Studienstart eines Politrentners In München ist Erwin Teufel los

Baden-Württembergs früherer Regierungschef will es noch einmal wissen. Ab heute büffelt Erwin Teufel, 66, in München Philosophie. Eine Studentenbude hat er schon - 15 Quadratmeter und bitte kein Damenbesuch über Nacht.


München - Auch im neuen Lebensabschnitt bleibt sich der 66-Jährige treu: Sein Zimmer bei den Barmherzigen Schwestern im Stuttgarter Marienhospital tauscht Erwin Teufel gegen eine kleine Studentenbude beim Redemptoristenorden in München ein. Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident mag es bescheiden. Am Montag bezieht der frühere CDU-Spitzenpolitiker sein 15-Quadratmeter-Zimmer in der bayerischen Landeshauptstadt, um an der jesuitischen Hochschule für Philosophie sein Studium zu beginnen.

Erstsemester Teufel: Mit 66 Jahren fängt das Studium an
DDP

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Lebensmittelpunkt der Familie Teufel bleibt Spaichingen - als Ministerpräsident hatte er einen Umzug in die Regierungsvilla am Stuttgarter Schloss Solitude abgelehnt. Sein Zimmer bei den Redemptoristen in München liegt nur wenige Gehminuten von der Hochschule für Philosophie entfernt, unmittelbar am Englischen Garten. Die Einrichtung ist schlicht, mit Dusche und WC auf dem Gang. Kürzlich brachte das Ehepaar Teufel samt Schwiegersohn mit einem Kleinanhänger "einen schönen Schreibtisch, einen runden Tisch mit Sitzgruppe und Bilder aus der Heimat" nach München, wie die "Bild"-Zeitung erfahren hat.

Ehefrau Edeltraut habe ihm die "schöne Studentenbude eingerichtet", verriet der Seniorenstudent vor einigen Tagen. "Meine Frau darf mich besuchen, aber es gibt keine zwei Betten. Sie darf nicht bei mir übernachten."

Vergangenen Montag war Teufel bereits an der Hochschule, um sich ordnungsgemäß für das Studium einzuschreiben. An der beschaulichen Hochschule für Philosophie hat die Nachricht vom prominenten Studenten einen erheblichen Rummel ausgelöst. "Der Zirkus geht schon seit Ostern", berichtet Kanzler Ignaz Fischer-Kerli und fügt hinzu: "Wir sind uns bewusst, dass es eine schöne Werbemöglichkeit ist, aber es reicht jetzt langsam."

Studienstart erst nach Querelen

Zumindest am ersten Studientag am Montag muss sich die Hochschule noch einmal auf "diesen Zirkus" einstellen. Nach der offiziellen Begrüßung der neu eingeschriebenen Studenten durch den Rektor in der Aula der Hochschule will Teufel den in Scharen erwarteten Journalisten Rede und Antwort stehen. Ganz Recht ist dem früheren Spitzenpolitiker das anhaltende Medieninteresse nicht. Auf seiner letzten Pressekonferenz als Regierungschef im "Ländle" im April ließ er die Presse er mit Blick auf sein Studium wissen: "Ich verzichte gerne auf publizistische Begleitung."

Zusätzliches öffentliches Interesse weckten die Studienpläne Teufels allerdings durch die Frage, ob er überhaupt die Vorraussetzungen erfüllt. Denn der Ex-Ministerpräsident hatte das Gymnasium ohne Abitur und lediglich mit der Mittleren Reife verlassen. 1961 machte er dann im gehobenen Dienst einen Abschluss an einer Verwaltungsfachschule, die 1971 in eine Verwaltungs-Fachhochschule umgewandelt wurde. Im Rahmen dieser Änderung wurde den Absolventen der Titel Diplom-Verwaltungswirt (FH) verliehen. Kanzler Fischer-Kerli prüfte Teufels Zeugnisse und gab im Sommer schließlich grünes Licht.

Jesuiten-Hochschule: Viel Rummel um den Promi-Studenten
Andrea Leiber

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Ein lockeres Studentenleben wird der Bücherwurm Teufel an der Hochschule für Philosophie nicht haben. "Das Grundstudium ist bei uns stark verschult", berichtet der Kanzler. Gleich im ersten Semester muss sich der prominente Student mit Logik, Philosophie der Antike, Sprachphilosophie und Erkenntnistheorie, Gotteslehre und Religionsphilosophie beschäftigen. Allein im Grundstudium muss er zwei Pro- und zwei Hauptseminarscheine erwerben. "Das ist schon anspruchsvoll", sagt Fischer-Kerli.

Jahrzehnte vor Teufel hat an der Jesuiten-Hochschule übrigens auch sein Weggefährte Heiner Geißler studiert, der spätere CDU-Generalsekretär und Bundesminister. Geißler trat 1949 dem Jesuitenorden bei und besuchte dessen Münchner Hochschule. 1953 verließ Geißler den Orden jedoch wieder. Wenige Jahre später gründeten Teufel und Geißler gemeinsam im baden-württembergischen Rottweil den Ortsverband der Jungen Union.

Von Petr Jerabek, ddp

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