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16. Januar 2013, 14:13 Uhr

Studiengebühren

Studenten-Geld verheizt, versenkt und versteckt

Von Vanessa Klüber und

Die letzten Bezahl-Bastionen wanken: Nur noch Bayern und Niedersachsen verlangen Studiengebühren von bis zu 500 Euro pro Semester. Im Süden beginnt jetzt die Einschreibefrist für ein Volksbegehren. Doch wofür haben die Hochschulen die Studenten-Millionen eigentlich ausgegeben?

Eine Insel, da ist eine Insel mit zwei Bergen - und die heißen Bayern und Niedersachsen. Nur diese beiden Bundesländer verlangen von ihren Studenten 500 Euro pro Semester, damit sie die Uni besuchen dürfen.

Noch. Denn in beiden Ländern steht den Gebührenbefürwortern - um im Bild zu bleiben - das Wasser bis zum Hals: Die Niedersachsen wählen am Sonntag ein neues Parlament, und es ist durchaus möglich, dass die schwarz-gelbe Koalitionäre und damit die Befürworter des Bezahlstudiums nicht bestätigt werden. In Bayern wiederum beginnt am Donnerstag die Frist für das groß angelegte Volksbegehren gegen die Gebühren: Binnen zwei Wochen müssen sich zehn Prozent der Wahlberechtigten eintragen, mehr als 900.000 Unterschriften. Die erste Hürde (25.000 Unterschriften) haben die Gebührengegner zuvor bereits genommen. In einer Umfrage für den Bayerischen Rundfunk sprachen sich zuletzt 72 Prozent der Befragten gegen die Gebühren aus.

Das Thema brachte auch Schwarz-Gelb in Bayern gegeneinander auf. CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer, stets flexibel bei der eigenen Meinungsfindung, wandelte sich vom Gebührenfreund zum -gegner und verärgerte so die FDP. Das Regierungsbündnis drohte zu zerbrechen, jetzt wollen beide Parteien das Ergebnis des Volksbegehrens abwarten.

Wofür haben die Hochschulen das Geld ausgegeben?

Die Chancen für ein Ende der Gebühren in Bayern und Niedersachsen und somit in ganz Deutschland stehen also nicht schlecht. Umstritten waren sie von Anfang an, auch wenn niemand so genau weiß, welche Effekte das Bezahlstudium tatsächlich hat: Schrecken die Gebühren Studenten aus ärmeren Familien ab? Verbessern sie die Lehre? Es gibt Studien und Auswertungen, die dieses bestätigen und jenes bezweifeln - und umgekehrt. Manch ein Uni-Präsident verdammte die Gebühren, andere forderten sie lautstark. Sicher aber ist: Immer wieder gaben Hochschulen das Studentengeld für teils fragwürdige, teils skandalöse Projekte aus, wie ein Rückblick zeigt:

Sieben Länder hatten die Gebühren in den vergangenen Jahren eingeführt, fünf schafften sie wieder ab, meist nach Regierungswechseln. Schneller als viele Gebührengegner zu hoffen gewagt hätten, ist das Bezahlstudium so zu einem Auslaufmodell geworden. In Bayern und Niedersachsen steht jetzt die Entscheidung an.

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