Studie zu Promotionsverfahren Neue Strukturen, alte Probleme

Die Guttenberg-Affäre hat gezeigt, wie viel bei der Betreuung einer Doktorarbeit schiefgehen kann. Regeln für Promotionen gaben sich die Unis zwar bereits vor Jahren. Eine Studie, erschienen im Hochschulmagazin "duz", zeigt: Noch immer will jeder zweite Doktorand intensiver betreut werden.

Forschungszentrum Karlsruhe: Doktoranden fühlen sich oft unzureichend betreut
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Forschungszentrum Karlsruhe: Doktoranden fühlen sich oft unzureichend betreut

Von Manuela Zinnbauer und Kalle Hauss


Die Debatte um die Qualitätssicherung in der deutschen Doktorandenausbildung läuft auf Hochtouren, seit Karl-Theodor zu Guttenberg der Doktortitel aberkannt worden ist. Die Frage ist: Verbirgt sich hinter diesem prominenten Fall möglicherweise ein strukturelles Problem? In den USA werden die Qualitätsstandards in der Doktorandenausbildung seit vielen Jahren in komplexen Evaluationen überprüft. In Deutschland gibt es bislang noch keine flächendeckenden Informationen zu den Bedingungen unterschiedlicher Promotionsangebote.

Jedoch haben sich auch an deutschen Hochschulen in den vergangenen 20 Jahren die Qualitätsmaßstäbe mit der Einführung der strukturierten Promotion verändert. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht sie in Gestalt der Graduiertenschulen der Exzellenzinitiative. In der zweiten Runde der Exzellenzinitiative stehen zwischen 1 und 2,3 Millionen Euro für Graduiertenschulen zur Verfügung, um exzellente Forschungsbedingungen für Promovierende zu schaffen.

Charakteristisch für die strukturierte Promotion ist unter anderem die besondere Betreuung der Doktoranden: Während die traditionelle Betreuung meist auf der Basis weitgehend informeller bilateraler Vereinbarungen zwischen Doktorand und Doktorvater oder -mutter erfolgt, bestimmen in strukturierten Programmen klarere Regeln das Betreuungsverhältnis. An die Stelle loser Absprachen treten weitgehend formalisierte Vereinbarungen, in denen Bearbeitungsdauer, verbindliche Arbeitstreffen oder im Rahmen der Promotion zu erbringende Leistungen schriftlich fixiert werden. Empfehlungen, wie Betreuungsvereinbarungen aussehen sollten, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft 2008 vorgelegt.

Die Veränderung in den Qualitätsmaßstäben der Doktorandenbetreuung, die Einführung strukturierter Promotionsangebote und nicht zuletzt die aktuelle Diskussion um Plagiate in Dissertationen machen deutlich, dass Informationen über die Qualität und Organisation der Betreuung von Doktoranden in Deutschland dringend benötigt werden. Weder ist in hinreichendem Maße bekannt, welche Anforderungen und Vorstellungen von Seiten der Promovierenden und ihren Doktorvätern und -müttern an das Betreuungsverhältnis formuliert werden, noch sind die strukturellen Rahmenbedingungen der Betreuung - insbesondere mit Blick auf die neueren Angebote - ausreichend bekannt. Vor allem aber fehlt ein klares Bild davon, wie die Promovierenden selbst die Qualität der Betreuung bewerten.

Erste Hinweise hierzu liefert das Promovierendenpanel Pro- File, das vom Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) mit dem Ziel durchgeführt wird, Veränderungen in den Promotionsbedingungen an deutschen Hochschulen sowie die beruflichen Werdegänge der Promovierten zu untersuchen. Dazu befragt das IFQ seit 2009 regelmäßig Promovierende an Universitäten, Graduiertenkollegs, Graduiertenschulen und Sonderforschungsbereichen sowie von verschiedenen Stiftungen geförderte Promovierende und verfolgt deren Werdegänge auch nach Abschluss der Promotion.

Was hat sich an der Betreuung verändert?

Veränderungen in der Struktur der Doktorandenbetreuung können anhand einer Vielzahl von Faktoren wie Regelungen in Promotionsordnungen, Promotionsvereinbarungen, der Zahl der Betreuer und der Zusammensetzung der Betreuungsteams festgemacht werden. Ersten Ergebnissen aus ProFile zufolge wird die Betreuungsleistung in strukturierten Programmen häufig durch mehrere Hochschullehrer, Postdocs sowie Kooperationspartner aus der Wirtschaft und dem Ausland erbracht. Während etwa 30 Prozent der Promovierenden in strukturierten Programmen von mindestens drei Hochschullehrern betreut werden, liegt der entsprechende Anteil bei traditionell Promovierenden nur bei rund zehn Prozent. Besonders verbreitet ist die Betreuung durch mehrere Personen in den Lebenswissenschaften.

Dass die Zusammenarbeit zwischen Doktorand und Hochschullehrer zunehmend auch schriftlich geregelt wird, zeigen die folgenden Zahlen. Während bei etwa einem Fünftel (rund 20 Prozent) der Promovierenden, die 2006 ihre Promotion in einem strukturierten Programm begonnen haben, schriftliche Vereinbarungen vorliegen, ist dieser Anteil 2009 bei Promotionsstartern auf 29 Prozent gestiegen. Die schriftliche Fixierung von Vereinbarungen bleibt nicht nur Mitgliedern strukturierter Programme vorbehalten: Gut ein Viertel aller Befragten ohne Programmeinbindung haben 2009 ebenfalls schriftliche Vereinbarungen abgeschlossen. Es zeigt sich aber, dass strukturiert Promovierende sich deutlich regelmäßiger mit ihren Betreuern austauschen als traditionell Promovierende.

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eigene_meinung 09.05.2011
1. selbständig
Mit einer Dissertation soll man zeigen, dass man zu selbständiger wissenschaftlicher Arbeit in der Lage ist. Wer dazu eine Betreuung braucht, hat schon gezeigt, dass er zu selbständiger Arbeit nicht in der Lage ist.
rna-chemikus 09.05.2011
2. Wenn man keine Ahnung hat ...
Zitat von eigene_meinungMit einer Dissertation soll man zeigen, dass man zu selbständiger wissenschaftlicher Arbeit in der Lage ist. Wer dazu eine Betreuung braucht, hat schon gezeigt, dass er zu selbständiger Arbeit nicht in der Lage ist.
Ich nehme an, Sie haben null Ahnung, wie sich ein Promotionsverfahren gestaltet. Dies würde jedenfalls Ihren unsinnigen Kommentar weitestgehend entschuldigen. Je nach Fachrichtung dürfte eine Betreuung sicherlich unterschiedlich ausfallen - unnötig und überflüssig ist sie aber freilich nie. Bitte erst informieren - dann posten. Danke.
Dumme Fragen 09.05.2011
3. Doktorvater bzw. Doktormutter
sollten aus der Benotung der Arbeit komplett herausgehalten werden. Die Promovenden sollten alle 6 Monate vor einem Ausschuss (wo der Doktorvater nicht Mitglied sein darf) einen Vortrag halten und die Zwischenergebnisse präsentieren. Und der Ausschuss sollte eine Note für die Betreuung durch den Betreuer vergeben, von der die Hausmittelzuweisung abhängt. Ausserdem sollte in den naturwissenschaftlichen Fachrichtungen die kumulative Dissertation aus veröffentlichten Fachzeitschriften zur Regel werden. Diese beiden Maßnahmen zusammen dürften alle gravierenden Probleme lösen.
Dumme Fragen 09.05.2011
4. Korrektur
Zitat von Dumme Fragensollten aus der Benotung der Arbeit komplett herausgehalten werden. Die Promovenden sollten alle 6 Monate vor einem Ausschuss (wo der Doktorvater nicht Mitglied sein darf) einen Vortrag halten und die Zwischenergebnisse präsentieren. Und der Ausschuss sollte eine Note für die Betreuung durch den Betreuer vergeben, von der die Hausmittelzuweisung abhängt. Ausserdem sollte in den naturwissenschaftlichen Fachrichtungen die kumulative Dissertation aus veröffentlichten Fachzeitschriften zur Regel werden. Diese beiden Maßnahmen zusammen dürften alle gravierenden Probleme lösen.
sollte natürlich "veröffentlichte *Fachzeitschriftenartikel*" heissen!
pensatore libero 09.05.2011
5. Perspektivenwechsel - Unfähige Professoren
Zitat von sysopDie Guttenberg-Affäre hat gezeigt, wie viel bei der Betreuung einer Doktorarbeit schiefgehen kann. Regeln für Promotionen gaben sich die*Unis zwar bereits vor Jahren. Eine Studie, erschienen im Hochschulmagazin "duz", zeigt: Jeder zweite Doktoranden möchten intensiver betreut werden. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,757809,00.html
Zur Plagiatsaffäre Guttenberg – Zweierlei Maß oder Perspektivenwechsel Wenn zu Guttenberg in seiner Promotion plagiiert, erregt sich halb Deutschland, wenn Professoren iner bekannten süddeutschen Universität Promotionsgutachten schreiben, die jeder Wissenschaftlichkeit Hohn sprechen, interessiert das niemanden. Unregelmäßigkeiten bei Promotionsverfahren werden ganz offensichtlich dann nicht wahrgenommen, wenn für diese in der Öffentlichkeit geschätztes Universitätspersonal verantwortlich ist (mein akademisches Empfinden sträubt sich, hier von Professoren zu sprechen). Im Gutachten zu meiner am Deutschen Seminar der Universität eingereichten germanistischen Arbeit machte sich der Hauptgutachter (im Frühsommer 2006) über einen Satz im Einleitungsteil lustig. An diesem Satz wollte er nachweisen, dass es bei mir - auf Grund meiner, nach seiner Auffassung, 'rechten' Gesinnung – 'im Übereifer zu kuriosen Umstellungen der Wahrnehmung' gekommen sei. Das Problem dieser Stellungnahme lag darin, dass der Herr Hauptgutachter den von ihm inkriminierten Satz grammatikalisch nicht verstanden hatte. Im Rigorosum musste ich ihm also die Struktur des Satzes (Subjekt – Prädikat – Objekt) so lange erklären, bis er in der Lage war, diesen zu verstehen (womit auch seine Einwände gegen meine 'rechte' Gesinnung hinfällig waren). Die leicht durchschaubare Absicht des Erstgutachters war es, eine rein geisteswissenschaftliche Arbeit mit ideologisch-politischen Kriterien zu 'erledigen'. - Der Zweitgutachter forderte in seinem Gutachten eine vollständige Umarbeitung des umfangreichen Textes (500 Seiten) der eingereichten Dissertation, weil er einen Hinweis auf Seite 15 des Typoskripts zum Aufbau der Arbeit überlesen oder ebenfalls nicht verstanden hatte. Auch sein Gesamturteil beruhte auf ideologischen Vorentscheidungen. Hier sind nur zwei der ungerechtfertigten Einwände der beiden Gutachter erwähnt, weitere mussten im Laufe des Rigorosums zurückgenommen werden. Das Deutsche Seminar dieser bekannten süddeutschen Universität hat offensichtlich kein Problem damit, sich mit geistigen Koryphäen, die solche Gutachten verfassen, als ordentlichen Professoren zu schmücken. Jedenfalls blieb dieser Vorgang vor einer Kommission, in der drei weitere Professoren der Neuphilologischen Fakultät saßen, ohne irgendwelche Folgen - außer dass kurz darauf meine Homepage als Lehrbeauftragter am Deutschen Seminar der Universität gelöscht und mein Lehrauftrag nicht verlängert wurde ... Nach der Publikation meiner Arbeit, die die beiden Ordinarien mit ihren Gutachten ganz offensichtlich verhindern wollten, gab es mehrere zustimmende Besprechungen, auch aus dem Ausland. P.S.: Wie viele Doktoranden haben wohl ähnliche Erfahrungen gemacht? – Die Mauer des Schweigens, aufgerichtet durch die Promotionsordnungen und durch akademische Abhängigkeit, ist vermutlich schwer zu überwinden.
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