Studienfächer Die Qual der Wahl

BWL, Jura oder doch besser antizyklisch studieren? Die Wahl des richtigen Studienfachs ist meist ein Zufallstreffer - die wenigsten Erstsemester haben vor Studienbeginn eine Universität von innen gesehen.


Erstsemester: Das böse Erwachen kommt oft
GMS

Erstsemester: Das böse Erwachen kommt oft

"Nie mehr Schule!" Das erhebende Gefühl der Erleichterung, das viele Abiturienten empfinden, wenn sie das letzte Mal über den Schulhof schlendern, ist selten von Dauer. Denn wer die akademischen Weihen anstrebt, muss sich bald den Kopf zerbrechen, welche Fächer es an der Uni denn sein sollen. Architektur oder Jura, Musik oder Spanisch? Oder vielleicht doch lieber BWL?

Angesichts des immer größeren Angebots an den Hochschulen werde die Wahl für ein Studienfach oft aus einem Gefühl der Überforderung heraus oberflächlich getroffen, beobachtet Edith Püschel, Diplom-Psychologin und Studienberaterin an der Freien Universität Berlin. Die Folgen einer solchen Entscheidung ließen sich jedoch oft erst nach Jahren abschätzen. Zu glauben, bei der Suche nach dem passenden Studienfach gäbe es eine optimale Lösung, sei eine Illusion. Zeit zum Nachdenken müsse man sich aber nehmen.

Klare Entscheidungskriterien sind - noch - selten. Gerade hat die Universität München einen Test ins Internet gestellt mit dem Jugendliche herausfinden können, ob sie für ein Informatikstudium geeignet sind. Die Hochschule entschloss sich zu dem Schritt, nachdem nur die Hälfte der 450 Erstsemester die Klausuren der Einführungsveranstaltungen bestanden hatten.

"Was kann ich damit machen?"

"Es gibt eine ganze Reihe Studenten, die merken im ersten Semester, dass sie sich besser und eher hätten informieren sollen", bestätigt Margrit Ladenthin, Mitarbeiterin der Studienberatung der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg. Am Anfang der Überlegungen sollte deshalb die Frage stehen "Was kann ich und was sind meine Interessen?" Erst wenn geklärt sei, ob es zum Beispiel eher in Richtung Naturwissenschaften oder Sprachen gehen soll, könne das Interessenfeld weiter eingegrenzt werden.

Zwar gingen Studienanfänger heute sehr viel systematischer an diese Fragen heran, doch tauchten immer noch viele Schulabgänger in der Beratungsstelle auf, die gar nicht wüssten, was sie studieren sollten. Vor allem bei angehenden Magisterstudenten stelle sich außerdem oft die Frage: "Was kann ich denn damit machen?"

Auf jeden Fall, so empfiehlt Horst Kämmerer, Sprecher der Universität Passau, solle man sich vorher beraten und von den Universitäten genaue Beschreibungen der Studiengänge schicken lassen. Immer mehr Universitäten bieten außerdem Führungen für Schüler an, die so zumindest schon einmal Uni-Luft schnuppern können.

Die Mühen können sich später durchaus lohnen, haben die Wissenschaftler des Hochschul-Informations-Systems (HIS) herausgefunden. Demnach waren Studenten, die sich schon in der Oberstufe über ihr späteres Studium im Klaren waren, stärker motiviert. Insgesamt stellt Ulrich Heublein, Mitarbeiter beim HIS, den Erstsemestern ein schlechtes Zeugnis aus: "Von den Studienanfängern ist nur eine Minderheit ausreichend informiert über Inhalte, Anforderungen und die Angebote der Hochschulen."

Verhältnismäßig gut angenommen, so die Forschungsergebnisse des HIS, wird das Internet als Informationsmedium. An Bedeutung gewonnen hätten auch die vielen Uni-Rankings. Das hält Ulrich Heublein allerdings für eine zweischneidige Entwicklung. Denn gerade Studienanfänger könnten die Ergebnisse oft nicht richtig interpretieren.

Das beste Mittel um im Studium keine unangenehmen Überraschungen zu erleben, sei immer noch der Besuch vor Ort. An der Hochschule sollten sich Interessierte dann nicht nur an die Studienberatung und die Dozenten wenden, sondern auf jeden Fall einen Abstecher zu den Fachschaften, den Studentenvertretern der einzelnen Fächer, machen. "Die können am besten erklären, was mich da erwartet."

Andreas Heimann, gms



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