Studiengebühren für Ausländer Die Eidgenossen bitten zur Kasse

Ausländer müssen an Schweizer Hochschulen künftig mehr berappen. Die Uni Zürich wird die Studiengebühren für Nicht-Schweizer anheben, in St. Gallen ist der Anstieg so gut wie beschlossen. Eine weitere verwegene Idee: Das Geld soll gleich von den Herkunftsländern kassiert werden.

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Ihre Hochschulen haben einen guten Ruf, die Studiengebühren sind vergleichsweise niedrig, für viele Studiengänge gibt es keine Zulassungsbeschränkungen. Kein Wunder, dass immer mehr junge Menschen aus aller Welt zum Studieren in die Schweiz gehen.

Im vergangenen Herbstsemester, das in der Schweiz im September startet, waren an den zehn kantonalen Universitäten und den beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) ein Fünftel der knapp 132.000 Studenten sogenannte Bildungsausländer, die mit einem ausländischen Schulabschluss an eine Schweizer Uni gehen. Seit 1990 hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt. An den Fachhochschulen liegt ihr Anteil nur bei elf Prozent. Besonders Deutsche zieht es in die deutschsprachigen Teile des Alpenlandes, sie stellen an Schweizer Unis mit Abstand die größte Ausländerfraktion.

Die Hochschulen wollen jetzt mehr Geld von ihren ausländischen Gästen sehen. Schließlich kosten die vielen Bildungsausländer eine Menge Geld. Schon 2008 lagen die jährlichen Ausgaben für internationale Studenten und Doktoranden bei insgesamt rund 460 Millionen Euro, berichtet die "NZZ am Sonntag".

Bislang haben nur einige der Universitäten einen kleinen Zusatzobulus von Bildungsausländern kassiert. An der Uni Freiburg zahlten sie zum Beispiel mit rund 667 Euro gut 125 Euro mehr. Einzige Ausnahme ist die Universität der Italienischsprachigen Schweiz in Lugano, bei der bereits jetzt ausländische Studenten über 3000 Euro pro Semester abdrücken müssen - doppelt so viel wie ihre Schweizer Kommilitonen. (Hier geht es zur vollständige Tabelle der Schweizer Studiengebühren an universitären Hochschulen)

"Zusatzgebühren sind diskriminierend und fremdenfeindlich"

Die Universität Zürich geht nun voran. Ab dem Herbstsemester 2012 zahlen Bildungsausländer dort statt 650 knapp 1000 Euro - das sind rund 420 Euro mehr als bei inländischen Studenten. Die ETH Zürich ist bislang nicht betroffen, für sie ist auch nicht der Kanton, sondern der Bund zuständig. Doch auch für Zürich und weitere ETHs wird derzeit über Erhöhungen diskutiert.

Auch der Kanton St. Gallen will die Ausländer stärker zur Kasse bitten. An der international beliebten Wirtschafts-Universität sollen ab kommendem Jahr rund 1770 Euro pro Semester für sie fällig werden - fast 800 Euro mehr als bisher. Künftig werden Studenten aus dem Ausland dann gut 750 Euro mehr zahlen als ihre Schweizer Kommilitonen. Der Gesetzentwurf muss allerdings noch das Kantonsparlament passieren.

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Zwar sind die Gebühren damit längst nicht so hoch wie in anderen Ländern wie zum Beispiel in Australien, wo Ausländer bis zu 10.000 Euro für ein Semester löhnen müssen. Trotzdem regt sich bei den Schweizer Studentenvertretern heftiger Widerstand gegen die Ungleichbehandlung ihrer ausländischen Kommilitonen. Romina Loliva vom Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS), der sich allgemein gegen Studiengebühren ausspricht, verweist auf das Recht auf Bildung für alle. "Wir finden die Zusatzgebühren diskriminierend und fremdenfeindlich."

Konservativer Pfister springt auf den Zug auf

Loliva vermutet, dass die erhöhten Gebühren als Abschreckung dienen sollen, um die Zahl der ausländischen Studierenden auf einfachem Weg zu reduzieren oder sogar gerade ärmere Ausländer vom Studium in der Schweiz abzuhalten. Ausländerquoten, wie es sie im Nachbarland Österreich gibt, wären wohl schwierig umzusetzen - auch weil sich Deutschland und die Schweiz verpflichtet haben, die Studienzugangsberechtigung des jeweils anderen Landes als gleichwertig anzuerkennen.

Der VSS schlägt nun einen ganz anderen Weg vor, mit den Kosten für die ausländischen Studenten umzugehen: Die Herkunftsländer der Studenten sollen für das Studium ihrer Landeskinder in der Schweiz aufkommen. Im Gegenzug würde auch die Schweiz für ihre Studenten im Ausland zahlen.

Innerhalb der Schweiz gibt es ein solches System der Ausgleichszahlungen bereits seit den achtziger Jahren. Studiert etwa ein Schweizer aus dem Kanton Uri in St. Gallen, zahlt sein Kanton je nach Fach zwischen 10.000 und 50.000 Franken an den Kanton St. Gallen. Die Studenten schlagen das gleiche nun auf europäischer Ebene vor. Das System wäre fair für alle Beteiligten, sagt Loliva.

Für ihre Idee haben die Studentenvertreter einen unerwarteten Fürsprecher in der Politik gefunden: Gerhard Pfister, konservativer Abgeordneter im Nationalrat für die christsozialen CVP und anders als der VSS ein Freund höherer Studiengebühren.

"Deal" vor allem für die Schweiz lukrativ

Unter Pfisters Führung hat sich die CVP im vergangenen Jahr auch für höhere Studiengebühren für Ausländer eingesetzt, wogegen der VSS sturm lief. Bei einer Diskussion mit dem Bildungspolitiker brachten Loliva und ihre Kollegen ihren Vorschlag auf den Tisch. "Wir haben die Idee innerhalb der Partei diskutiert und fanden sie gut", sagt Pfister. Mit solchen Ausgleichszahlungen ließen sich die Studentenströme besser steuern als mit Studiengebühren. Jetzt will seine Partei eine entsprechende Initiative in den Nationalrat einbringen.

"Herr Pfister ist auf unseren Zug aufgesprungen, das ist sein gutes Recht als Politiker", sagt Loliva über die ungewohnte Partnerschaft.

Matthias Stauffacher, Generalsekretär der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten, gefällt die Idee der internationalen Ausgleichszahlungen. Aber er zweifelt an ihrer Umsetzbarkeit. Schon in der Schweiz seien die Verhandlungen über die Ausgleichszahlungen damals sehr schwierig gewesen, auf internationaler Ebene seien die politischen Hürden noch viel höher.

Auch Pfister von der CVP ist sich nicht sicher, ob andere Länder auf den "Deal" eingehen würden. Denn für die Schweiz wäre ein solches System lukrativ. Schließlich stünden den 30.000 ausländischen Studierenden in der Schweiz nur 6500 Schweizer, die im Ausland studieren, gegenüber.

Selbst Loliva ist klar, dass ihre radikale Forderung utopisch klingt und eine Umsetzung derzeit kaum denkbar ist. "Wir wollen mit unserem Vorstoß aber auch allgemein ein Umdenken bewirken und der Idee der Studiengebühren etwas grundsätzlich anderes entgegensetzen." Die Universität werde von Bildungspolitikern zunehmend als Dienstleistungsbetrieb betrachtet, die Kosten werden auf die einzelnen Studenten abgewälzt. Gegen diesen Mainstream will der VSS ein Zeichen setzen. "Studieren ist für uns ein Recht und keine Dienstleistung".

insgesamt 146 Beiträge
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Seite 1
Björn Borg 08.07.2011
1. Diskrrriminierend, aberrr ächt!
Zitat von sysopAusländer müssen an*Schweizer*Hochschulen*künftig mehr berappen. Die Uni Zürich wird die Studiengebühren für Nicht-Schweizer anheben, in St. Gallen ist der Anstieg so gut wie beschlossen. Eine weitere verwegene Idee: Das Geld soll gleich von den Herkunftsländern kassiert werden. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,772951,00.html
Schönes Pfoto von Herrn Pfister: Trug der nicht mal so ein kleines Bärtchen? Ach ne, das war ja auch nur aus den beiden Nachbarländern ... Es ist ein interessanter Feldversuch, zu beobachten, wohin politische Isolation ein Land so führt...
Faramir, 08.07.2011
2. Da der schweizer Arbeitsmarkt
einen nicht unerheblichen Teil der deutschen Akademiker abschöpft - anscheinend ist die Schweiz nicht in der Lage den Bearf aus eigenen Quellen zu decken - sollte man die Schweiz ersuchen einen Teil der Kosten für deren akademische Ausbildung an Deutschland zurückzuzahlen. Sagen wir pro Jahr Berufstätigkeit in der Schweiz 1/30 der Studienkosten. Unsere Nachbarn mit der kehligen Aussprache mausern sich immer mehr zu Trittbrettfahrern und Rosinenpickern am Rande der EU.
Königstiger87 08.07.2011
3. kt
Der zweite Vorschlag mit dem Länderausgleich finde ich sehr gut. Das sollten wir in Deutschland auch einführen. Wir bilden hier Hinz und Kunz aus allen Ländern der Welt mit unseren Steuergeldern aus, aber wenn diese nach dem Studiem Deutschland wieder verlassen bringt uns das gar nichts. Geld für Bildung ist in diesem Land sowieso ein kanppes Gut, darum sollten wir es nicht an Studiernomaden verschenken.
atomkraftwerk, 08.07.2011
4. .
Paßt doch. Ausländerfeindlich und diskriminierend, typisch schweizerisch eben.
atrulan 08.07.2011
5. .
Zitat von Königstiger87Der zweite Vorschlag mit dem Länderausgleich finde ich sehr gut. Das sollten wir in Deutschland auch einführen. Wir bilden hier Hinz und Kunz aus allen Ländern der Welt mit unseren Steuergeldern aus, aber wenn diese nach dem Studiem Deutschland wieder verlassen bringt uns das gar nichts. Geld für Bildung ist in diesem Land sowieso ein kanppes Gut, darum sollten wir es nicht an Studiernomaden verschenken.
Nur so zur Info: "Hinz und Kunz" würden nach dem Studium oftmals gern in D bleiben, dürfen es aber nicht! Ansonsten: wer derartig viel Kleingeld fürs Studium übrig hat, kann da ja gerne hingehen. Ich hab mich jedenfalls in der Schweiz als Deutscher wie in keinem anderen Land zuvor so unwillkommen gefühlt.
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