Studienanfänger Ansturm auf die Technikfächer

Neue Ingenieure braucht das Land - unbedingt und am besten schon gestern. Abiturienten folgen dem Lockruf der Wirtschaft: Maschinenbau und Bauingenieurswesen sind bei Erstsemestern beliebt, Elektrotechnik, Mathematik und Naturwissenschaften weniger.


Mehr Erstsemester: Ingenieurfächer beliebt, Mathe eher weniger
DDP

Mehr Erstsemester: Ingenieurfächer beliebt, Mathe eher weniger

Die ewige Klage der Wirtschaft über einen Mangel an Fachkräften im Ingenieursbereich scheint zu wirken: Deutsche Universitäten meldeten im vergangenen Jahr einen durchschnittlichen Zuwachs von neun Prozent bei Studienanfängern in den Ingenieurwissenschaften, 61.600 Studenten meldeten sich für diese Studienrichtung an. Insgesamt stieg die Zahl der Erstsemester an deutschen Universitäten und Fachhochschulen um sechs Prozent auf 313.500 Studenten im Wintersemester 2007/2008, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.

Besonders stark waren die Zuwächse in den Fächern Bauingenieurswesen (plus 16 Prozent), Maschinenbau und Raumplanung (jeweils plus elf Prozent). Die Anfängerzahlen in Jura, den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften stiegen um jeweils acht Prozent. Elektrotechnik legte hingegen nur unterdurchschnittlich um vier Prozent zu, Mathematik und Naturwissenschaften kamen auf jeweils drei Prozent höhere Erstsemesterzahlen.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) freute sich über die gestiegenen Zahlen, vor allem der Ingenieure: "Wir sind auf dem richtigen Weg. Gerade um den zukünftigen Wohlstand unserer Gesellschaft zu sichern, brauchen wir mehr qualifizierte Fachkräfte, insbesondere in den Ingenieur- und Naturwissenschaften", so Schavan. "Wir müssen alles daran setzen, dass sich noch mehr junge Menschen für ein Studium entscheiden."

Das müssen Schavan und ihre Länderkollegen tatsächlich. Seit Jahren wiederholen Bildungspolitiker das Ziel, 40 Prozent eines Altersjahrgangs an die Hochschulen holen zu wollen - so steht es auch wieder im Vorbereitungspapier zum Bildungsgipfel, zudem sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Bildungsministern der Länder am 22. Oktober treffen will.

Geburtenstarke Jahrgänge kommen an der Uni an

Davon ist Deutschland allerdings noch recht deutlich entfernt: Die OECD-Studie aus der vergangenen Woche belegte, dass lediglich 37 Prozent eines Jahrgangs in Deutschland ein Hochschulstudium aufnehmen. Zudem sinkt trotz des Zuwachses bei den Anfängern die Zahl der Studenten insgesamt sinkt: Zwei Prozent weniger als im Vorjahr und damit 1,94 Millionen junge Menschen waren im vergangenen Wintersemester an deutschen Hochschulen eingeschrieben.

Der aktuell hohe Wert bei den Studienanfängerzahlen hat einen recht simplen Grund: In diesem und in den nächsten zwei Jahren kommen die vorerst letzten geburtenstarken Jahrgänge an die Hochschulen. Seit dem Spitzenwert von 1990 mit rund 905.000 Geburten bröckelte dieser Wert auf gerade 685.000 Geburten im Jahr 2007 ab. Zudem sinkt die Studienneigung, den Abiturienten vergeht offenbar die Lust auf ein Studium. Jeder dritte Abiturient lässt die Eintrittskarte für die höchsten deutschen Bildungsstätten erstmal ungenutzt - oder die Hochschule lässt ihn nicht hinein.

Derzeit locken die deutschen Unternehmen trotz drohender Rezession weiter in die ingenieurwissenschaftlichen Fächer. Sie hätten nach wie vor und schon seit Jahren zu wenig Fachkräfte, klagen Industrievertreter. Wie die Lage allerdings in vier Jahren aussieht, wenn die meisten der Ingenieurstudenten ihren Abschluss machen, kann keiner vorhersagen. Hinzu kommt, dass die Abbrecherquote in den technischen Studienfächern mit am höchsten liegt: Statistisch gesehen wird jeder Dritte der 61.600 neuen Ingenieursstudenten sein Studium wohl nicht beenden.

cht/afp/dpa/ddp

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