Wohnungsmarkt für Studenten Jeder dritte Erstsemester sucht einen Monat und länger

Unbezahlbar, unerreichbar, unbewohnbar? Zwar findet ein Großteil der Erstsemester noch im ersten Studienmonat eine Bleibe. Ein Drittel allerdings muss länger als einen Monat suchen, zeigt eine neue Studie.

DPA

Holzdielen wären toll. Und eine große Küche, mit Sofa natürlich. Und Balkon zur Südseite. Und nette Mitbewohner. Und bezahlbar. Wer träumt nicht von der perfekten Wohnung?

Nur müssen die meisten bei ihrer Suche nach und nach Abstriche machen. Neun von zehn Studenten finden im ersten Semester eine Bleibe, berichtet jetzt das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Allerdings suchen 34 Prozent der befragten Studenten bei Semesterstart länger als vier Wochen, fast drei Viertel bewerten die Wohnungssuche als schwierig bis sehr schwierig.

Insgesamt haben die Forscher in diesem Sommer rund 30.000 Studenten per E-Mail aufgefordert, an der Online-Umfrage "Wohnraumsuche und Wohnen zu Studienbeginn" teilzunehmen. Wissenschaftlich verwertbar waren letztlich die Antworten von rund 12.300; die Ergebnisse der Studie sind für deutsche Studenten repräsentativ (Studie als PDF). Das Deutsche Studentenwerk hatte das Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, ehemals Hochschul Informations System (His), beauftragt, die Wohnsituation zum Studienstart zu analysieren.

Rund jeder dritte Student (32 Prozent) gab rückblickend an, schon in den ersten zwei Wochen nach dem Start ins erste Hochschulsemester eine Wohnung gefunden zu haben. Ein weiteres Drittel (34 Prozent) suchte zwei bis vier Wochen. Wiederum ein Drittel der Studenten suchte bei Beginn des Studiums länger als einen Monat: 24 Prozent der Befragten fanden binnen ein bis drei Monaten ein neues Zuhause. Jeder Zehnte studierte sogar drei Monate und länger ohne feste Bleibe.

So wohnen Deutschlands Erstsemester

Zu Beginn der akademischen Ausbildung lebten 28 Prozent bei Eltern oder Verwandten, 24 Prozent in einer WG und 27 Prozent allein oder mit Partner. In einem Wohnheim kamen zwölf Prozent der Studienanfänger in ihrem ersten Semester unter. Ausschlaggebend für die Wahl der Wohnform war nur bei 23 Prozent, dass sie genau so wohnen wollten. Weitere 23 Prozent gaben das Geld als entscheidenden Faktor an, ebenfalls bei 23 Prozent fehlte es entweder an Zeit zum Suchen oder an passenden Angeboten.

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Ungewöhnliche Unterkünfte: Mein Haus, meine Oma, mein Boot
Betrachtet man nicht nur Studienanfänger, sondern Studenten allgemein, ergibt sich bei den Wohnformen ein anderes Bild: So hat erst kürzlich die 20. Sozialerhebung gezeigt, dass die größte Gruppe der Studenten allein oder mit dem Partner in der eigenen Wohnung wohnt (37 Prozent). Wohngemeinschaften sind demnach unter Studenten insgesamt mit 29 Prozent die am zweitstärksten verbreitete Wohnform.

Die 58 Studentenwerke bieten bundesweit etwa 180.000 Wohnheimplätze. Zu wenig für derzeit 2,5 Millionen Studenten in Deutschland, kritisiert der Dachverband Deutsches Studentenwerk. Er fordert ein gemeinsames Bund-Länder-Programm für 25.000 neue, staatlich geförderte Wohnheimplätze. Auf den Wartenlisten stehen demnach 50.000 Studenten, und das zum Start des aktuellen Wintersemesters mit einem neuen erwarteten Erstsemesterrekord.

fln

insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
arimahn 25.10.2013
1. Und überrascht ist...
genau keiner. In Marburg und Jena müssten Studenten durchaus eine Weile zelten(!) bevor sie irgendwo unterkommen. Natürlich zu horrenden Preisen, künstlich nach oben gedrückt durch die ansässigen Vermieter.
SirJazz 25.10.2013
2.
Wenn man unbedingt im so hippen Fhain, Pberg oder Kreuzkölln wohnen möchte, weil man ja im Grunde nur zum feiern student geworden ist dann wundern mich die zahlen nicht. 1 Stunde zur Uni mit den öffentlichen ist keine Qual. Später im Job müssen sie auch pendeln.
meisterschlau 25.10.2013
3. ...
in berlin bieten viele große wohnungbaugesellschaften für studenten spezielle preise an: 1zimmer, 30qm/35qm für 250-300warm. innen/ aussen alles saniert. "nachteile": es sind plattenbauten abseits der "hippen" bezirke. öko-soja-latte gibts abends auch nicht, eher bier in der sky-sportbar nebenan. aber dafür i.d.r. gute öpnv-anbindung zu den hochschulen.
meisterschlau 25.10.2013
4. ...
Zitat von arimahngenau keiner. In Marburg und Jena müssten Studenten durchaus eine Weile zelten(!) bevor sie irgendwo unterkommen. Natürlich zu horrenden Preisen, künstlich nach oben gedrückt durch die ansässigen Vermieter.
künstlich nach oben gedrückt werden preise nur im kommunismus. wenn die fh kleinkleckersdorf einen ansturm wie beim begrüßungsgeld erlebt, was wird wohl passieren? die ortsansässigen werden sich die hände bis zur blasenbildung reiben un ganz laut "strike!" brüllen.
moev 25.10.2013
5.
Zitat von arimahngenau keiner. In Marburg und Jena müssten Studenten durchaus eine Weile zelten(!) bevor sie irgendwo unterkommen. Natürlich zu horrenden Preisen, künstlich nach oben gedrückt durch die ansässigen Vermieter.
Dann sind diese Preise eben nicht künstlich sondern durch Angebot und Nachfrage so weit oben und womöglich noch nicht wirklich hoch genug. Solange es so viel mehr Nachfrage gibt das gezeltet werden muss und die vorhandenen Wohnungen zu diesen Preisen weggehen ist noch Luft nach oben was die Preise angeht
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