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26. Oktober 2006, 17:54 Uhr

Studentenproteste

Chinesen verwüsten ihren Campus

Privatunis boomen in China - aber immer öfter werden Studenten mit falschen Versprechungen gelockt. Auch eine Hochschule in der Provinz Jiangxi vergab Abschlüsse, die die Regierung nicht anerkennt. Tausende Studenten randalierten und plünderten ihren Campus.

Peking - 10.000 Studenten haben sich in den vergangenen vier Tagen in der ostchinesischen Stadt Nanchang heftige Gefechte mit der Polizei geliefert. Bei den Protesten seien Autos und Gebäude zerstört und mindestens zwanzig Menschen verletzt worden, berichteten internationale Beobachter heute. Ein Polizeisprecher der Provinz Jiangxi sprach von Plünderungen.

Anlass für die Studentenproteste ist ein Bericht des staatlichen Fernsehens, in dem enthüllt wurde, dass die Uniführung einer Privatuni in der Stadt Studenten mit falschen Angaben hinsichtlich ihrer späteren Qualifikation angeworben hatte. Die Abschlüsse, die die Uni vergibt, würden - entgegen der Aussagen der Privatuni - von der chinesischen Regierung nicht anerkannt, so der Bericht.

Die Studenten wiesen die Vorwürfe, randaliert zu haben, zurück. Sie machten Hooligans aus einem Nachbarort für die Zerstörungen verantwortlich. "Es waren Leute von außerhalb, die Bürofenster eingeschmissen und Computer mitgenommen haben", sagte ein Student. "Wir sind ärgerlich, aber wird sind nur marschiert und haben eine Reaktion unserer Universitätleitung gefordert", erklärte er weiter. Nach Aussagen mehrerer Studenten, habe es keine ernsthaften Verletzungen oder Festnahmen durch die Polizei gegeben.

Chinas Staatsfernsehen hatte berichtet, dass die Privatuni in Nanchang in den vergangenen drei Jahren etwa 20.000 Studenten mit der Aussicht auf staatliche anerkannte Abschlüsse angeworben - Abschlüsse, die die Uni gar nicht vergeben dürfe.

Seit einigen Jahren erleben Privatunis in China einen regelrechten Boom, weil sie diejenigen Studenten aufnehmen, die die harten Eingangsprüfungen für die prestigeträchtigen staatlichen Hochschulen nicht bestehen. Die Leitungen der privaten Hochschulen geraten allerdings immer wieder in die Kritik. So war es im Juni an einer Privatuni in der zentralchinesischen Provinz Henan zu ähnlichen Protesten gekommen. Studenten schlugen Fenster ein und verwüsteten den Campus. Auch damals ging es um ungültige Abschlüsse.

anr/AP/Reuters

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