Bachelor-Abbrecher Studenten in Mint-Fächern scheitern am häufigsten

Den Masterabschluss schaffen die meisten, doch im Bachelor sieht es teils finster aus: Jeder Vierte verlässt hier vorzeitig die Hochschule, in Mathematik scheitert sogar jeder Zweite.
Mathematik als Problem? In den Mint-Fächern scheitern Studenten überdurchschnittlich oft

Mathematik als Problem? In den Mint-Fächern scheitern Studenten überdurchschnittlich oft

Foto: DPA

Mehr als jeder vierte Bachelorstudent (28 Prozent) bricht sein Studium ab. Das geht aus einer neuen Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hervor (Studie als PDF ).

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) verkauft die Zahlen trotzdem als "Erfolg für die Hochschulpolitik der Bundesregierung", ihr Ministerium hatte die Studie in Auftrag gegeben. "Ich sehe die Hochschulen selbst in der Pflicht, die Abbruchquoten auch in anderen Fächern zu verringern", teilte sie mit.

Das DZHW hat bereits zum siebten Mal Abbrecherzahlen vorgelegt, die aktuellen beziehen sich auf den Absolventenjahrgang 2012. Im Vergleich zur Vorgängerstudie hat sich die Abbrecherquote der Bachelorstudenten nicht verändert. Die Studie basiert nur auf statistischen Berechnungen: Die Forscher haben den Absolventenjahrgang mit relevanten Studienanfängerjahrgängen ins Verhältnis gesetzt. Fach- und Hochschulwechsler gehen nicht in die Quote ein. Die Ursachenforschung laufe, die aktuelle Veröffentlichung sei aber "rein deskriptiv".

In Mathe und Bauingenieurwesen scheitert jeder Zweite

Dabei gibt es Unterschiede zwischen Universität (mehr Abbrecher) und Fachhochschule sowie zwischen einzelnen Fächern: Am höchsten ist die Quote im Bereich Mathe und Naturwissenschaften. An den Universitäten schaffen es vier von zehn Studenten (39 Prozent) nicht bis zum Abschluss - zwischen den Abschlussjahrgängen 2010 und 2012 gab es hier keine Verbesserung. An den Fachhochschulen ist es rund jeder Dritte (34 Prozent). Dramatisch sind vor allem die Zahlen für Mathematik: Der Anteil der Abbrecher wird hier von DZHW nur für Universitäten angegeben, und an diesen schafft nach wie vor jeder Zweite seinen Abschluss nicht (Abbrecherquote: 47 Prozent).

Auf Rang zwei der Negativliste liegen erneut die Ingenieurwissenschaften: Dort scheitert an den Universitäten mehr als jeder Dritte (36 Prozent).

Fotostrecke

Prominente Studienabbrecher: Es gibt ein Leben nach der Uni

Foto: Wolfgang Kumm/ picture alliance / dpa

An den Universitäten hat sich der Umfang des Studienabbruchs in den Ingenieurwissenschaften allerdings deutlich verringert, 2010 warf noch jeder zweite Ingenieurstudent (48 Prozent) hin. Ausreißerfach sind die Bauingenieure: Hier beendet nach wie vor mehr als die Hälfte (51 Prozent) das Studium ohne Abschlusszeugnis.

An den Fachhochschulen wirft in Ingenieurwissenschaften fast jeder Dritte (31 Prozent) hin, vor zwei Jahren taten das etwas weniger Studenten (30 Prozent). Die wenigsten Abbrecher gibt es in der Fächergruppe Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Universität: 27 Prozent und Fachhochschule: 15 Prozent).

In den Masterstudiengängen brechen deutlich weniger Studenten ab, wobei Lehramtsstudenten nicht berücksichtigt wurden. An Universitäten scheitert rund jeder zehnte Masterstudent (11 Prozent), an den Fachhochschulen sind es 7 Prozent. Auch in einzelnen Fächern liegt die Quote deutlich unter der im Bachelorstudium, so beenden beispielsweise nur 5 Prozent der Masterstudenten ihr Studium ohne Abschluss, die Mathematik oder Naturwissenschaften an Universitäten studieren, und 12 Prozent derjenigen, die Ingenieurwissenschaften studieren.

Auch bei Studiengängen, die mit Staatsexamen enden, ist die Abbrecherquote im Vergleich zu Bachelorstudenten mit 13 Prozent gering. Spitzenreiter sind dort die Rechtswissenschaftler (22 Prozent), Medizinstudenten brechen am seltensten ab (8 Prozent).

Anfang des Jahres hatte Bildungsministerin Wanka angekündigt, sich um Studienabbrecher besonders zu kümmern: In Pilotprojekten sollen gescheiterte Akademiker Handwerksberufe lernen. "Wir wollen es Studienabbrechern ermöglichen, eine verkürzte Ausbildung in Unternehmen zu absolvieren", sagte sie damals. Dazu müssten die von ihnen erbrachten Studienleistungen besser anerkannt werden.

fln/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.