Studentische Politik Der stille Tod eines Dachverbandes

Frischer Wind für die Studentenpolitik, weg von den linken Ritualen - große Pläne hatte der "Bundesverband der Studierendenschaften" beim Start im Herbst 2000. Inzwischen ist der BVS mit bloßem Auge kaum noch wahrnehmbar.
Von Fiete Stegers

Er existiert nicht einmal virtuell: Außer einem Logo und einer Abkürzung kann der BVS auf seiner Homepage nichts vorweisen. Aber das Motto "bundesweite Interessenvertretung der Studenten ohne Cuba, Castro und Castor" kommt dem Vorsitzenden Boris Schön immer noch so leicht von den Lippen wie bei der Gründung. Der BVS sollte die Alternative zum bisherigen "Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften" (fzs) werden. Im politisch linksorientierten fzs sind die Studentenvertretungen von rund sechzig vorwiegend kleineren und mittleren Hochschulen organisiert, die zusammen etwa ein Drittel der deutschen Studierenden stellen.

Viele Unis sind aber nicht Mitglied oder in haben den Verband in den letzten Jahren verlassen. Gerade sie wollte der BVS durch seine Konzentration auf die unmittelbare Hochschulpolitik und auf Servicefunktionen für sich gewinnen. Der Ring-Christlich Demokratischer Studenten sah schon den "Todesstoß" für den ihm missliebigen fzs gekommen. Beleidigt keifte der fzs zurück: Die Neugründung sei eine unnötige Spaltung studentischer Interessen, von RCDS-Asten initiiert, um dem fzs zu schaden.

Tatsächlich blieb der BVS bisher ein Phantom: Nach der jubelnden RDCS-Fanfare zur Gründung scheint der Verband abgetaucht. "Ich warte auf Kräfte aus dem Verband, die die inhaltliche Arbeit aufnehmen", meint der Juso Jörgen Schlund vom AStA der Uni Kiel. Er war an den Planungen für die BVS-Gründung beteiligt, zusammen mit Vertretern aus Köln, Duisburg, Göttingen und Bremen. Mehr sind es nicht geworden, im Gegenteil: Das von BVS-Sprecher Lars Kasischke mehrfach angekündigte Treffen mit weiteren Beitrittskandidaten, an dem rund 30 Unis und Fachhochschulen Interesse gezeigt hätten, hat noch nicht stattgefunden.

Der BVS-Vorsitzende Boris Schön vom Duisburger AStA, wie Kasischke auch beim RCDS aktiv, will nicht um den heißen Brei herumreden und braucht dann doch eine Weile, bis er auf den Punkt kommt: "Das Interesse ist nicht so groß, wie wir gedacht hatten." Im Klartext: Nur Schöns eigene Uni und der AStA des Bereichs Wirtschaft an der Hochschule Bremen sind bisher offiziell Mitglieder.

In Göttingen gibt es nach Neuwahlen zum Studentenparlament einen linken AStA, der vom BVS-Beitritt seines Vorgängers nichts weiß. Hochschulpolitik-Referent Till Schneidewind: "So lange wir keinen Beitrag zahlen, ist uns das auch egal." Olaf Bartz, der für die linksalternative Opposition im Kölner Studentenparlament sitzt: "Wir haben trotz Nachfragen in Sachen BVS seit Monaten nichts gehört." Mit-Gründer Kasischke hat die Kölner Universität inzwischen verlassen. Der jetzige AStA kann in Sachen BVS keine Auskunft erteilen.

Viel Larmoyanz, wenig Aktion

Boris Schön will dennoch von einem Scheitern noch nichts wissen: "Wir sind zum Beispiel an den Gesprächen im ´Forum Bildung´ beteiligt." Auch der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz hat den BVS zu seinem regelmäßigen Gespräch mit dem fzs und den politisch ausgerichteten Studentengruppen eingeladen, obwohl der selbsternannte Bundesverband bisher nur zwei Hochschulen vertritt.

"Meine persönliche Motiviation ist immer noch da", beteuert Schön, klagt aber über das Desinteresse von Kommilitonen, die nur schnell studieren und sich nicht engagieren wollen - keine neue Erkenntnis. Schön: "Dabei haben wir mit den Empfehlungen zur Hochschulreform in NRW doch jetzt die ideale Steilvorlage."

Die können möglicherweise andere nutzen: Beim fzs ist seit November eine Reformkommisson am Werk, nachdem der Austritt der großen Unis Münster und Düsseldorf im vergangenen Jahr nicht nur für eine finanzielle Krise gesorgt hatte. Strittig sind auch das nicht nach Studentenzahlen gestaffelte Stimmrecht der einzelnen Unis im fzs und die Quotenregelung im Vorstand, die zu Besetzungsproblemen führte. Kompromissvorschläge sollen jetzt von der Reformkommission kommmen, in der neben Mitglieds-Hochschulen auch die zwei ausgetretenen Unis vertreten sind.

"Natürlich hat die Gründung des BVS die Bereitschaft für Reformen erhöht", meint dagegen Jörg Hopfgarten, für die Uni Münster in der Reformkomission. Das meint auch Jörgen Schlund: "Vielleicht wird der fzs jetzt doch das, was wir mit dem BVS erreichen wollten." Er hält es aber auch nicht für ausgeschlossen, dass der fzs zugrunde geht, wenn die Kompromissvorschläge nicht angenommen werden.

Darüber stimmt die fzs-Mitgliedersammlung im Juni ab. Jörg Hopfgarten ist wie fzs-Vorstandsmitglied Veronika Muhr jedoch optimistisch, dass der fzs sich durch Reformen wieder eine breitere Basis schaffen kann. Neben den aktiv beteiligten Studentenvertretern aus Münster und Düsseldorf sind auch Hamburg, Göttingen und andere Unis an einem reformierten Dachverband interessiert.