Studentenproteste in Sachsen Mit Kleiderspenden durch den kalten Winter

Sächsische Studenten sammeln wärmende Winterkleidung und wollen damit auf eine Haushaltssperre aufmerksam machen. Im Winter, so ihre Befürchtung, können die Uni-Räume nicht mehr ausreichend beheizt werden.

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Im Schatten des "Weisheitszahns", viele Jahre lang die Uni-Zentrale in Leipzig, wird es kühl
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Im Schatten des "Weisheitszahns", viele Jahre lang die Uni-Zentrale in Leipzig, wird es kühl

Sparen, sparen, sparen heißt es für Sachsens Hochschulen in den nächsten Monaten: Durch eine im Juni verhängte Haushaltssperre der Landesregierung wurden sie in ihren Etatplanungen für das zweite Halbjahr völlig überrascht. Nun droht den Studenten und Professoren ein buchstäblich bitter kaltes Wintersemester - die Betriebskosten müssen drastisch reduziert werden. Studentenvertreter befürchten, dass es an Geld sowohl für die Heizung als auch für Beleuchtung und Putzkolonnen fehlt.

Frieren möchten die Studenten aber auch nicht. Deshalb haben sie eine ungewöhnliche Aktion gestartet und bitten bei der Bevölkerung in Leipzig, Dresden, Chemnitz und Freiberg um Kleiderspenden. "Das klappt ganz gut", freut sich Danny Walther vom Leipziger Studentenrat über die Resonanz, "einiges an Pullis und Winterjacken ist schon eingetroffen."

Wann wird der Strom abgedreht?

Walther verbrachte tagelang einige Stunden täglich in der Leipziger Fußgängerzone und warb bei Passanten um Aufmerksamkeit für die schwierige Lage der Hochschulen. Gefragt ist alles, was wärmt oder Studenten sonst hilft - Decken, Mützen, Schals, obendrein auch Kerzen und Toilettenpapier.

Denn der Sachmittel-Etat der Hochschulen ist leer. Die Fakultäten wissen nicht, woher sie Toner und Kopierpapier für die Klausuren nehmen sollen. Wahrscheinlich müssen sie Studienfahrten streichen oder sogar bei Studenten für Praktika kassieren. Besonders die Bibliotheken sind in Bedrängnis: Sie kündigten bereits reihenweise Abos für Fachzeitschriften und können keine neuen Bücher anschaffen.

"Wir können uns nicht vorstellen, dass der Finanzminister über 80.000 junge Menschen in der Kälte sitzen lässt", sagte KSS-Sprecher Markus Lorenz. Die Studentenvertreter warnen vor Lücken in Forschung und Lehre, vor einer "staatlich verordneten Studienzeitverlängerung". Eigentlich wollten sie die Kleiderspenden am Donnerstag vor dem Landtag an den sächsischen Finanzminister Thomas de Maizière übergeben - aber wegen der Ereignisse in den USA hat die KSS beschlossen, die Sammelktion auf unbetimmte Zeit auszusetzen.

Sobald das Semester begonnen hat, wollen die Studentenvertreter weitere Protestaktionen starten, zum Beispiel gemeinsame Putzeinsätze von Lehrenden und Studierenden. Das Ziel: mit einem heißen Herbst einem kalten Winter vorbeugen.



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