Studentenproteste Niedersachsen kündigt Studiengang-Reformen an

Zehntausende Studenten machen ihrer Wut auf der Straße Luft - jetzt zeigen die Proteste erste Wirkung: Niedersachsen hat Reformen bei den Bachelor-Studiengängen angekündigt. Bildungsministerin Schavan sprach sich für eine BAföG-Erhöhung aus.


Hannover - Die tagelangen Studentenproteste an deutschen Hochschulen gegen die Bologna-Reform, schlechte Studienbedingungen und Studiengebühren haben offenbar erste politische Konsequenzen: Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) kündigte jetzt Änderungen bei Bachelor-Studiengängen an. "Es geht zum einen darum, die Kleinteiligkeit der Studieninhalte aufzubrechen", sagte er der Oldenburger "Nordwest-Zeitung". Kompetenzvermittlung sei wichtiger als zu früh vermitteltes Spezialwissen. Zudem müsse der Uni-Wechsel erleichtert werden. "Wir brauchen wieder mehr Mobilität", sagte Stratmann. "Und wir müssen die Prüfungsdichte verringern. Auch das beklagen die Studierenden zurecht." Künftig sollten mehr achtsemestrige Bachelor-Studiengänge angeboten werden.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) räumte im Deutschlandfunk "handwerkliche Fehler" bei der Einführung der neuen Studiengänge ein. Bund und Länder würden gemeinsam für Verbesserungen sorgen, versprach sie. Überraschend lenkte Schavan bei der Ausbildungsförderung ein und sprach sich für eine Erhöhung aus. "Ich halte eine BAföG-Erhöhung für richtig und werde sie den Ländern und dem Bundeskabinett vorschlagen", sagte sie der "Berliner Zeitung". Vor zwei Wochen erst hatte Schavan eine BAföG-Erhöhung für die nächste Zeit ausgeschlossen.

In der Nacht gingen die Studentenproteste in zahlreichen deutschen Hochschulen weiter: Studenten blockierten unter anderem Hörsäle in Augsburg, Erlangen, Bochum, Köln, Münster, Siegen, Erfurt, Karlsruhe und Braunschweig. Dagegen mussten rund 200 Hochschüler die Universität Bonn nach Aufforderung der Polizei friedlich räumen. Vor der Polizeiaktion hatte die Universitätsleitung die Besetzer mehrfach vergeblich aufgefordert, den Hörsaal zu verlassen.

Fotostrecke

26  Bilder
Studentenproteste: Roboter und Pappblockade
Seit Tagen demonstrieren in zahlreichen deutschen Städten Schüler und Studenten für bessere Lernbedingungen. Allein am Dienstag zählten die Organisatoren rund 85.000 Teilnehmer. Schwerpunkte waren München, Berlin, Freiburg und Köln. Neben den Demonstrationen werden vielerorts Hörsäle in den Universitäten besetzt. Die Proteste gehen an diesem Mittwoch weiter. Am 30. November soll nach Angaben der Veranstalter eine bundesweite Aktionswoche starten.

Der Protest der Studenten richtet sich vor allem gegen die Stofffülle und gegen die Studienbedingungen in den neuen Bachelor-Studiengängen. Viele Hochschulen hätten es versäumt, die Studieninhalte den erheblich verkürzten Studienzeiten anzupassen. Auch lasse die straffe Organisation des Studiums keinen Freiraum, um noch nebenbei Geld für Studiengebühren zu verdienen.

anr/dpa/AP



zum Forum...
Diskutieren Sie mit anderen Lesern!

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.