Studiengebühren-Rüffel Hochschulen dürfen Studenten-Euros nicht länger bunkern

Auf der hohen Kante haben Studiengebühren nichts zu suchen. NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart hat vier Hochschulen gerügt, weil sie Geld von Studenten ansparen, statt es in die Lehre zu stecken. Die klare Ansage: Die Millionen müssen raus - sonst verteilt sie das Ministerium.


"Spare in der Zeit, dann hast du in der Not": Dieses Sprichwort wollten einige Hochschulen im mit Abstand studentenstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen beherzigen und mit Millionen Euros von Studenten Rücklagen bilden. Doch jetzt sorgt die Verwendung - oder besser: Nichtverwendung - der Studiengebühren durch vier Fachhochschulen für weiteren Ärger.

Hochschule Niederrhein: Raus mit dem Geld - subito
Hochschule Niederrhein

Hochschule Niederrhein: Raus mit dem Geld - subito

Am Freitag hat NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) vier Fachhochschulen aufgefordert, ihre Finanzplanung grundlegend nachzubessern. Und zwar zügig. Pinkwart besteht darauf, dass die Studiengebühren möglichst schnell - neudeutsch: "zeitnah" - zur Verbesserung von Studium und Lehre ausgegeben werden.

"Ein Ansparen dieser Gelder ist für uns nicht akzeptabel", sagte der Minister. Er setzte den Fachhochschulen Aachen, Niederrhein, Köln und Südwestfalen eine neue Frist bis Mitte Juni.

Zuvor hatte Pinkwart erste Zeichen gesetzt. Er erinnerte daran, dass vier Universitäten und neun Fachhochschulen bis Ende 2008 weniger als zwei Drittel ihrer Einnahmen aus Studiengebühren ausgegeben hatten. Einen gewissen Überhang nannte Pinkwart zwar "normal, wir wollen schließlich kein neues Dezemberfieber". Aber diesen Überhang müssten die "Nachzügler" flink und deutlich reduzieren.

"Studiengebühren gehören nicht in den Sparstrumpf"

Darauf reagierten die ermahnten Fachhochschulen Bielefeld, Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen und Ostwestfalen-Lippe: Sie wurden ihr überschüssiges Geld offenbar rechtzeitig los oder verplanten es zumindest für konkrete Projekte. Das sollten die Fachhochschulen bis Mitte vergangenen Monats nachweisen, heißt es im aktuellen Schreiben des Ministeriums. Von den vier Universitäten ist darin keine Rede mehr. Bei den vier Fachhochschulen, die bisher nicht ausreichend nachbesserten, wurde das Ministerium jetzt noch deutlicher.

Vor einem Monat hatte Pinkwart klar gesagt, Studiengebühren gehörten "nicht in den Sparstrumpf". Man werde einen Vermögensaufbau mit dem Geld der Studenten nicht akzeptieren. Wer Gebühren bezahle, müsse auch von den Verbesserungen profitieren, so Pinkwart.

Im Jahr 2008 hatten die Universitäten und Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen nach Angaben des Ministeriums insgesamt 266 Millionen Euro aus Studiengebühren eingenommen, 34 Millionen davon allerdings bis Mai 2009 weder ausgegeben noch verplant.

Turbulenzen am Niederrhein

Besonders zornig wurden Studenten der Hochschule Niederrhein. Auf sechs Millionen Euro aus Studiengebühren kamen Studentenvertreter, als sie nachrechneten. Und Rektor Hermann Ostendorf räumte auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE ein, das Geld bewusst und planvoll zurückzuhalten, um damit in den kommenden Jahren 15 Professoren- und 15 weitere Mitarbeiterstellen bezahlen zu wollen. Man wolle damit "die Basis absichern", Studiengebühren seien eben "nicht nur für einen gewissen Luxus da".

Als die von ihnen beantragte Senkung der Campusmaut im Senat abgeschmettert wurde, fühlten sich die Studentenvertreter vollends veräppelt. Und jetzt erhalten sie aus dem Ministerium unmissverständliche Rückendeckung. Wie die Hochschule Niederrhein werden auch die drei anderen Fachhochschulen nicht weiter auf dem Geld sitzen können, sondern sich bewegen müssen.

Die Ansage ist deutlich: Geben die Hochschulen das Geld nicht aus, "dann sorgen wir an deren Stelle für eine zeitnahe Verwendung", sagte ein Ministeriumssprecher.

cht, dpa

insgesamt 1214 Beiträge
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Seite 1
Anke, 11.06.2008
1.
keine Studiengebühren. Die Studenten zahlen ohnehin schon Verwaltungsgebühren und ihr Semesterticket. Bei letzterem unterscheiden sich die Beträge abhängig vom Verhandlungsgeschick der Uni mit den ansässigen Nahverkehrsunternehmen ganz erheblich in Höhe und Reichweite. Ein Studium ernsthaft betrieben erfordert eine 60-Stunden-Woche. Meines Erachtens sollten Studenten deshalb während ihres Studiums finanziell unterstützt werden - und zwar alle - um die Notwendigkeit des Nebenjobs zu minimieren und die Möglichkeit, das Studium innerhalb der gesetzten Regelstudienzeit abzuschließen zu maximieren. Nach Beendigung des Studiums sollten die frischgebackenen Absolventen ihrerseits die während ihres Studiums entstandenen Kosten zurückzahlen - innerhalb eines festzulegenden Zeitraumes selbstverständlich und in einem angemessenen Rahmen.
eiffe, 11.06.2008
2.
Lösung: Studiengebühren abschaffen. So wäre eine weitere Hürde, ein Studium zu beginnen, beseitigt. Gegenüber anderen Industrienationen könnte man die Studentenzahl noch ordentlich steigern. Die Universitäten sollten mit den Steuergeldern der Allgemeinheit finanziert werden, schließlich sind es auch die Studenten, die später einen nicht unerheblichen Teil an Steuern zahlen. Auch ansonsten sind viele Studierende eine Bereicherung für die Gesellschaft, Bildung schützt vor vielerlei Ungemach. Ob steuerfinanzierte Universitäten auch "Eliteuniversitäten" im weltweiten Vergleich werden können, hängt allein von der Menge der Gelder und der Organisation ab.
jojo1987 11.06.2008
3. ...
Wie in einigen Bundesländern praktiziert, ist es doch sehr sinnvoll, Dauerstudenten (also ab Regelstudienzeit + x Semester) zahlen zu lassen. Das Erststudium muss kostenlos bleiben, denn in Deutschland werden händeringend hochqualifizierte Kräfte gesucht, und die bekommt man gewiss nicht, indem man weitere Hürden aufstellt. (Abgesehen davon, dass hochqualifizierte Kräfte später meist mehr verdienen und somit mehr Steuern zahlen + die Wirtschaft ankurbeln) Was mich aber wirklich ärgert, sind die Einzellösungen je Bundesland. Es sollte eine einheitliche Regelung beschlossen werden, denn nichts ärgert mich mehr, wenn ich hier (in Hessen) Studiengebühren zahlen muss, während Berliner Studenten umsonst studieren - wenn man daran denkt, wieviel Geld Berlin vom Bund und über Solidarausgleich etc. bekommt, eine wirkliche Frechheit
karaokefreak01 11.06.2008
4. Gebühren: Ja! - So hoch: Nein
Ich sehe durchaus einen Sinn in Studiengebühren, sofern sie auch da ankommen, wo sie gebraucht werden. Allerdings verstehe ich die Höhe von 500 Euro nicht. Ich selbst erwäge gerade zu studieren, doch was mich davon abhält, sind die Kosten. Denn neben der Kampusmaut muss ich schließlich noch Bücher kaufen (und selbst das kopieren meines Materials kostet ein Schweinegeld) und irgendwie sollte ich vllt. noch in der Lage sein, meine Miete zu bezahlen. Und jetzt soll mir bitte keiner mit einem Studentenkredit ankommen. Aufgrund meiner finanziellen Lage bin ich nicht kreditwürdig, bekomme also von niemandem eine Anleihe. Um zu studieren und nebenbei nicht am Hungertuch nagen zu müssen, benötige ich also einen Vollzeit-Job, denn mit 400 Euro monatlich wird das ja schonmal mal nix. Demnach kann ich also schonmal 10 - 12 Semester einplanen, oder wie?!? Somit ist es ziemlich wahrscheinlich, dass ich nicht studieren KANN, obwohl mir der Staat Bildung zusagt und ich die nötige Qualifikation habe. Herzlichen Dank!
barry60 11.06.2008
5. Stipendien!
Zitat von sysopStudiengebühren bleiben in der Diskussion. Welches ist Ihrer Meinung nach die beste Lösung zur Finanzierung des Hochschulstudiums?
Die beste Lösung sind in meinen Augen viel mehr Stipendien. Und nicht nur für Abiturienten mit 1,0 - 1,3. Hier muss m. E. seitens der Wirtschaft umgedacht werden. Nicht jeder Abiturient mit 3,3 ist schlechter als mit 1,0. Es muss hier viel differenzierter gedacht werden. Es gab z. B. in unserem Studiengang eine Menge Leute, die mit 1,x abgeschlossen haben, die ich aber nie und nimmer in meinem Unternehmen haben wollen würde, da sie praktisch fast nicht zu gebrauchen sind. Ich denke, so ähnlich sieht es auch mit Abiturienten aus. Aber solange fast überall nur die Note zählt, ist sowas anscheinend nicht möglich.
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