Studienkredite Ein Taschengeld oder 30.000 Euro - alles ist drin

Zwei Drittel aller Studenten müssen nebenher jobben, um sich ihr Studium zu finanzieren – und nach Einführung der Gebühren werden es noch viel mehr sein. Kredite sollen Abhilfe schaffen. Die Förderbank Kfw verschiebt ihr Angebot auf 2006, andere Anbieter wollen pünktlich an den Start gehen.

Die Kfw-Bankengruppe begründet ihren Rückzieher mit dem Bundestagswahlkampf: Man wolle im politischen Gezerre um die Studiengebühren nicht von allen Parteien unter Beschuss genommen werden. Das nun für 2006 geplante Angebot der Kfw sieht einen Zinssatz zwischen 5,0 und 5,5 Prozent sowie eine Darlehenslaufzeit von bis zu 25 Jahren vor; Studenten können demnach maximal zehn Semester lang bis zu 650 Euro monatlich erhalten.

Die Kfw gehört zu 80 Prozent dem Bund und zu 20 Prozent den Ländern. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) streitet gegen die Campus-Maut, unionsregierte Länder wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg dagegen wollen 2006/2007 allgemeine Gebühren einführen.

Neben der staatlichen Kfw wollen auch einige private Banken Studiendarlehen anbieten. Als erste reagierte die Deutsche Bank auf den Rückzieher der Konkurrenz. "Wir werden wie angekündigt zum Wintersemester mit unserem Studenten-Banking-Angebot beginnen", sagte ein Sprecher der Bank in Frankfurt. Die Deutsche Bank bietet den Studenten maximal einen Betrag von 800 Euro monatlich zu einer Verzinsung von 5,9 bis 9,9 Prozent an. Für die Rückzahlung und Tilgung räumt sie höchstens zwölf Jahre Zeit ein.

Kredite nur nach Vordiplom

Neben der Deutschen Bank wollen auch die Volks- und Raiffeisenbanken in Bayern monatliche Darlehen anbieten, allerdings nur für 3000 Studenten in Bayern. Sie können fünf Jahre 250 Euro erhalten - das reicht nicht, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Über die Höhe der Zinsen bei Rückzahlung ist man sich bisher noch nicht einig.

Von einem Angebot des DKB Studenten-Bildungsfonds als hochschulübergreifender Fond können nur Studenten profitieren, die schon ein Vordiplom in der Tasche oder bei einem Bachelor- oder Masterstudiengang mindestens ein Jahr Studium hinter sich haben. In den ersten Semestern gibt es also keine finanzielle Hilfe. Außerdem müssen die Interessenten fächerabhängig bestimmte Durchschnittsnoten erreichen.

Die monatliche Höchstrate beträgt 500 Euro, die Rückzahlung beginnt spätestens vier Semester nach Ende der Regelstudienzeit - auch dann, wenn man das Studium noch nicht abgeschlossen hat, promoviert oder im Referendariat steckt. Der Zinssatz wird voraussichtlich bei 5,17 Prozent liegen; allerdings sind die monatlichen Rückzahlungen genauso hoch wie die monatlichen Darlehen. Als Berufseinsteiger muss man also prompt 500 Euro monatlich zahlen.

Auf einen Schlag 30.000 Euro

Als Kreditvermittler für Studenten will ab Herbst auch der Bildungsfonds von CareerConcept aktiv werden. Zum einen vermittelt CareerConcept die Auswahl von Studenten für die Förderung an ganz bestimmten Hochschulen, wie etwa an der TU München oder der HHL Leipzig. Zum anderen bietet die Gesellschaft gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig den "Bildungsfonds Exklusiv I" an: Der richtet sich nur an Studenten mit überdurchschnittlichen Leistungen, die zunächst ein Auswahlverfahren überstehen müssen.

Dafür ist die Fördersumme ansehnlich: Maximal werden monatlich 1000 Euro oder einmalig bis zu 30.000 Euro gezahlt. Die Rückzahlungsbedingungen werden individuell ermittelt, die erste Rate wird erst mit dem ersten Verdienst fällig. Während einer Promotion oder der Jobsuche müssen die Kandidaten also noch nichts zahlen.

Auch die Sparkassen-Finanzgruppe will im Herbst Studentenkredite einzuführen. Details gibt die Gruppe aber nicht bekannt. Ähnlich sieht es bei der CC-Bank, der Citi-, der Noris- und der Postbank aus.

Julia Maria Bönisch

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