Studiengebühren in Baden-Württemberg Herr Professor hält die Hand auf

Sind Kühe mehr wert als Beamer? An der Uni Hohenheim streiten jetzt auch Professoren um das Geld aus den Studiengebühren. Anders als die Studenten wollen sie die Gebühr nicht stoppen. Sie drohen aber mit einer Klage, um ein größeres Stück vom Gebührenkuchen zu bekommen.

Von Frank van Bebber


Er klagen die Studenten, jetzt ziehen auch die Professoren nach. In Baden-Württemberg erwägen Professoren erstmals eine Klage gegen die Studiengebühren von 500 Euro, die alle Studenten ab diesem Semester zahlen müssen. Die Wirtschaftswissenschaftler der Uni Hohenheim prüften bereits rechtliche Schritte gegen die Verteilung des Geldes, bestätigte Dekan Christoph Müller.

Was ist eine Kuh wert? Professoren der Uni Hohenheim streiten über die Studiengebühren
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Was ist eine Kuh wert? Professoren der Uni Hohenheim streiten über die Studiengebühren

Auslöser des Streits ist die Frage, nach welchen Kriterien die einzelnen Fächer Gelder aus den Studiengebühren bekommen. Rektor Hans-Peter Liebig will einen Teil des Geldes nicht nach der Zahl der Studenten, sondern nach den Kosten des Studiums auf die Fächer verteilen. Das benachteiligt die Wirtschaftsfächer gegenüber den Agrar- und Naturwissenschaftlern. Die Ökonomen sehen damit für ihre Hochschüler das Prinzip verletzt, dass ein Student, der 1000 Euro im Jahr bezahlt, auch eine Gegenleistung von 1000 Euro bekommen sollte.

Dagegen hätten die anderen Fakultäten "ein Geschäft gemacht", sagte Müller. Rektor Liebig, selbst Agrarwissenschaftler, verteidigt das Modell. Er verweist auf die teureren Rahmenbedingungen seines Faches. Schließlich müssen die Studenten am lebenden Objekt lernen - an der Kuh. "Dafür muss man erst mal eine Kuh und einen Stall haben", ließ er sich zitieren. Die Ökonomen empfinden diese Regelung als ungerecht . Dekan Christoph Müller räumt zwar ein, dass "die Kuh etwas teurer ist als bei uns der Beamer". Trotzdem sollten die Studiengebühren doch bitte gerecht verteilt werden.

Beide Fakultäten hätten das Geld verdient

Laut Uni-Sprecher Klebs wird aber nur ein einstelliger Prozentbetrag der Gebühren nach den umstrittenen Fachkosten vergeben. Die Hochschule wolle mit Studiengebühren auch gar keine zusätzlichen Lehrkühe kaufen. Obwohl eine solche Investition den Ruf der Hochschule weiter steigern könnte. Schließlich sei man schon stolz darauf, mit 60 Kühen den größten Bauernhof Stuttgarts zu betreiben.

Die Wirtschaftsforscher sehen sind trotzdem anderer Meinung: "Da wird Geld umverteilt." Mitte Juni will der Universitätsrat endgültig über das Vergabemodell entscheiden, das die Ökonomen mit Blick auf eine Klage bereits rechtlich prüfen lassen.

Sowohl die Ökonomen als auch die Agrarwissenschaftler hätten die Studiengebühren durchaus verdient. Beide der rivalisierenden Fakultäten hatten erst kürzlich mit populären Ideen in Forschung und Lehre auf sich aufmerksam gemacht: Tierernährungs-Professor Winfried Drochner hatte eine faustgroße Pille gegen Kuh-Blähungen präsentiert. Darin ein Stoff, der die Methan-Produktion durch Kühe hemmt - und damit dem Klimaschutz dient.

Bei den Wirtschaftsforschern hatte Marketing-Professor Markus Voeth ein bundesweit beachtetes Service-Versprechen abgegeben, über das sich Studenten freuen können. Weil für die Studenten jetzt die Campusmaut fällig wird, hat der Professor in zehn Punkten Besserung gelobt. Darunter etwa die Korrektur von Diplomarbeiten in vier Wochen, persönliche Feedback-Gespräche nach Klausuren und die Bereitstellung von Seminarunterlagen schon eine Woche vor der Vorlesung. Angesichts der Studiengebühren, sagt Voeth, "müssen wir unseren Studierenden schon mehr bieten als das, was uns die Prüfungsordnung zwingend vorschreibt."

Ärger gibt es auch in Heilbronn

Die Uni Hohenheim ist nicht die einzige Hochschule in Baden-Württemberg, an der es Ärger gibt. Auf das Ergebnis einer rechtlichen Prüfung wartet derzeit auch die Hochschule Heilbronn. Auch bei ihr geht es um eine juristische Wendung im Gebühren-Dschungel. Knackpunkt hier: Die Fachhochschule will als einzige Hochschule in Baden-Württemberg mehrheitlich Studenten über die Verwendung des Geldes entscheiden lassen. Sie haben im Vergabeausschuss acht von 14 Sitzen inne - ein unübliches Zahlenverhältnis.

Allerdings zeigte sich die Hochschul-Leitung unsicher, ob Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) so viel Studentenmacht dulden würde - und legte ihm den Vorschlag zur Prüfung vor. Dort nun wird seit Wochen abgewogen. "Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagt ein Ministeriumssprecher.

Beobachter gehen aber davon aus, dass Frankenberg dem Heilbronner Modell letztlich zustimmt. Neben der Wirkung auf die Öffentlichkeit haben seine Beamten nämlich herausgefunden, dass die Heilbronner am Ende ihren Studenten doch nicht so ganz trauen - und deren Beschlüsse zumindest formal noch in einem Führungsgremium abnicken lassen wollen.

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