Studiengebühren-PR Start unter falscher Flagge

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2. Teil: Gefoppt von Wirtschaftslobbyisten


Thorsten Schröder, der Absender der Mail an die Studentenausschüsse, spricht indes von einer weitgehenden Unabhängigkeit der drei Redakteure von der INSM. Die Initiative fungiere als "Finanzier": "Sie redet in die redaktionellen Dinge nicht rein, wenn auch klar ist, dass sie für die Inhalte letztlich verantwortlich ist." Insofern stimme das Credo "von Studenten für Studenten". Immerhin seien er und seine beiden Mitstreiterinnen an der Uni Köln immatrikuliert.

Auch für die Frage, warum unter seiner Mail eine private Telefon- und Handynummer und nicht die Dienstnummer des Büros, in dem er und die anderen beiden studentischen Hilfskräfte arbeiten, angegeben war, hat er eine plausible Erklärung: "Ich habe viel von zu Hause aus recherchiert, deshalb habe ich die private Nummer angegeben."

Die Ergebnisse, die auf der Seite veröffentlicht werden, seien nicht repräsentativ, sagt Voigt. Vielmehr handle es sich um die subjektive Sicht der Studenten, was mit ihren Gebühren gemacht werde. Die Ergebnisse werden Mittwochmorgen bei einer Pressekonferenz vorgestellt. "Wenn Asta-Leute Auskunft gegeben haben, ohne zu wissen, wer hinter 'Unicheck' steckt, dann werden die entsprechenden Artikel nicht online gehen", sagt der Koordinator. Immerhin geht die Seite frühestens heute Abend oder gar erst morgen früh online. Genug Zeit, um Artikel zu entfernen oder zu redigieren.

Eine Menge Geld für hochprofessionelle PR

Die finanzielle Macht der INSM ist nicht zu unterschätzen: Die Arbeitgeber ermöglichen den INSM-Lobbyisten einen Jahresetat von rund 8,8 Millionen Euro – viel Geld, um mit hochprofessioneller PR für marktwirtschaftliche Reformen zu trommeln. Oder auch, um eher verdeckt bestimmte wirtschaftspolitische Positionen in der Öffentlichkeit zu platzieren.

"Die Macht über die Köpfe" betitelte das ARD-Magazin Monitor im Oktober 2005 einen Bericht über die INSM, der es gelungen sei, "ihre Themen immer mehr auf die öffentliche und politische Agenda zu setzen, in Schulen, im Internet und vor allem in den Medien. Dabei verschwinden immer öfter die Grenzen zwischen Journalismus und Werbung. Über eine TV-Agentur werden Beiträge in Informationssendungen platziert, und die Zuschauer sind ahnungslos."

Auf ahnungslose Unterstützer hoffen offenbar auch die Unicheck-Macher bei ihrem als studentisches Projekt getarnten Aufruf zur Mitarbeit: "Abstimmen. Mitbestimmen" heißt es im Logo der Homepage. Das Bonner "Medienbüro.sohn", das unter anderem die Medienarbeit für die INSM macht, kündigte allerdings schon mal an, was ab Mittwoch auf "unicheck.de" wirklich los sein wird: Die INSM wird dann zusammen mit zwei Medienpartnern – "Financial Times Deutschland" und "Unicum" – die vermeintlich "erste Umfrage zu Studiengebühren nach deren Einführung in fünf Bundesländern" veröffentlichen. Diese Umfrage stammt laut Ankündigung auf der INSM-Homepage vom Emnid-Institut, garniert wird sie "mit 25 Live-Berichten zur Lage an Hochschulen, die bereits mit Gebühren arbeiten".

Wer Anfang April ahnungslos auf die Mail von Thorsten Schröder geantwortet hat, könnte sich dann plötzlich als Statist einer gut geplanten Pro-Gebühren-Kampagne wiederfinden.



insgesamt 1557 Beiträge
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Seite 1
Don LoC, 12.04.2005
1. Studiengebühren müssen an den Unis bleiben!
Das immer wieder vorgetragene Hauptargument gegen Studiengebühren ist die dadurch angeblich massive auftretende soziale Auswahl. In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass die soziale Auswahl bereits viel früher statt findet, nämlich im Vorschulalter und den folgenden ersten Schuljahren. Verglichen mit anderen Industrienationen (die Studiengebühren haben!) hat DL nämlich eine relativ geringe Anzahl von Studenten aus "sozial schwachen" Schichten, trotz gebührenfreiem Studium. Die Studienbedingungen, das kann ich aus eigener Erfahrung nur unterstreichen, sind derzeit relativ miserabel, zumindest in den Massenstudiengängen wie Jura, BWL usw. 130 Student in einem Seminarraum mit max. 40 Plätzen, das war leider mehr die Regel als die Ausnahmen. Hier können Studiengebühren helfen, allerdings müssen diese an eine Reihe von strikten Bedingungen geknüpft sein: 1. Studiengebühren müssen komplett an der jeweiligen Hochschule verbleiben, kein Stopfen von öffentlichen Haushaltslöchern! 2. Wettbewerb unter den Hochschulen: Die HS müssen die Höhe ihrer Studiengebühren selbstständig bestimmen können. 3. Es MUSS ausreichend Finanzierungs- und Förderungsmodelle geben, so dass jeder, der studieren will, dies auch kann. Gruß, LoC
DJ Doena 12.04.2005
2.
@Don Loc Ihr 1.) wird dann von den Länderfinazministern (LFM) dann so unterlaufen werden, als dass sie nicht die Studiengebühren antasten, aber im gleichen Maße einfach die Bezuschussung zurückfahren. Und damit stopfen sie inoffiziell doch wieder ihre Haushaltslöcher, nur wird es den LFMs schwer nachzuweisen sein.
Don LoC, 12.04.2005
3. Ok...
Ein guter Punkt. Selbstverständlich darf auf keiner Ebene weiter an der Bildung herumgekürzt werden. Aber es liegt schon nahe, dass der ein oder andere es versuchen wird. Also müssen wir aufpassen wie die Luchse ;) Gruß, LoC
DanielaMund, 12.04.2005
4.
Würde den irgendwer für die derzeitigen Studienbedingungen zahlen? Schon heute ist in bestimmten Fächern der Besuch von privaten Repetitorien Usus, da die deutschen Universitäten nicht gut genug ausbilden. Da a) ich nicht dran glaube, dass die erzielten Gelder den Universitäten zugute kommen b) selbst wenn, amerikanische First-Class-Universitäten einen ca 10 mal höheren Etat haben, wird es sich eher lohnen, in den USA, der Schweiz, GB,... zu studieren, als hier zu zahlen. Und wenn man kein Geld hat, wer soll einem dann Kredit geben, selbst wenn man wirklich clever ist? Ich hätte mir kein Studium leisten können, und Stipendien sind Mangelware (im Gegensatz zu den USA).Damit auch sozial schwächere studieren können, bleiben also nur nachgelagerte Studiengebühren, und die Steuerprogression sollte doch eigentlich die Kosten für ein Studium decken. Und jetzt geh ich erst mal in ein anderes Forum, um mit der Software zu spielen, damit ich das ganze besser ordnen kann....
Reimer, 12.04.2005
5.
Studiengebühren sind meiner Meinung nach (als Student) ein Gewinn für die Studenten. Wenn ich einen Studiengebühr zahle, so darf ich auch eine Leistung verlangen. Leider entspricht meine Vorstellung vom Preis/Leistungsverhältnis nicht der Realität :)
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