Studienkredite Hosen runter beim Bankberater

Noch geht kein Bundesland den Erstsemestern durch Studiengebühren an den Geldbeutel, da wittern Banken schon ihr Geschäft mit studentischen Schuldnern - und wollen Interessenten gründlich röntgen. Verbraucherexperten warnen vor übereilten Kreditverträgen.

Studiengebühren werden in Zukunft das Budget von Hochschülern in mehreren Bundesländern zusätzlich belasten. Schon jetzt drängen die ersten Angebote so genannter Studienkredite oder Studiendarlehen auf den Markt. Unabhängige Experten empfehlen, solche Angebote genau zu prüfen. Studenten, die nicht von ihren Eltern finanziell unterstützt werden können, sollten überlegen, ob sie Bafög beantragen oder sich einen Nebenjob suchen.

"Entscheiden sich Studenten für einen Studienkredit", so schreibt die Stiftung Warentest, "sollten sie knapp kalkulieren und - wenn möglich - nur kleinere Beiträge vereinbaren. Sonst schulden sie der Bank am Ende ihres Studiums viel Geld."

Im vergangenen Jahr erhielten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden rund ein Viertel aller Studenten in Deutschland die Ausbildungsförderung des Bundes. Die Hälfte bekam aber nicht den maximalen Förderbeitrag, weil das Einkommen der Studenten oder deren Eltern zu hoch war.

Als erstes Bundesland wird Nordrhein-Westfalen nach derzeitiger Planung Gebühren von bis zu 500 Euro pro Semester erheben. Vom Wintersemester 2006/2007 an gelte die Regelung zunächst für neu eingeschriebene Studenten, so das Wissenschaftsministerium in Düsseldorf. In Baden-Württemberg sollen Studierende vom Sommersemester 2007 an Gebühren von 500 Euro entrichten. Auch Bayern plant Studiengebühren, andere Bundesländer suchten noch nach einer Linie.

Fotostrecke

Studiengebühren: Die Proteste der Studenten

Foto: AP

"Wenn die Gebühren in der angekündigten Höhe eingeführt werden, bedeutet das, dass monatlich zwischen einem Siebtel und einem Sechstel des Budgets für die Gebühr abgehen. Das ist eine herbe Belastung", rechnet Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes (DSW) in Berlin, vor.

Erst einmal abwarten

Mehrere Kreditinstitute bieten Studenten deshalb so genannte Studienkredite an. Die Sparkassen und die Deutsche Bank in Frankfurt haben solche Produkte im Oktober auf den Markt gebracht. Vom Sommersemester 2006 an will die KfW Bankengruppe in Frankfurt, die Förderbank des Bundes, einen Studienkredit vertreiben. Auch die Förderbanken von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wollen Darlehen anbieten. Bundesweit erhältlich sind seit dem Sommer die Bildungsfonds des Finanzdienstleisters Career Concept in München.

"Weil die Gebühren ja erst in frühestens einem Jahr kommen, raten wir erst einmal davon ab, jetzt schon etwas abzuschließen", sagt Evelyn Keßler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Außerdem sei es grundsätzlich erstrebenswert, ohne Schulden ins Berufsleben zu starten. Zwar beginnt die Rückzahlung bei den nun vorliegenden Kreditmodellen von Banken und Sparkassen in der Regel nicht gleich nach dem Abschluss. Die vereinbarten Raten könnten die Lebensplanung nach dem Studium aber erheblich erschweren.

Ein Student, der etwa vom ersten Semester an einen Kredit von 350 Euro monatlich in Anspruch nimmt, hätte nach einem Studium von acht Semestern 16.800 Euro Schulden angehäuft, rechnet die KfW-Bankengruppe in einem Beispiel vor, das auf ihrem Kreditmodell basiert. Wählt der Student eine Rückzahlungsdauer von 15 Jahren, müsste er in dieser Zeit jeden Monat 134 Euro zurückzahlen. Mehr als 7000 Euro davon entfallen allein auf die Zinsen. Das entspreche nach Angaben der KfW einem Zinssatz von 5 bis 5,5 Prozent.

Gläserner Student mit Businessplan

Andere Institute verlangen wesentlich höhere Sätze. "Die Zinssätze der Angebote sind sehr unterschiedlich", bilanziert Christian Berg aus dem Vorstand des Freien Zusammenschluss von Studentinnenschaften (fzs) in Berlin. Er rät Studenten daher zum genauen Vergleich der Konditionen wie Zinssätze, Auszahlungsmodalitäten und Rückzahlungsfristen und zu einem Gespräch in einer der Sozialberatungsstellen der Allgemeinen Studierendenausschüsse (Asten).

Außerdem kritisieren die Experten, dass Hochschüler die Gestaltung ihres Studiums mit einem Kredit möglicherweise zu stark vom Kredit gebenden Institut abhängig machen müssen. Zwar haben die Sparkassen und Förderbanken angekündigt, die Kredite unabhängig von Einkommen der Eltern und Studienfach zu vergeben. Lediglich ein Studiennachweis und eine Schufa-Auskunft seien erforderlich.

Aber andere Banken verlangen detaillierte Auskünfte über die Finanzlage und schriftliche Angaben zum Studienplan - der Schritt zum "gläsernen Studenten". Harte Vorgaben macht ihren Kunden zum Beispiel die Deutsche Bank. Auch sie vergibt Kredite an Studenten aller Fächer. Die Berater wollen aber wissen, welches Fach studiert wird, und verlangen einen persönlichen Studienplan. Darin soll der Student offenlegen, wann er sein Grundstudium abschließt, wann er ein Auslandssemester plant und nach wie vielen Semestern voraussichtlich der Abschluss erfolgt, so ein Sprecher der Bank.

Später müssen Scheine müssen vorgelegt und Fachwechsel begründet werden. Kommt es zu Verzögerungen, bittet die Bank zum gespräch und fordert eine Begründung. Studenten mit Kredit sind also einem zusätzlichen Druck durch den Finanzier ausgesetzt.

Von Thorsten Wiese, gms

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.