Studienplatzvergabe Bildungsministerium hält an Pleite-Portal fest

Ein bundesweites Portal sollte das Chaos bei der Studienplatzvergabe beenden. Doch die große Vision schrumpfte zur Mini-Version - trotzdem hält das Bildungsministerium daran fest, wie aus einem internen Papier hervorgeht. Katastrophal, findet die Opposition.
Kabelsalat: Seit Jahren soll eine vernünftige Zulassungssoftware entstehen

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Foto: Oliver Berg/ dpa

Bald werden Deutschlands Abiturienten wieder hoffen und zittern: Habe ich den Studienplatz bekommen, den ich wollte? In der Stadt, die mir gefällt? Am 15. Juli ist Bewerbungsschluss für das Wintersemester. Dann beginnt das große Warten.

Doch auch wenn ein Bewerber eine Absage für einen Studienplatz bekommt, heißt es nicht, dass ein anderer ihn tatsächlich besetzt. Denn allein im Wintersemester 2012/2013 blieben 13.096 Studienplätze in örtlich zulassungsbeschränkten Bachelorstudiengängen unbesetzt, heißt es in einer Stellungnahme des Bundesbildungsministeriums, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Das sei "unbefriedigend", schreibt das Ministerium.

Eigentlich sollte ein bundesweites Einschreibeportal das jährliche Chaos bei der Studienvergabe zumindest mindern - 15 Millionen Euro gab der Bund bislang dafür aus. Denn seit die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, die ZVS, in weiten Teilen in die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) überging, vergeben die meisten Hochschulen ihre Studienplätze selbst - nach eigenen Kriterien und mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Um die eigenen Chancen auf einen Platz im Wunschstudium zu steigern, bewerben sich viele Abiturienten an mehreren Unis - und bekommen oft mehrere Zusagen. Weil sie aber nur einen Studienplatz antreten können, bleiben Tausende unbesetzt.

Bildungsministerium sieht keine Alternative zum Portal

Doch an dem geplanten bundesweiten Einschreibeportal beteiligen sich im bisherigen Pilotbetrieb nur 17 Hochschulen aus acht Bundesländern. Die Zentralstelle ist damit zum Zentralstellchen geworden. Nun heißt es in der Stellungnahme betont vorsichtig: "Einen Regelbetrieb avisiert die SfH für das Wintersemester 2013/2014." Das hieße: In einem Jahr, zum Ende der Bewerbungsphase im Sommer 2013, müsste das System reibungslos laufen.

Trotz des holprigen Starts rückt das Bildungsministerium nicht vom sogenannten Dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV) ab: "Auch aus Sicht des BMBF gibt es keine Alternative zum DoSV", so das Ministerium in dem Dokument.

Eine Änderung soll es aber anscheinend doch geben: Bislang kümmerten sich der öffentliche Softwareanbieter Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) sowie die privatwirtschaftliche Firma Datenlotsen darum, das neue System an die bestehende Software der Hochschulen anzubinden. Wegen Holperstart und wiederholtem Terminverzug warfen Politiker vor allem der HIS vor, versagt zu haben. Die wiederum wehrt sich: Eine einzige Hochschul-Software gebe es lange nicht mehr, jede Hochschule habe sich auf ihre Sonderwünsche angepasste Lösungen schneidern lassen. Deshalb dauere die Anbindung der neuen Software länger als geplant.

Noch mehr Köche für den Zulassungsbrei?

Nun sollen HIS und Datenlotsen bald Verstärkung bekommen: Die Stiftung für Hochschulzulassung wolle nach und nach mehr Hochschulen in dem Portal aufnehmen, steht in der Stellungnahme des Bundesbildungsministeriums. Man setze darauf, dass weitere Anbieter am Markt eine Lösung vorlegen werden.

Scharfe Kritik kommt von der Opposition im Bundestag. Die Situation sei absolut katastrophal, sagte der hochschulpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Swen Schulz: "Es rächt sich, dass Bundesministerin Schavan entgegen unserer Warnungen voll auf das Serviceverfahren gesetzt hat. Und trotzdem verfährt sie weiter nach dem Motto 'Augen zu und durch'."

Ende Juni hatte die SPD-Bundestagsfraktion einen Antrag in den Haushaltsausschuss eingebracht. Die Oppositionspartei forderte darin einen Notfallplan, den die Bundesregierung bis September vorlegen solle, und plädierte für ein Anreizsystem für teilnehmende Hochschulen.

Außerdem, so steht in dem Antrag, müsse das "völlig unzulängliche Projektmanagement" personelle Konsequenzen im Ministerium nach sich ziehen. Der Antrag scheiterte im Haushaltsausschuss an den Stimmen der Regierungsparteien CDU/CSU und FDP. Für Studienbewerber heißt es also wie schon in den vergangenen Jahren: weiter hoffen, weiter warten.

fln