Studentengeld für Beton "1000 Euro pro Student im Semester"

Mit Studentengeld gegen Schimmel und Bröckelfassaden? Viele Hochschulen sind marode. Darum fordert der Präsident der Hochschule Osnabrück 1000 Euro pro Student und Semester für die Sanierung.

Campus der Uni Hamburg: "Eine Ruine", sagt ihr Präsident
DPA

Campus der Uni Hamburg: "Eine Ruine", sagt ihr Präsident


Wenn es nur zieht, durch die Decke tropft oder müffelt, geht es ja noch. Richtig mies wird es, wenn Fassadenteile drohen runterzukrachen oder faustgroße Betonbrocken durchs Treppenhaus poltern - so geschehen an der Uni Düsseldorf. Auch der Hamburger Uni-Präsident Dieter Lenzen nennt seine Hochschule eine "Ruine".

Viele Uni-Bauten in Deutschland sind in einem erbärmlichen Zustand, seit Jahren steht deren Sanierung aus. Laut Andreas Bertram, Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Präsident der Hochschule Osnabrück, fehlen hierfür allein in Niedersachsen mehrere hundert Millionen Euro, bundesweit seien es mehrere Milliarden Euro. Betrams Idee, wie das ewige Problem gelöst werden könnte: "Pro Student pro Semester 1000 Euro", regte der FH-Präsident in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" an.

Diesen Solidarbeitrag sollten Studenten und das Land tragen, auch der Bund solle etwas dazugeben. "Es sollte auch überlegt werden, die Wirtschaft ins Boot zu holen", so Bertram. Studenten hätten dann pro Semester etwa 250 Euro selbst zu schultern. Die Hochschulen sollten dann darüber entscheiden, wie sie das Geld ausgeben, entweder für die Lehre oder für die Bausubstanz.

Keine HRK-Unterstützung für Bertrams Vorstoß

Kürzlich hatte HRK-Präsident Horst Hippler einen Beitrag von Studenten zur Hochschulfinanzierung gefordert und eine Rückkehr der Studiengebühren verlangt. Der von Hipplers Vize Bertram angeregte Soli von 1000 Euro ist der HRK aber offenbar nicht geheuer. War in der ersten Meldung der Nachrichtenagentur dpa noch von einer HRK-Initiative die Rede, schickte die Agentur am Donnerstagnachmittag eine Berichtigung: Betrams Vorstoß sei keine "abgestimmte Position der Hochschulrektoren", sondern eine "Einzelmeinung".

In Deutschland führten sieben Bundesländer - Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Saarland - zumeist im Jahr 2007 Studiengebühren ein. Sie betrugen meist 500 pro Semester.

Mittlerweile wurden die umstrittenen Beiträge nach teils großen Studentenprotesten überall wieder abgeschafft. Das Erststudium ist in Deutschland seither wieder gebührenfrei, Studenten bezahlen allerdings je nach Hochschulstandort als sogenannte kleine Studiengebühr eine Verwaltungsgebühr an ihre Hochschule. Hinzu kommen Semesterbeiträge für Studierendenwerk, Semesterticket und die Studentenvertretung, die sich mitunter auf mehr als 200 Euro pro Semester belaufen können.

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lgr/dpa

insgesamt 13 Beiträge
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ofelas 23.10.2014
1. Rekordsteuereinahmen
broeklende Strassen, Bruecken, Schulen, Universitaeten, oeffentliche Gebauede und Sportstaette und als Loesung Soli fuer Infrastruktur, Integration, Bildung was passiert eigentlich mit unseren Steuern, das Geld ist nicht weg nur woanders
googlehupf2k 23.10.2014
2. Da ja längst nachgewiesen
ist, dass die Studiengebühren überall verprasst wurden, nur nicht dafür, wofür sie eigentlich eingenommen wurden, braucht man auch diese utopische Summe nicht.
marthaimschnee 23.10.2014
3.
Wie wäre es, wenn die Wirtschaft den Akademikern anständige Löhne zahlt und der Staat diese Ausgaben aus den dann anständigen Steuern bestreitet? Aber stattdessen werden den Top-Verdienern und Unternehmen die Steuern gesenkt und das Land schrittweise ruiniert... und dann bei denen betteln gehen, die eh schon kaum was haben!
spon-facebook-10000682630 23.10.2014
4.
Ich hab da mal vor Jahren was ziemlich verrücktes gelesen... der Staat kassiert von seinen Bürgern Steuergelder, welche für solche Zwecke verwendet werden... naja... war wohl eine Zeitungsente...
thobar 23.10.2014
5. @martha
Ihnen sind nicht zufällig die Nachrichten der letzten Jahre entfallen? Rekordsteuereinnahmen etc...? Davon abgesehen sollten Sie vielleicht mal recherchieren welche Einkommensgruppe wieviel zum Steueraufkommen beiträgt. sie werden staunen.
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