Bewerber-Diskriminierung in der Forschung John sticht Jennifer aus

Frauen haben es schwerer, wenn sie sich um eine Wissenschaftlerstelle bewerben. Das ergab ein Test einer Forschergruppe der Uni Yale. Unter identischen Bewerbungen bewerten Dozenten die männliche besser als die weibliche. Überraschend: Auch Frauen ließen sich von Vorurteilen leiten.
Frauen in der Wissenschaft: Wer wird eher Labor-Chef?

Frauen in der Wissenschaft: Wer wird eher Labor-Chef?

Foto: dapd

John und Jennifer bewerben sich um einen Job als Labormanager. Ihre Mappen sind identisch, nur im Geschlecht unterscheiden sich ihre Bewerbungen. John kommt bei den Mitarbeitern naturwissenschaftlicher Fakultäten trotzdem besser an als Jennifer. Das fand ein Forscherteam aus Biologen, Psychologen und Wirtschaftswissenschaftlern der amerikanischen Universität Yale heraus. Die Studie legt nahe, dass sich eine Frau in der Wissenschaft mehr anstrengen muss, wenn sie sich auf die gleiche Stelle bewirbt wie ein männlicher Konkurrent.

Die Forscher baten 127 Biologen, Chemiker und Physiker von sechs großen US-Universitäten, fiktive Bewerbungsunterlagen für eine Laborstelle zu beurteilen, darunter ein Viertel Frauen und drei Viertel Männer. Die Hälfte der Bewerbungen trug den Absender "John", die andere Hälfte kam von "Jennifer", ansonsten waren akademischer Werdegang, Motivations- und Empfehlungsschreiben in den Mappen gleich. Die Professoren und Dozenten vergaben Punkte auf einer Skala von 1 bis 7 für die Kompetenz des Kandidaten. Außerdem bewerteten sie, wie gern sie John oder Jennifer einstellen würden, wie hoch ihr Gehalt sein sollte und wie viel Zeit sie selbst aufbringen würden, um die Studenten zu betreuen und zu fördern.

Weniger kompetent, dafür warmherzig und liebeswürdig?

Das Ergebnis: John schnitt deutlich besser ab. Für Kompetenz bekam er 4 Punkte, Jennifer erhielt nur 3,3 Punkte. Sein Einstiegsgehalt betrug 30.200 US-Dollar, Jennifers nur 26.500 Dollar. Die Wissenschaftler waren außerdem eher bereit, John einzustellen und zu betreuen. Naturwissenschaftlerinnen waren dabei nicht milder in ihrem Urteil als ihre männlichen Kollegen. Auch der Fachbereich, das Alter oder die Position der Befragten führte nicht zu einer besseren Bewertung von Jennifers Bewerbung.

"Wir behaupten nicht, dass diese Voreingenommenheit absichtlich ist oder dem bewussten Wunsch entspringt, das Vorankommen von Frauen in der Wissenschaft zu behindern", schreiben die fünf Autoren der Studie . Vielmehr seien die Menschen von allgegenwärtigen kulturellen Stereotypen geprägt, die Frauen als weniger kompetent, dafür aber als warmherziger und liebeswürdiger darstellten. Es sei daher wichtig, objektive und transparente Bewertungskriterien einzuführen, um zu verhindern, dass Professoren männliche Studenten unterbewusst bevorzugten.

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