Studentenflut Bund beteiligt sich an Mehrkosten

In den kommenden Jahren rücken geburtenstarke Jahrgänge in die Hochschulen ein. Die Finanzierung wollen Bund und Länder in einem "Hochschulpakt" stemmen. Trotz einer ersten Einigung sind längst noch nicht alle Kosten geklärt.

Der Hochschulpakt von Bund und Ländern zur Bewältigung der absehbaren Studentenwelle nimmt konkrete Formen an. Wie Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) heute berichtete, hat sie mit den Wissenschaftsministern der Länder eine Einigung über die Grundlinien des Paktes erzielt.

Danach wird der Bund ab Wintersemester 2007/2008 die Hälfte der Mehrkosten für das bis 2010 erwartete Plus von 90.000 Studienanfängern übernehmen. Das bedeute bis 2010 rund 565 Millionen und insgesamt knapp eine Milliarde Euro. Zusätzlich bietet der Bund nach Angaben Schavans für die Forschungsförderung an Hochschulen eine vollständige Finanzierung der Programmkostenpauschale an. Das seien bis 2010 rund 700 Millionen Euro.

Die Länder müssten noch klären, wie die besondere Situation der neuen Bundesländer im Pakt berücksichtigt werden kann. Dort gibt es einen Überhang an Studienplätzen, dessen Abbau verhindert werden soll, da er etwa ein Viertel des bundesweit entstehenden Mehrbedarfs an Studienplätzen decken könnte. Die offenen Punkte sollen bei einem weiteren Treffen am 19. Oktober geklärt werden. Beschlossen werden soll der Hochschulpakt im Dezember von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder.

Bis zu 2,7 Millionen Studenten

Nach Prognosen wird die Zahl der Studenten auf dem Höhepunkt der Studentenschwemme von 2 auf 2,7 Millionen steigen. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) bezifferte den finanziellen Mehrbedarf bis 2020 auf durchschnittlich 2,3 Milliarden Euro pro Jahr. Schavan wies aber darauf hin, dass in dieser Summe auch die notwendigen Investitionen, etwa für Baumaßnahmen, enthalten seien. Die Finanzierung der Grundausstattung der Hochschulen aber sei allein Sache der Länder - Baden-Württemberg legte in dieser Woche schon einen ersten Plan vor.

Noch keine Finanzierung vereinbart wurde laut Schavan für die Zeit nach 2010, wenn der Höhepunkt der Studentenwelle erwartet wird. Allein von 2011 bis 2013 wird mit jährlich 40.000 zusätzlichen Studienanfängern gerechnet.

HRK-Präsidentin Margret Wintermantel warnte davor, den Hochschulpakt finanziell nicht ausreichend auszustatten. "Wir brauchen entschlossenes Handeln, keinen Tropfen auf den heißen Stein", so Wintermantel. Es gehe darum, "ein angemessenes Lehrangebot zu sichern", sagte die HRK-Präsidentin. Es bestehe die Chance, "eine starke Generation akademisch qualifizierter junger Menschen" heranzubilden. Dies dürfe nicht verpasst werden.

jaf/AP/AFP

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