Studentenjob Pokern "Auf dem River call ich doch nicht"

Von Ellen Kollender

2. Teil: Spielsüchtig: "Jeden Tag nahm ich mir vor, dass das heute das letzte Spiel ist"


Doch die Spieler leben gefährlich - rechtlich und psychisch. Denn Online-Pokern um Geld ist in Deutschland illegal. Nicht nur der Nutzer macht sich strafbar, auch das Werben für Geldspiele im Internet ist laut Glücksspielstaatsvertrag seit Januar 2008 in Deutschland nicht mehr erlaubt. Die Anbieter unterwandern das Verbot allerdings mit einem simplen Trick: "Sie werben allein für Testspiel- oder Demo-Seiten, die speziell auf den deutschen Markt ausgerichtet sind. Hier zockt man dann um Spielgeld", erklärt Glücksspielexperte Tobias Hayer von der Universität Bremen. "Vom Spiel um Echtgeld ist man dort aber nur wenige Mausklicks entfernt."

Screenshot von der Website eines Online-Pokeranbieters: Langfristig verliert die große Mehrheit der Spieler Geld

Screenshot von der Website eines Online-Pokeranbieters: Langfristig verliert die große Mehrheit der Spieler Geld

Die Anbieter betreiben die echten Zockerseiten dort, wo das Spielen um Echtgeld legal ist - auf Malta etwa oder in Gibraltar. Sie konzentrieren sich besonders auf Europa, seitdem es in den USA verboten ist, Geld an Internet-Casinos zu überweisen. Firmen wie "Partypoker" oder "Pokerstars" sind an europäischen Sport-TV-Kanälen beteiligt und werben dort vor allem um junge Zocker. "Ihnen verkauft man das Pokern als Strategiespiel und hippen Lifestyle", sagt Hayer.

Suchttherapeuten betrachten den Hype mit Sorge. Zwar sollte man das Spiel nicht dämonisieren, findet Hayer, die Teilnahme an einem Pokerstammtisch müsse nicht in der Abhängigkeit enden. Wer sich aber abschotte, heimlich spiele und dabei ein schlechtes Gewissen habe, sei schon gefährdet. "Online-Pokern ist verführerisch", sagt Hayer. "Man kann während der Vorlesung zocken, muss sich nicht schick fürs Casino kleiden, und die Anonymität bleibt gewahrt."

Für Süchtige ist Online-Pokern geradezu ideal: Der Fetisch lässt sich vom heimischen Computer bedienen, alles was der Spieler braucht, ist eine Kreditkarte. Erste Gewinne stellen sich ein, das Selbstvertrauen wächst. Langfristig allerdings verliert die große Mehrheit der Spieler Geld. Denn was der eine gewinnt, muss der andere abgeben, dazu kommt die Provision für den Anbieter, die jeder Spieler abtreten muss, der eine Runde gewinnt.

Eigentlich eine klar erkennbare Falle - der allerdings viele junge Spieler nicht entkommen. "Spielsüchtige sind im Erfinden von Ausreden und Vorwänden besonders kreativ", erzählt Uwe Heilmann-Geideck vom Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe in Bad Homburg. "In vielen Fällen gelingt es ihnen, ihre Spielsucht selbst vor dem Partner über Jahre hinweg zu verheimlichen." Der vermute für gewöhnlich hinter der ständigen Abwesenheit des einst so nahen Menschen eher ein Liebesverhältnis als das wahre Laster.

Morgens Poker im TV und dann Spielen bis spät in die Nacht

Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es in Deutschland schätzungsweise etwa 100.000 Glücksspielsüchtige. Das sich ausweitende Online-Angebot senkt die Hemmschwelle, ins Spiel einzusteigen.

Besonders junge Männer stürzten sich auf das Pokerspiel, heißt es bei der Bundeszentrale. Auf sie müssten die Präventionsmaßnahmen ausgerichtet werden. "Die funktionieren zurzeit allerdings noch sehr schlecht", sagt Daniel Zeis von der Potsdamer Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtkranke und Suchtgefährdete. Um die Klientel an den Hochschulen habe sich bisher noch niemand gekümmert.

BWL-Student Benjamin Meiring* pokerte zuletzt zwölf Stunden am Tag. Nach dem Aufstehen schaute er sich ein Pokerturnier im Sportsender DSF an, danach setzte er sich bis spät in die Nacht vor den Rechner. Viele Semester ging das so. Meiring besuchte nur noch zu Klausuren die Uni. Sein Leben lief völlig aus dem Ruder. "Jeden Tag nahm ich mir aufs Neue vor, dass das heute das letzte Spiel sein wird", erzählt der Student. "Heute weiß ich, dass das eine typische Spielerausrede ist."

Meiring sitzt im Sprechzimmer seines Therapeuten in Frankfurt am Main. Eine adrette Erscheinung: Das karierte Hemd ist gebügelt, das schwarze Haar gepflegt zurückgegelt. Ihm ist zum Verhängnis geworden, dass Geld in seiner Familie nie ein Problem war. Die Summen, um die er pokerte, wurden immer höher. "Ich wollte den Gewinn erzwingen. Dabei habe ich das Gefühl für meine Einsätze völlig verloren", sagt er. Es gab Tage, an denen Meiring über 1000 Euro verspielte. Wenn nicht beim Online-Poker, dann am nächsten Spielautomaten. Mit 21 nahm er einen Kredit auf. Dann noch einen, er lieh sich Geld von Freunden und häufte schließlich Schulden von mehr als 10.000 Euro an.

Das Konto ist gesperrt, die Schwester verwaltet das Geld

Als Meiring begann, darüber nachzudenken, wie man sich den Einsatz für die nächste Pokerrunde auf illegalem Weg beschaffen könnte, zog er die Reißleine. Er erzählte seiner Schwester von seinem Problem; das ist jetzt ein halbes Jahr her. Sie ermutigte ihn, eine Beratungsstelle aufzusuchen, und half, einen Therapieplatz zu finden.

Heute nennt sich Meiring "clean". Er hat seine alten Freunde angerufen und wieder angefangen, Sport zu treiben. Trotzdem bleibt der Student vorsichtig. Sein Konto hat er sperren lassen, die Schwester verwaltet jetzt sein Geld, jede Quittung muss der Student ihr vorlegen. "Zum Selbstschutz." Sein Verhalten von damals kann Meiring heute selbst nicht mehr verstehen. "An was ich da teilnahm, das nannte sich Spielergemeinschaft. Gemeinschaft!" Er und seine vermeintlichen Sportsfreunde hätten sich vor allem gegenseitig das Geld aus der Tasche gezogen. "Das ist doch völlig schizophren!"


*Namen von der Redaktion geändert

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Seite 1
Nov 11.06.2009
1. ...
Zitat von sysopZwei US-Gerichte haben jüngst Verfahren mit der Begründung eingestellt, Poker sei ein Glücksspiel. In den meisten Ländern hingegen gilt Poker als illegales Glücksspiel. Ihre Meinung: Ist Poker eher ein Glücks- oder Geschicklichkeitsspiel?
Der Spielvorgang lässt sich mathematisch beschreiben und daraus ergeben sich Vorteile für solche, die die mathematischen Vorgänge und Wahrscheinlichkeiten begreifen. Selbstverständlich kann man auch mit Glück gewinnen.
heiko2183, 11.06.2009
2.
Langfristig gesehen ist Poker genauso Denkspiel wie Schach. Kurzfristig gesehen spielt das Kartenglück natürlich eine grosse Rolle.
L2r 12.06.2009
3.
die world series hat gezeigt es ist ein glücksspiel doch auf dauer kann man nur mit können erfolgreich sein jeder profi verliert gegen einen amateuer wenn der einfach die besseren karten hat spätestens beim all-in wird dieser wieder verdoppeln warum haben stars es geschafft etliche world series turniere zu gewinnen so ein glückspilz ist doll brunson bestimmt nicht
Kurt Kurzweg 12.06.2009
4. Ach?
Zitat von NovDer Spielvorgang lässt sich mathematisch beschreiben und daraus ergeben sich Vorteile für solche, die die mathematischen Vorgänge und Wahrscheinlichkeiten begreifen. Selbstverständlich kann man auch mit Glück gewinnen.
...na denn - auf zur Jagd nach der Fieldsmedaille! Die mathematische "Beschreibung" mit so vielen Unbekannten dürfte mehr als schwierig sein. Merke: alle Kartenspiele, bei denen die Karten nicht vollständig an alle Mitspieler verteilt werden sind Teufelszeug. Bei Skat, Scharfkopp etc weiß der Spieler dass die Karten, die ER nicht hat bei den anderen sind, das Risiko ist nur die Verteilung - beim Poker und beim in der "Halbwelt" so beliebten "Klammern" weiß niemand wie sich der Rest auf Mitspieler und den verbliebenen "Topf" verteilt; da brauchen Sie erst mal einen Hellseher bevor es mit der Mathematik losgehen kann...
snwcrsh 12.06.2009
5.
Man benötigt keinesfalls einen Hellseher, sondern sollte Wahrscheinlichkeitsrechnung beherrschen. Das ist weder Teufelszeug noch hat das etwas mit Glück zu tun. Poker ist ein langfristiges Spiel, dass mit mathematisch korrekten Entscheidungen auf Dauer Gewinn abwirft.
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