Studienstart Neuer Erstsemester-Rekord an den Hochschulen

Es wird noch enger an Deutschlands Unis. Nie drängten so viele Studienanfänger an die Hochschulen wie zum letzten Wintersemester. Fast 400.000 junge Menschen schrieben sich ein, meist für Bachelor-Studiengänge. Noch schneller als die Studentenzahl wächst der Beratungsbedarf.

Studienstart in Kassel: Hunderttausende drängen an die Unis
dpa

Studienstart in Kassel: Hunderttausende drängen an die Unis


Und wieder ein Rekord: So viele junge Leute wie nie zuvor haben im vergangenen Jahr in Deutschland ein Studium begonnen. Die Zahl der Erstsemester stieg laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2008 auf 396.800, knapp zehn Prozent über dem Vorjahr.

Das waren fast 20.000 mehr als beim bisherigen Höchststand 2003 mit 377.500 Studienanfängern. Damit wird es eng in den Hörsälen und Seminarräumen, vor allem an den Fachhochschulen. Während an den FHs die Zahl der Erstsemester von 2003 bis 2006 konstant bei etwa 110.000 lag und dann bis 2008 auf rund 143.500 stieg, sank sie an den Universitäten im gleichen Zeitraum von knapp 252.000 auf knapp 239.000. In den letzten zwei Jahren ist aber auch an den Unis wieder ein leichter Zuwachs zu verzeichnen.

Die Zahl der Studenten im ersten Fachsemester - das können auch Fachwechsler sein oder Studenten mit bereits abgeschlossenem Studium - stieg zum Wintersemester 2008/2009 um zwölf Prozent auf 455.300. Und viele von ihnen haben sich, oft notgedrungen, gegen die traditionellen Diplom- und Magister-Studiengänge entschieden. Bereits zwei von drei Studienanfängern beginnen inzwischen ihre Ausbildung in einem Bachelorstudiengang. Im Vergleich zum Wintersemester 2007/2008 ist das ein Anstieg um 25 Prozent. Kein Wunder: Mehrere Bundesländer haben den Hochschulen per Gesetz auferlegt, die bisherigen Diplom- und Magisterstudiengänge auf das neue System umzustellen.

Die meisten entscheiden sich für Bachelor und Master

An den Fachhochschulen liegt die Bachelorstudenten-Quote der Erstsemester inzwischen schon bei 83 Prozent, an den Universitäten bei 65 Prozent. Durch das zweistufige Studiensystem aus Bachelor und Master soll in Europa bis 2010 ein einheitlicher Hochschulraum mit vergleichbaren Abschlüssen geschaffen werden.

Dabei stößt dieser "Bologna-Prozess" auch auf Kritik. Studenten wie Dozenten beklagen eine Stofffülle, die viele zur Verzweiflung treibt, eine starre Verschulung der Studiengänge und zusätzliche Aufnahmehürden beim Übergang ins weiterführende Masterstudium. Außerdem gibt es immer wieder Zweifel an der Arbeitsmarkt- Tauglichkeit des Bachelor-Abschlusses. Die Kultusminister der Länder wollen bei ihrem Treffen Mitte Oktober in Waren an der Müritz über mögliche Änderungen beraten.

So hoch wie nie zuvor ist auch der Beratungsbedarf, mit dem Studenten zu den Beratungsstellen des Deutschen Studentenwerks kommen. DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde sagte, dass die Berater hätten im Vergleich zum Vorjahr mehr als 20 Prozent häufiger über Studienfinanzierung aufgeklärt und Studenten bei sozialen und psychischen Problemen zur Seite gestanden.

Der Beratungsbedarf steigt sogar schneller als die Studentenzahlen - für Meyer auf der Heyde ist das kein Zufall, sondern die Folge der Umstellung auf das Bachelor- und Master-System. "Die neuen Studiengänge führen zu mehr Druck und Ängsten", so der DSW-Generalsekretär. Nicht zu unterschätzen sei, dass die Bachelorstudiengänge mit ihren dichten Stundenplänen und häufigen Tests wenig Zeit für Nebenjobs ließen.

"Das ist wie bei kommunizierenden Röhren", sagt Meyer auf der Heyde: Mehr Belastung im Studium bedeute weniger Geld - so einfach sei das. "Wir kriegen mit, dass es mehr stressbedingte und finanzierungsbedingte Probleme gibt." Schuld daran sei auch die Wirtschaftskrise, weil die Unternehmen schon Probleme hätten, ihre festen Mitarbeiter auszulasten. "Die Zahl der Aushilfsjobs ist stark runtergegangen."

otr, dpa/AFP/ddp/AP

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