Studentenfutter "Das Gehirn aktivieren"

Im Examensstress helfen weder Traubenzuckerorgien noch massenhaft Kaffee. Alfred Freeman, 39, preist stattdessen "Brain Food". Im Interview erklärt der Chef der SPIEGEL-Kantine, wie Kopfarbeiter ihre Gehirnzellen durch richtige Ernährung auf Trab bringen können.


UniSPIEGEL:

"Brain Food", Nahrung für das Gehirn, nennen Sie eine neue Reihe von Rezepten, die von dieser Ausgabe an im UniSPIEGEL veröffentlicht werden. Gibt es Lebensmittel, die schlau machen?

Freeman: Wer nicht lernt, wird ohne die entsprechende Begabung auch durch das beste Essen kein Genie werden. Aber im Ernst: Ernährungswissenschaftler und -mediziner haben keinen Zweifel mehr daran, dass eine bewusste, gezielte Ernährung dazu beiträgt, die Ressourcen, die das Gehirn hat, zu aktivieren.

UniSPIEGEL: Brauchen Kopfarbeiter wie Studenten also eine besondere Ernährung?

Freeman: Es ist wichtig, dass sie das Richtige essen. Viele machen den Fehler, dass sie bei Hausarbeiten, Klausuren, Prüfungsvorbereitungen oder im Examen, in Stress-Situationen also, versuchen, sich mit falschen Produkten über Wasser zu halten.

UniSPIEGEL: Die berühmten Traubenzuckerorgien?

Freeman: Das genau ist die Ernährung, die kontraproduktiv ist. Traubenzucker scheint sehr schnell Kraft zu geben, diese Energie verglüht jedoch ebenso rasch. Das liegt daran, dass der Blutzucker in die Höhe schnellt, die Bauchspeicheldrüse aber Insulin hinterher schießt. Dabei nimmt die Konzentrationsfähigkeit ab.

UniSPIEGEL: Was sollen Studenten im Examensstress stattdessen essen, wenn sie nur eine Zwischenmahlzeit brauchen?

Freeman: Stärkehaltige und ballaststoffreiche Produkte sind eine Möglichkeit. Das klassische Studentenfutter ist auch nicht schlecht.

UniSPIEGEL: Das kann nicht reichen ...

Freeman: ... nein. Aber das ist ratsamer, als Traubenzucker en masse. Wichtig ist, sich klar zu machen, wie der Körper Nahrung verarbeitet. Glukose, ein sogenannter Einfachzucker, braucht er zwar auch, aber wenn man sogenannten Mehrfachzucker nutzt, der in stärkehaltigen Produkten enthalten ist, wird der - wenn ausreichend Ballaststoffe vorhanden sind - während der Verdauung langsam aufgespalten und gelangt allmählich und wohl dosiert in die Blutbahn. Der Blutzuckerspiegel steigt langsam an und bleibt länger konstant.

UniSPIEGEL: Welche Getränke empfehlen Sie?

Freeman: Mit Wasser, frischen Säften und Kräutertees sollten auch Studenten versuchen, auf drei Liter am Tag zu kommen. Und: Kaffee sollte nur wenig dabei sein.

UniSPIEGEL: Sie empfehlen in der ersten Folge Ihrer Brain-Food-Rezepte ein Frühstück ...

Freeman: ... das ein idealer Start für einen langen Uni-Tag sein kann. Denn die Nahrung bringt das Gehirn auf Trab. Meine Favoriten sind Magerjoghurt, Buttermilch, Kefir und Magerquark. Dazu empfehle ich zum Frühstück ein Früchtemüsli mit kernigen Haferflocken und einen frischgepressten Orangensaft.

UniSPIEGEL: Mit Ihrem Team kochen Sie in der SPIEGEL-Küche jeden Mittag bis zu 700 Mahlzeiten. Gibt's da auch Brain Food?

Freeman: Es ist bewiesen, dass gewisse Nahrungskombinationen die Produktion von Neurotransmittern und Hormonen im Gehirn fördern. Also kochen wir auch danach. Wir achten auf die richtige Kombination von frischem Gemüse, Fisch, Geflügel, Linsengerichten und zum Beispiel guten Ölen. Wer bei uns isst, kann sich optimal ernähren. Aber nur, wenn er sich nicht, wie es viele tun, morgens üppig am Brötchenwagen und nachmittags mit Kuchen versorgen lässt.

UniSPIEGEL: Sehen Sie Menschen, denen Sie begegnen, an, ob die sich nach den Prinzipien von Brain Food ernähren?

Freeman: Manche wirken jedenfalls, als könnten Sie es gut gebrauchen.

INTERVIEW: CARSTEN HOLM



© UniSPIEGEL 3/2005
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