Studentenverbindungen Frauen fechten nicht

Neben den Burschenschaften existieren noch weitere studentische Verbindungen wie Landsmannschaften, Corps, Turner- und Sängerschaften. Aber auch etliche Verbindungen für Frauen.

Von Alexander Hüsing


Rezzo Schlauch ist 1966 in Freiburg Burschenschafter geworden. Später trat er aus
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Rezzo Schlauch ist 1966 in Freiburg Burschenschafter geworden. Später trat er aus

Überhaupt nicht zu vergleichen mit Burschenschaften sind Landsmannschaften. Sie entstanden meist Mitte des 19. Jahrhunderts als Alternative zu den Burschenschaften. Mitglied in einer Landsmannschaft werden können alle eingeschriebenen Studenten einer Universität oder Fachhochschule - auch Ausländer.

Die Verbindungen verfolgten keine politischen, religiösen oder nationalistischen Ziele. "Nicht wenige Burschenschaften genießen bei uns Hausverbot", so Eike Lind von der Landsmannschaft Rhenania in Jena. Die meisten Landsmannschaften - insgesamt 100 an 45 Hochschulorten - sind im Coburger Convent (CC) organisiert, einem pflichtschlagenden Verband.

Wieder eine andere Baustelle sind Corps. Sie gelten als die älteste Form der Studentenverbindungen und sind hauptsächlich im Weinheimer Senioren-Convent (WSC) und im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) zusammengeschlossen. Die ebenfalls pflichtschlagenden Verbände fordern von ihren Mitgliedern Toleranz in politischer, weltanschaulicher und religiöser Hinsicht. "Wir hatten nie ein Problem damit, Wehrdienstverweigerer oder Ausländer ins Corps aufzunehmen", so Axel Pfeiffer vom Münchner Corps Cisaria.

Turner- und Sängerschaften

Kaum wahrgenommen werden in der Öffentlichkeit die akademischen Turner- oder Sängerschaften. Die Braunschweiger Sängerschaft AMV Arminia beschreibt sich auf ihrer Internetseite als "eine Gruppe von Leuten, die gerne Musik machen, gerne gemeinsam etwas unternehmen und sich unterstützen". Die Braunschweiger gehören ähnlich wie die konfessionellen Bünde zu den nichtschlagenden Verbindungen.

In einigen Sängerschaften können die Mitglieder aber auch freiwillig fechten und die Mensur schlagen. Ähnlich bei den Turnerschaften: Die Verbindungen im Coburger Convent greifen pflichtgemäß zur Klinge und sind farbentragend, die Akademischen Turnverbindungen fechten nicht und tragen auch keine Farben.

Frauen werden weder von den Burschenschaften im DB noch im NDB und auch nicht von den Landsmannschaften im Coburger Convent oder den einzelnen Corps im WSC oder KSCV aufgenommen. "Wir wollen Beziehungskonflikte aus unseren Gemeinschaften heraushalten", heißt es dazu vom Coburger Convent. Meist geht es bei den schlagenden Verbindungen einfach ums Fechten. "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Frauen die Mensur schlagen", sagt Corpsstudent Pfeiffer.

Verbindungen für Frauen

Aufgenommen werden Frauen in verschiedene konfessionellen Burschenschaften wie den Schwarzburgbund und in einige Turner- und Sängerschaften. Seit einigen Jahren gibt es aber auch Verbindungen für Frauen. Eine der ältesten ist die Berliner Lysistrata - seit 1985 existiert die Damenverbindung. Die Studentinnen bekennen sich "zur freiheitlich demokratischen Grundordnung des Staates und achten die religiöse, politische und weltanschauliche Freiheit des Einzelnen". Das Fechten überlassen die Damen aber weiterhin den Herren.

Mitglied in einer Studentenverbindung waren übrigens nicht nur rechte Gesinnungstäter wie Rolf Schlierer, der Bundesvorsitzende der Republikaner, und der FPÖ-Politiker Jörg Haider. Auch der Theologe und Schriftsteller Walter Jens, Revolutionär Karl Marx, der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, und Rezzo Schlauch, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, gehörten einer Verbindung an.

Im ersten Teil "Rechtsweg nicht ausgeschlossen": Konservative bis rechtsextreme Burschenschaften



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