Genervte Studenten-Berater Wenn Helikopter-Eltern an der Uni landen

Selbst wenn ihre Kinder schon studieren, können manche Mütter und Väter nicht loslassen. Damit tyrannisieren sie nicht nur ihren Nachwuchs: Uni-Berater erzählen von merkwürdigen Gesprächen mit Helikopter-Eltern.
Mutter hilft Sohn (Symbolbild): "Überinvolviert, überbehütend und einschränkend"

Mutter hilft Sohn (Symbolbild): "Überinvolviert, überbehütend und einschränkend"

Foto: Corbis

Es fehlt nicht viel und sie würden auch noch in der Sprechstunde des Professors auftauchen: Eltern, die es nicht lassen können, sich ins Leben ihrer Kinder einzumischen. Auch wenn die schon längst erwachsen sind und studieren.

Sogenannte Helikopter-Eltern sind so fürsorglich, dass es nervt. Sie wissen am allerbesten, was der Sohn studieren soll, manchmal füllen sie seine Bewerbung gleich selbst aus. Sie rufen nicht nur bei ihren Kindern ständig an, sondern auch bei den Hochschulen: "Meine Tochter hat einen Studienplatz in Köln bekommen. Meinen Sie, das geht gut? Köln ist doch so groß..."

Das Zitat ist nicht erfunden. Die Kölner Studienberatung hat es aufgehoben, es stammt von einer besorgten Mutter, die sich telefonisch an die Beratungsstelle wandte. Die Universitäten in Bielefeld und Marburg haben ebenfalls absurde Anfragen von Helikopter-Eltern für SPIEGEL ONLINE gesammelt:

Die Zitate sind unfreiwillig komisch, aber dahinter steckt eine Herausforderung, vor der die Unis schon länger stehen: Vor allem wegen der Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre schreiben sich immer mehr Studenten ein, die noch nicht volljährig sind.

Im Wintersemester 2014/15 studierten an deutschen Hochschulen 3486 minderjährige Studenten. Fünf Jahre zuvor waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamts nur 761. Minderjährige Studenten dürfen sich ohne Einwilligung von Mutter und Vater meist nicht immatrikulieren und keinen Bibliotheksausweis beantragen.

Doch es sind nicht nur die Eltern von Campusküken, die es mit dem Engagement gelegentlich übertreiben. "Jüngere Studierende sind zwar eher betroffen", sagt Daniel Wilhelm von der Universität Bielefeld. Aber es gebe auch 30-Jährige, deren Eltern "überinvolviert, überbehütend und einschränkend" seien.

Neben diesen drei Eigenschaften hätten Helikopter-Eltern auch die Angewohnheit der "externalen Schuldzuweisung", wie Wilhelm das nennt: "Sie machen stets andere, zum Beispiel die Hochschulen, verantwortlich, wenn bei ihren Kindern etwas schiefläuft."

"Hört mal, gewisse Dinge würde ich gern allein machen"

Der 38-Jährige berät seit zwölf Jahren Studenten in der Bielefelder Studienberatung. Zudem hat er bundesweit mehr als 2000 Studenten zu ihrem Elternhaus befragt. 50 Studenten hätten von Problemen mit Helikopter-Eltern berichtet. "Männliche Studierende erzählen davon doppelt so oft wie weibliche", sagt Wilhelm.

Der Psychologe rät gestressten Studenten, ihre Eltern auf das Thema anzusprechen. Vielleicht mit Worten wie diesen: "Hört mal, gewisse Dinge würde ich gern allein machen. Ihr wollt doch auch, dass ich selbstständig werde." Es könne auch helfen, sich dafür Unterstützung zum Beispiel von einem Onkel oder der Patentante zu holen.

"Manchmal reicht es auch schon, von zu Hause auszuziehen", sagt Wilhelm. Am besten in eine andere Stadt. Und es könne nicht schaden, sich in die Eltern hineinzuversetzen. Denn die meisten meinen es doch gut - auch wenn's nervt.

Kennen Sie Helikoptereltern?
Foto: Westend61/ Getty Images/Westend61

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