US-Studienfinanzierung Gezahlt wird erst, wenn man ein gutes Gehalt hat

Studenten in den USA haben etwa 1,5 Billionen Dollar Schulden angehäuft. Ein Online-Learning-Start-up will seine Studenten deshalb erst später zur Kasse bitten - und könnte die Studienfinanzierung revolutionieren.

Der neue Anstoß kommt ausgerechnet aus dem Silicon Valley. Dort, wo das Risikokapital zu Hause ist, bekommt ein Start-up Unterstützung für einen amerikanischen Traum: Studenten sollen sich für ein Studium nicht mehr so hoch verschulden müssen.

Studieren in den USA ist so teuer, dass viele Amerikaner ihre Studienkredite selbst im Rentenalter noch abstottern müssen. Einzelne Bundesstaaten haben deshalb schon die Gebühren für die Community Colleges abgeschafft. Doch es nützt nichts: Im vergangenen Jahr erreichten die Schulden einem Bericht der "New York Times"  zufolge einen neuen Rekord - sie stiegen auf 1,5 Billionen Dollar.

Für jeden Einzelnen sind das dem Bericht zufolge im Durchschnitt etwa 22.000 Dollar Schulden, die durch die Studienkredite angehäuft werden. Damit ist zumindest für die Studenten der Lambda School Schluss.

So funktioniert das staatliche Hochschulsystem in den USA

Das Online-Learning-Start-up verlangt von den Studenten keine Gebühren, sondern schließt mit ihnen einen umgekehrten Generationenvertrag: Erst wenn sie einen gut bezahlten Job haben mit einem Jahreseinkommen von mindestens 50.000 Dollar, müssen sie zwei Jahre lang 17 Prozent ihres Einkommens an die Lambda School zurückzahlen. Wer sehr gut verdient, soll aber nicht übermäßig zahlen: Gedeckelt ist der Gesamtbetrag auf 30.000 Dollar.

In Deutschland ist das Modell bereits bekannt. Hierzulande ist es dank Bafög und einem mehr oder minder kostenlosem Studium an einer staatlichen Hochschule nicht üblich, sich für ein Studium hoch zu verschulden. Entsprechend suchen auch Privatunis nach Beitragsvarianten, die Studieren unabhängig von der Finanzkraft des Einzelnen ermöglichen.

Die private Universität Witten/Herdecke macht das zum Beispiel  so. Hier können Studenten die Gebühren auf Wunsch einkommensabhängig später zahlen.

Auch die private Code-University in Berlin, wie die US-Lambda School ein Kind der Start-up-Szene, lässt ihren Studenten die Wahl: Entweder, sie zahlen einen monatlichen Fixbetrag. Oder sie zahlen zehn Jahre lang 6,5 Prozent ihres Verdienstes, gedeckelt bei gut 53.000 Euro. Der Vertrag greift erst bei einem Jahreseinkommen von mindestens 30.000 Euro.

Nun könnte das Modell auch in den USA angewendet werden. Wie die "New York Times" berichtet, hat die Lambda School am Dienstag etwa 30 Millionen Dollar Spenden im Silicon Valley eingetrieben. Zu den Geldgebern gehören Geoff Lewis von Bedrock, Google Ventures, GGV Capital, Vy Capital und Y Combinator.

Ein Erfolg, der in den USA genau beobachtet wird. Pädagogen interessieren sich für das Modell genauso wie Akteure des gewaltigen Komplexes, der rund um die Schulden der Studenten besteht, bis hin zur Wall Street. Einzelne Unis wie die Purdue University im Bundesstaat Indiana entwickeln bereits ähnliche Modelle für sich.

Allerdings könnte das Konzept dem Bericht zufolge nicht für alle Studiengänge aufgehen. Denn das Finanzierungsmodell lohnt sich nur, wenn die Absolventen einmal gut bezahlten Jobs nachgehen. Wer dieses Risiko für einen Literaturstudenten oder eine angehende Philosophin eingehen wird, ist nicht abzusehen.

sun
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