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Studium in Buenos Aires: Wo geht es hier zum Riesensteak?

Foto: Alexander Ehlert

Studieren in Buenos Aires Küssende Männer, und der Papst sieht zu

Entspannter als in Argentinien geht es kaum, fand Student Alexander Ehlert in Buenos Aires heraus. Im Land der Riesensteaks und der kreisenden Matebecher gewöhnte er sich in Rekordzeit an fast alle Bräuche. Lediglich dass Einheimische bei Schneefall ausflippen, fand er etwas seltsam.

Als ich in Buenos Aires ankam, schneite es gerade in den Randbezirken, und auf allen Fernsehsendern hüpften die Reporter wie verrückt in den kaum sichtbaren Flocken herum. Denn auch Ende Juli, im tiefsten argentinischen Winter, kommt Schneefall hier einer Sensation gleich.

Ich wollte raus aus Europa und eine neue Sprache lernen, aber nicht wie der Großteil meiner Kommilitonen ein halbes Jahr an den Stränden von Australien liegen. Also entschied ich mich für ein Auslandssemester an der Päpstlichen Katholischen Universität von Argentinien, einer Partnerhochschule der Frankfurt School of Finance & Management, an der ich BWL studiere.

Und damit entschied ich mich auch für Buenos Aires: fast 13 Millionen Einwohner, davon etwa 400.000 Studenten, eine der höchsten Theaterdichten Lateinamerikas und jede Menge pulsierendes Leben.

Mit meinen mageren drei Sätzen auf Spanisch gelang es mir immerhin, mich für die erste Woche in einem Hostel einzuquartieren. Über Couchsurfing fand ich dann ein Zimmer in einer internationalen Elfer-WG in einem riesigen, etwas baufälligen Haus mit Israelis, Amerikaner, Argentinier - und Franzosen. Aufgrund deren Englischschwäche blieb mir zur Konversation nur mein anfangs bröckeliges Spanisch.

"Keine Aufregung, alles ist gut"

Die Universidad Católica gilt als eine der besten privaten Hochschulen Lateinamerikas, die meisten Studenten kommen aus wohlhabenden und natürlich katholischen Familien. Die Uni untersteht direkt der päpstlichen Verwaltung, dementsprechend grüßt Papst Benedikt von den Wänden in allen Fluren, und im Sommer sind Shorts streng verboten. Für die etwa 200 Austauschstudenten zählt Frömmigkeit zum Glück nicht zu den Zulassungskritierien.

Wer durch die avenidas, die großen Straßen der Stadt schlendert, merkt schnell, warum Buenos Aires auch das Paris Südamerikas heißt. Die europäischen Wurzeln der Stadt - 1516 von spanischen Eroberern gegründet - erkennt man nicht nur am Aussehen vieler Einwohner, der Porteños, sondern auch am vorherrschenden Baustil: Im 19. Jahrhundert waren Villen im französischen Stil unter wohlhabenden Bürgern überaus angesagt.

Die Architektur ist zwar beeindruckend aber auch ganz schön heruntergekommen. "No te preocupes, no pasa nada, todo bien!" - "Keine Aufregung, es passiert nichts - alles ist gut", sagen die Porteños gern, wenn man sie auf solche Missstände hinweist. Doch bei aller Gelassenheit fällt auf, das Land hat sich noch nicht ganz vom Crash des Finanzsystems im Jahr 2001 erholt.

Für einen Studenten aus Frankfurt ist das Leben hier vergleichsweise günstig: Etwa 800 bis 1500 Pesos, bei meiner Ankunft etwa 150 bis 250 Euro, kostet ein Zimmer im Monat. Eine Busfahrt gibt es für 20 Cent, der Eintritt in Clubs liegt oft bei fünf bis acht Euro. Und für ein großes Stück argentinisches Rindfleisch bezahlt zwischen 2,50 bis 5 Euro, für die leckeren Choripán - mit Chorizo belegtes Baguette - nur einen 1 Euro. Allerdings sind die Preisangaben in der Landeswährung mit Vorsicht zu genießen, denn hier wird alles rasant teurer. Offiziell liegt Argentiniens Inflationsrate bei zehn Prozent, die Einwohner behaupten gern, sie liege bei 25.

Legendäres Nachtleben, späte Vorlesungen

Die Menschen in meinem Barrio, meinem Viertel, sind ausgesprochen warmherzig. Mit Jorge, dem Gemüsehändler, Rosa, der Wäschereibesitzerin und dem chinesischen Supermarktinhaber verstand ich mich auf Anhieb und sie sind immer zu einem kleinen Schwatz aufgelegt und vergessen darüber manchmal die Zeit. Mein deutsches Verständnis passt da nicht so ganz dazu: Bei meinem ersten Treffen mit argentinischen Mitstudenten kam ich 15 Minuten zu spät und machte mir deshalb unnötig Sorgen. Die ersten Kommilitonen trafen eine halbe Stunden nach mir ein.

Auch das Feiern folgt hier einem anderen Zeitplan. Man isst spät zu Abend, legt sich dann vielleicht noch kurz ins Bett, und trinkt erst gegen Mitternacht den ersten Rotwein oder Fernet mit Cola. Das Nachtleben in Buenos Aires ist legendär: Die Nachtclubs öffnen spät, gegen zwei Uhr wird es voll, dafür geht die Party auch bis in den Morgen, was die eine oder andere Vorlesungsverspätung zur Folge hatte. In solchen Fällen hilft immer ein belebender Mate beim Aufstehen, der für viele Argentinier ein Lebenselixier zu sein scheint. Der Busfahrer trinkt ihn während der Fahrt, in der Uni kreist der Matebecher mit Strohhalm zwischen Studenten und Professor, und auch Polizisten, die gemütlich an einer Hauswand lehnen und den bitteren Tee genießen, sieht man oft.

"Alex, you have to move your hips!"

Das Studium an der UCA ist sehr verschult. Vor kleineren Gruppen doziert ein Professor, der meist ein freundschaftliches Verhältnis zu den Studenten hat. Austauschstudenten werden nicht ganz so streng bewertet, und mein Wirtschaftsprofessor strahlte immer über das ganze Gesicht, wenn ich etwas über Deutschland berichtete.

Die Arbeitslast verteilt sich dank Zwischenklausuren und regelmäßigen Hausaufgaben gleichmäßiger über das Semester als in Deutschland. So blieb in den vorlesungsfreien Tagen Zeit für Reisen durch das achtgrößte Land der Erde bis zu den Wasserfälle von Iguazú, in die Weinanbaugebiete um Mendoza in den Anden, und zum Skifahren und Campen in Patagonien.

Ein wenig Lockerheit habe ich in Buenos Aires auf jeden Fall gelernt. Auch wenn meine Tanzpartnerinnen beim Salsakurs vergeblich versuchte, mir mit einem aufmunternden "Alex, you have to move your hips" etwas mehr Rythmusgefühl zu entlocken. Überrascht war ich auch, als zwei argentinischen Freunde zu meiner Party mit einem Trupp von 15 Leuten kamen. Man gewöhnt sich an vieles - nur dass sich Männer hier mit Wangenkuss begrüßen, die argentinische Eigenheit blieb mit bis zuletzt etwas suspekt.

Argentinisch für Anfänger - Hey Alter, wir nehmen den Bus!

Tranquilizate por favor. - Beruhige Dich, bitte.

Que comemos? Un Asado! - Was essen wir? Es wird gegrillt!

Che Boludo! - Hey Alter! (Boludo bedeutet eigentlich Idiot. Ist aber eine beliebte Anrede unter guten Freunden.)

Tomamos el colectivo. - Wir nehmen den Bus. (Der Spanier verwendet für "nehmen" nur das Verb coger. Vorsicht: Das bedeutet in Argentinien aber Geschlechtsverkehr)

No te preocupes, no pasa nada, todo bien - Keine Aufregung, es passiert nichts - alles ist gut

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