Studentenfutter Die besten deutschen Mensen

Der Student geht so lange zur Mensa, bis er bricht, behaupten Spötter. Gar nicht wahr, kontert ein Hochschulmagazin und fahndete nach den Gourmettempeln unter den Mensen. Das Ergebnis: Die Hochburgen des guten Geschmacks stehen in Ostdeutschland.


Der Mensa-Chef, dem die Frauen vertrauen: Olaf Schäpe aus Rostock
Christian Rödel

Der Mensa-Chef, dem die Frauen vertrauen: Olaf Schäpe aus Rostock

Von ihrem alten Image als öde Abfütterungsanstalten für Studenten mit verkümmerten Geschmacksnerven wollen die deutschen Mensen weg. Und manchen ist das längst gelungen: "Diese Mensa ist ein Grund, eine halbe Stunde Bus zu fahren", schwärmte ein Rostocker Student, ein anderer nannte sie gar das "Highlight des Studiums". Seine Kommilitonen sahen es ähnlich, und so ging die Mensa Süd des Rostocker Studentenwerkes als Sieger eines Wettbewerbs des Hochschulmagazins "Unicum Campus" durchs Ziel.

Fast 15.000 Studenten ließen den guten Geschmack entscheiden. In sechs Kategorien verteilten sie Lob und Tadel - von einem Tablett für "mensa non grata" bis fünf Tabletts für "mensa cum laude": Geschmack, Auswahl, Wartezeit, Service, Atmosphäre und Gesamtwertung.

Die entschied Rostock deutlich für sich, konnte aber auch bei den anderen Kriterien abräumen. Bei der Preisverleihung quittierten die Mensabesucher die Leistungen von Köchen und Servicepersonal mit tosendem Applaus. Mensaleiter Olaf Schäpe war "ganz schön überrascht", als ihn die Nachricht erreichte.

"Die kulinarische Fakultät":
Mensa-Reklame von Hannoveraner Studenten




Die Großküchen in den Top Ten erreichten allesamt in der Gesamtwertung über vier Tabletts. Kulinarische Höchstleistungen attestierten die Umfrageteilnehmer zum Beispiel auch der Mensa Kellenspring in Frankfurt/Oder auf Platz 2 und der Mensa an der Zwerguniversität Vechta, im Vorjahr sogar Gesamtsieger und diesmal auf dem dritten Rang - trösten konnte sich das Osnabrücker Studentenwerk mit einer weiteren guten Platzierung (Rang 5 für die Schlossgarten-Mensa in Osnabrück).

Besonders schnell was auf die Gabel gibt's in der Trierer Geo-Mensa. Konstanz glänzt durch schönes Ambiente und Ausblick auf den Bodensee, und Oldenburg verzeichnet die reichhaltigste Auswahl ("eine echte Öko-Mensa, in der es auch noch schmeckt", so ein begeisterter Student).



Nicht überall werden Studenten so verwöhnt. Manche Kommentare fielen bissig aus: "Man muss kaltes Essen mögen oder schon vor dem Bezahlen mit dem Essen anfangen", so eine Teilnehmerin über Wartezeiten in der Mensa Vaihingen der Uni Stuttgart. "Zu kleine Portionen, geizen mit Nachschlag", hieß es über die Ulmer Hauptmensa und "mickrige Desserts, fade Soßen" über die Mensa Institutsviertel der Uni Freiburg.

Das Studentenmagazin verzichtete trotzdem darauf, "krumme Löffel" für die schlechtesten Mensen zu vergeben: "No comment", so Chefredakteurin Dorothee Fricke - schließlich wolle man Studentenwerke auszeichnen, die sich besonders viel Mühe geben. Und niemanden in die Pfanne hauen.

Im zweiten Teil:



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