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18. Oktober 2012, 18:50 Uhr

Studentenproteste in Spanien

Die Wut der Jugend

Leere Klassen, leere Hörsäle: Tausende Schüler, Studenten, Eltern demonstrierten in 50 spanischen Städten gegen Milliarden-Kürzungen an Schulen und Unis - und gegen steigende Studiengebühren.

"Das Geld der Banker für die Schulen der Arbeiter", skandierten sie, denn die Wut ist groß unter spanischen Schülern, Studenten und Eltern. Drei Tage lang haben sie protestiert und zum Bildungsstreik aufgerufen, viele Klassenräume und Hörsäle blieben leer. Ihr Zorn richtet sich gegen die Sparmaßnahmen der konservativen Regierung, die Milliarden-Kürzungen im Bildungssektor plant.

In rund 50 Städten gingen die Demonstranten auf die Straße, auch in den Metropolen Madrid und Barcelona. Sie beklagen überfüllte Klassen und Seminarräume, Kürzungen bei Lehrer- und Dozentenstellen - und vor allem die steigenden Studiengebühren: Die seien von 700 Euro im vergangengen Jahr auf 1.300 Euro pro Studienjahr gestiegen, beschwerte sich eine Journalismusstudentin bei den Protesten in Madrid.

Die Schülerin Sara Diaz, 16, sagte: "In meinem Gymnasium wurden dieses Jahr sieben Lehrer entlassen, letztes Jahr waren es 16." Die 50-jährige Leonor Andrés, die ihre 14-jährige Tochter zu dem Protest begleitete, sagte, weil nun mehr Schüler in einer Klasse seien, sei der Unterricht weniger praxisorientiert.

Die Zeitung "El País" berichtet auf ihrer Internetseite auch von der wachsenden Furcht unter Lehramtsstudenten, später keine Stelle zu finden, wenn der Staat weitere Stellen streicht. Andere Studenten haben ebenfalls Angst, nach der Uni ohne Job dazustehen: Die Arbeitslosigkeit liegt bei etwa 25 Prozent.

Ziel des Zorns ist besonders Bildungsminister José Ignacio Wert, für viele Schüler und Studenten das Gesicht der Sparmaßnahmen. Sie forderten seinen Rücktritt. Die Demonstrationen sind Teil eines dreitägigen Streiks, der am Donnerstag zu Ende gehen sollte. Ganze Familien marschierten bei den Protestzügen mit. Wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise in Spanien will die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy bis 2014 insgesamt 150 Milliarden Euro einsparen.

yoq/AFP

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