenten jetzt bereits keine Zeit mehr für irgendetwas anderes!
Brown_Jenkin 21.10.2013
3. Ich muss vinyl beipflichten
Alles brotlose Kunst die da studiert wird. Bis auf den potentiellen Juristen. Wenn das die akademische Zukunft Deutschlands ist, dann gute Nacht.
ralph.behr 21.10.2013
4.
Zitat von vinylWas soll schon wieder diese Unterrepräsentierung von technischen/naturwissenschaftlichen Fächern? Ein einsamer Chemiker und ein halber Informatiker, sonst nur BWL/Jura/Lehramt/Sprachen-BlaBlub. Wo sind die Maschinenbauer, E-Techniker, Bauingenieure und von mir aus auch Architekten? Diese Merkwürdige Selektion ist praktisch bei allen Artikeln über Studenten zu finden.
Hinzu kommt: Keine einzige Universität in den Ostbundesländern. Und, fairerweise sind es drei MINTS. Die Geowissenschaftlerin kann man ruhig auch dazu zählen.
Sleeper_in_Metropolis 21.10.2013
5.
Super. Die eine hat das Pädagogikstudium abgebrochen und versucht es jetzt mit Germanistik, die andere studiert Ethnologie. Das sind die Leute, die Deutschland voranbringen... Mir scheint es erneut so, das sich an den Unis ein gewisser Prozentsatz an Leuten tummelt, die primär deswegen dort sind, weil sie einerseits nicht so richtig wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen und sich andererseits aber auch nicht mit richtiger Arbeit den Tag versauen wollen.
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