Bundesländervergleich Studienplätze sind immer schlechter finanziert

Wie viel Geld stecken die Bundesländer in die Bildung ihrer Studenten? Eine neue Studie zeigt: Pro Kopf ist es immer weniger. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind überraschend groß.

Jura-Studentin in Köln (Archivbild)
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Jura-Studentin in Köln (Archivbild)


In den vergangenen zehn Jahren haben alle Bundesländer immer mehr Geld in ihre Hochschulen gesteckt. Doch es reicht nicht, denn die Zahl der Studenten ist in der gleichen Zeit noch stärker gestiegen -in diesem Jahr wurde erneut ein Rekordwert gemeldet.

So kommt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zu dem Ergebnis, die Hochschulen seien "weiterhin unterfinanziert". Wissenschaftler des Instituts für Hochschulforschung Halle-Wittenberg hatten dazu die Grundfinanzierung der Hochschulen, die Ausgaben für Investitionen und für die Förderung von Studenten und Wissenschaftlern unter die Lupe genommen.

Im Jahr 2013 flossen demnach rund 33,6 Milliarden Euro in das Hochschulsystem. Mit 94,5 Prozent stammte der allergrößte Teil dieser Mittel aus öffentlichen Kassen. Die private Wirtschaft, zu der auch private Stiftungen gezählt werden, steuerte 5,5 Prozent des Geldes bei. Die laufenden Grundmittel, die zum größten Teil von den Ländern kommen und etwa für Personal, Verwaltung und Gebäude zur Verfügung stehen, stiegen seit 2004 bundesweit um 29 Prozent auf 18,3 Milliarden Euro.

In diesem Zeitraum jedoch nahm die Zahl der Studenten um 28 Prozent zu. Legt man die Ausgaben auf die Studentenzahl um, wuchsen sie demnach nur um ein Prozent. Das entspreche im Durchschnitt der Länder einem Plus von 55 Euro auf 7323 Euro im Jahr 2013. In Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Schleswig-Holstein sei sogar weniger Geld pro Student ausgegeben worden.

Die Frage ist, was davon bei den Studenten tatsächlich ankommt. Deswegen berücksichtigten die Studienautoren auch noch die Inflation und die gestiegenen Kosten für das Hochschulpersonal. So gesehen sanken die Ausgaben pro Student sogar, und zwar im Durchschnitt um zwölf Prozent oder 907 Euro. Lediglich in Brandenburg, Bremen, Hamburg und Rheinland-Pfalz wurde demnach real mehr ausgegeben als 2004.

Die Böckler-Stiftung, die dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) nahesteht, wirft vor allem starken Ländern vor, nicht genug zu tun. So könnten etwa Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen mehr Geld ausgeben. Besonders negativ falle Bayern auf, das gemessen an seinem hohen Bedarf an Hochqualifizierten sehr wenig in die Hochschulen investiere.

Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen weisen der Untersuchung zufolge ein unterdurchschnittliches Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf, investieren aber überdurchschnittlich viel in ihre Hochschulen. "Die Stadtstaaten tragen eine überproportionale Last", erklärten die Studienautoren. Langfristig schüfen sie sich damit aber "die gut ausgebildeten Fachkräfte von morgen".

mamk/AFP



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