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Auslandssemester auf Bali: Sommer, Sonne, Studium

Foto: Christina Bedürftig

Auslandsstudium auf Bali In die Uni mit ständigem Feriengefühl

Studieren auf Bali, geht das überhaupt? Christina Bedürftig, 25, jedenfalls musste sich zusammenreißen. Denn draußen lockten immer Sonne, Strand und frische Säfte. Nur die vielen Touristen nervten - und korrupte Polizisten.

"Wann kommst du aus dem Urlaub wieder?" Das fragten mich deutsche Freunde während meines Auslandssemesters immer wieder. Ein bisschen tut das schon weh, wenn man zu Hause nicht ernst genommen wird - denn ich habe auf Bali tatsächlich studiert. Natürlich hat das Spaß gemacht, aber so soll es ja auch sein im Auslandsjahr. Es war anfangs nur ein Hirngespinst, für ein Semester nach Bali zu gehen. Wird ja eh nicht passieren, dachte ich. Kein halbes Jahr später saß ich im Flugzeug, mit zwei guten Freunden und einem Koffer voller Sommerkleidung.

Wir mieteten eine kleine Villa mit Pool in Seminyak an der Westküste, einst ein Fischerdorf, heute ein Vorort der Touristenstadt Kuta. Jeder zahlte umgerechnet 260 Euro im Monat. Dafür kam täglich jemand, um zu putzen, die Handtücher zu wechseln und das Geschirr abzuwaschen. Auch ein Gärtner und ein Sicherheitsdienst gehörten zur Villa. Enorm viel Luxus, auch wenn wir uns zu fünft drei Zimmer teilten.

Seminyak ist voller Geschäfte und Restaurants, charmant, bunt, laut und dreckig. Roller, Busse, Taxen und Familienautos tosen durch die Straßen, und das weiße T-Shirt, in dem ich morgens aus dem Haus ging, war abends braun. Trotzdem habe ich mich frei und unabhängig gefühlt, wenn ich auf meinem Roller zur Udayana-Universität gefahren bin. Seit ich wieder zurück bin, vermisse ich ihn oft.

Das Essen auf Bali ist lecker und günstig, ein Teller gebratener Reis oder Nudeln kostet umgerechnet 90 Cent. Der Gewürzcocktail Gado-Gado, frische Säfte und Hühnerspieße mit Erdnusssoße - satt wird man auf Bali überall. Auch an die Straßenstände wagte ich mich heran. Einige Bauchkrämpfe waren dabei programmiert, aber meist hatte ich Glück und konnte meine Nudelsuppe ohne böse Nachwirkung genießen.

Gefangen in der Touristenhochburg

Ein Studentenparadies ist die Insel trotzdem nicht. Denn dem Touristenstrudel kann man schwer entkommen. Mit unserer Unterkunft hatten wir Glück, wir wohnten etwas abgelegener, hatten ein balinesisches Stammlokal um die Ecke und einige balinesische Freunde. Dennoch tummeln sich in der Gegend um Kuta viele Touristen: Selbstfindungsreisende, aufgepumpte Surfer-Dudes und Kegelklub-Proleten im Partnerlook. Und wir gehörten auch dazu, wir waren "Edutouristen", Edu für Education, ob wir wollten oder nicht.

Dieser Widerspruch begleitete uns die ganze Zeit. Ständig waren wir hin- und hergerissen zwischen dem Touristenleben und der Suche nach dem echten Bali. Wir wollten von allem das Beste mitnehmen: suchten den Kontakt zu Einheimischen, genossen aber auch die Nähe zur Partymeile in Kuta und die wahnsinnig tolle Unterkunft.

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Mich beschlich dabei oft das Gefühl, ich sei ein lebendiger Geldkoffer - beim Taxifahren, auf dem Markt, bei der Polizeikontrolle. Ein Beispiel: Ich fahre auf meinem Roller geradeaus, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Eigentlich ist alles in Ordnung, wenn nur meine hellen Beine nicht so auffallen würden. Ich bin auch nicht dunkel gekleidet, trage keine Handschuhe und keine lange Hose. Und tatsächlich: Ich werde angehalten, irgendein Grund findet sich immer, der Polizist droht mit einem Strafzettel, bis ich ihm ein paar Scheine zustecke, damit ich weiterfahren kann.

Am Ende siegte jedoch immer wieder das Lächeln über den Groll, in eine Touristenfalle getappt zu sein. Mir wurden noch nie so viele Lächeln geschenkt wie auf Bali, von Straßenverkäufern oder von Menschen, die mir auf dem Roller entgegenkommen oder zusammengepfercht auf der Ladefläche eines Lasters sitzen. Und so ein Lächeln kann einem den ganzen Tag retten, egal was war.

Studentenalltag: Auch auf Bali unumgänglich

Der studentische Alltag war ziemlich ähnlich wie zu Hause. Früh aufstehen etwa ist auch auf Bali hin und wieder nötig. Ich studierte an der Wirtschaftsfakultät auf dem Campus in Jimbaran, und es galt Anwesenheitspflicht. Immerhin drei Viertel der Kurse und Vorlesungen mussten wir besuchen.

Das Programm , an dem ich teilnahm, richtet sich gezielt an deutsche Studenten. Das Semester verbrachte ich also mit 200 anderen Deutschen in einem recht neuen Gebäude. Schade, denn so lernten wir kaum balinesische Studenten kennen. An der Infrastruktur gab es jedoch nichts zu meckern: Wir bekamen für jedes Fach ein Buch, und gelehrt wurde mit Computer und Beamern.

Manche Professoren hatten viel drauf, andere glänzten eher mit Halbwissen. Papers, Klausuren, Präsentationen - alles wie bei uns auch. Nur das ständige Feriengefühl machte die Uni viel anstrengender. Man lechzt nach hitzefrei und kann nicht glauben, dass man trotz Klimaanlage schwitzend in der Vorlesung sitzt und manchmal das kurioseste Englisch über sich ergehen lässt.

Ich habe in Bali gelernt, alles etwas lockerer zu sehen und offener auf andere zuzugehen. Das Leben ist viel zu kurz, um sich pausenlos der deutschen Leistungsmaschinerie zu beugen. Ich würde wieder in Asien studieren. Dann beantworte ich auch gern noch zehnmal die Frage, wann der Urlaub vorbei ist.

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